Bravo-Rufe bei Urteilsverkündung

Gericht lässt U-Bahn-Schläger laufen

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Die Überwachungskamera hielt die brutalen Szenen am Innsbrucker Ring fest.

München - Yasin Ö. (20) und Murat K. (21) haben auf ihre Opfer grundlos eingeprügelt und auf sie eingetreten. Sie haben mit Steinen geworfen.

Trotz einschlägiger Vorstrafen durften sie gestern nach dreimonatiger Untersuchungshaft als freie Männer das Gericht verlassen. Als Richterin Marie-Luise Broich verkündete, dass die Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden, brandete unter den Zuhörern Beifall auf. Die zahlreichen Verwandten der verurteilten Türken riefen: „Bravo!“

Wie berichtet, waren die beiden Angeklagten mit ihren Freunden am 30. Dezember um 4.45 Uhr in der U 5 in Richtung Neuperlach durch laute Musik aufgefallen. Die Aufforderung anderer Fahrgäste, die Musik leiser zu stellen, ignorierten sie. Als ein 20-Jähriger sie beleidigte, schlug Yasin Ö. zu. Fahrgast Robert V. (45) wollte schlichten. Da verpasste ihm Yasins Freund Murat einen Handkantenschlag auf die Nase, die sofort heftig blutete.

Am Innsbrucker Ring wollten die Täter das Weite suchen, der verletzte Robert V. folgte ihnen. Im Zwischengeschoss kam es zu einer brutalen Szene: Gemeinsam schlugen und traten Yasin und Murat auf den 45-Jährigen ein, der erheblich verletzt zu Boden ging. Sie attackierten auch Kurt D. (45), der seinem Freund zu Hilfe eilen wollte. Auf Kurt D. warfen die Täter später auch noch Steine.

Yasin Ö., unter anderem wegen dreier Körperverletzungen vorbestraft, gab vor Gericht alles zu. Weder Jugendarreste noch ein Anti-Aggressions-Kurs hatten ihn bisher von weiteren Taten abgehalten. Doch in der U-Haft sei er klug geworden, beteuerte er. Staatsanwältin Johanna Steyrer forderte für ihn ein Jahr und zehn Monate Gefängnis. Verteidiger Peter Witting hielt eine kürzere Haft auf Bewährung für ausreichend. Murat K., der zweimal wegen Körperverletzung vor Gericht stand, sollte nach dem Willen der Staatsanwältin ein Jahr und sieben Monate in den Knast. Dessen Anwalt Hans Schröder forderte ebenfalls Bewährung.

Das Jugendschöffengericht sprach für beide Bewährungsstrafen aus: Ein Jahr und sechs Monate für Yasin Ö., ein Jahr und drei Monate für Murat K. Bei beiden sah das Gericht eine „positive Sozialprognose“, da sie einen Job haben und die Familien zu ihnen halten. Richterin Broich betonte aber auch: „Das ist ihre letzte Chance.“

Von Eberhard Unfried

Quelle: tz

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