Gebrauchthandel-Prozess

Die Mafia vom Wertstoffhof

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Müssen sich nun vor Gericht verantworten: Mehmet B. (l.) und Salih Z. sind wegen gewerbsmäßiger Bestechung angeklagt.

München - Gebrauchthändler sollen gut erhaltene Elektroartikel von Wertstoffhöfen erhalten haben. Der Stadt entsteht dadurch ein hoher Schaden. Nun stehen zwei Männer vor Gericht.

Die Aktion war präzise geplant und großflächig angelegt: Mitte März hatte die Polizei eine Razzia quer durch die Stadt durchgeführt - 180 Beamte durchsuchten neun von zwölf Wertstoffhöfen und befragten Mitarbeiter. Der Verdacht: Mutmaßlich hatten etliche von ihnen Gebrauchthändlern illegal Wertstoffe überlassen und sich dafür bestechen lassen. Der Schaden für die Stadt ging vermutlich in den sechsstelligen Bereich.

Denn üblicherweise werden gut erhaltene Elektronikartikel oder Möbel im offiziellen Second-Hand-Verkauf noch zu Geld gemacht. Im Jahr 2013 nahm die Stadt durch dieses Verfahren insgesamt 436.122,50 Euro ein. Gleichzeitig soll es ab 2012 zu den Bestechungen, Diebstählen und auch Hehlerei gekommen sein.

Zwei Männer wegen gewerbsmäßiger Bestechung angeklagt

Am Amtsgericht wird seit nun versucht, den Gesamt-Komplex aufzuklären. Dort sind seit Donnerstag Mehmet B. (25) und Salih Z. (48) wegen gewerbsmäßiger Bestechung angeklagt. Sie sollen in 576 Fällen die Mitarbeiter von neun Wertstoffhöfen geschmiert haben - pro Woche zahlten sie laut Anklage 250 Euro, um sich Elektroschrott zu sichern. Über 54 Wochen hinweg investierten sie so mutmaßlich 16.000 Euro. Die Ware sollen sie bei ihrem Gebrauchthandel in der Lilienthalstraße dann weiterverkauft haben.

Wertstoffhof in der Lerchenstraße in Feldmoching.

Bei einer Durchsuchung stellte die Polizei dort am 15. April 2014 insgesamt 370 Gegenstände sicher: Autoradios, Fernseher, Fotoapparate, Plattenspieler, Kühlschränke und Waschmaschinen sowie 30.000 Euro Bargeld. "Ein Sprinter hat nicht gereicht, um alles abzutransportieren", sagte ein Ermittler aus. "Und das war ja nur die Ware, die an diesem Tag sichergestellt wurde. Die einzelnen Teile waren noch bis zu 50 Euro wert."

Vor Gericht haben sich die Gebrauchthändler am Donnerstag noch nicht geäußert. "Mein Mandant will Angaben machen", kündigte Verteidiger Adam Ahmed an, der Salih Z. vertritt. Dieser soll laut Anklage für das Lager und den Verkauf zuständig gewesen sein, Mehmet B. für den Kontakt zu den AWM-Mitarbeitern. Gegen 28 von ihnen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch parallel. Dafür wird es auch eine große Rolle spielen, was im aktuellen Prozess herauskommt.

Andreas Thieme

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Andreas Thieme

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