Hallo München feiert 10-Jähriges!

Oster-Tipps und die schönsten Viertel-Geschichten

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Viel in München unterwegs: Die Reporter von "Hallo München" berichten seit zehn Jahren aus der Stadt.

München - Die Stadt hat eine Menge zu bieten - gerade am Oster-Wochenende. Die Reporter von "Hallo München" stellen die verschiedenen Stadt-Viertel vor und geben Ausflugstipps.

Glückwunsch, Hallo München! Die Stadtviertel-Zeitung gibt's inzwischen seit zehn Jahren.

Eigentlich keine lange Zeit im Vergleich zur traditionsreichen Konkurrenz auf dem Münchner Zeitungsmarkt - und trotzdem ist unser Schwesterblatt aus dem Verlagshaus von Dr. Dirk Ippen in der Stadt längst fest verankert. Das zeigen die vielen exklusiven Geschichten und wertvollen Tipps aus den einzelnen Stadtbezirken, die das Reporter-Team Woche für Woche entdeckt und für ihre Leser im Boulevard-Stil aufbereitet. Pünktlich zum Oster-Wochenende präsentieren wir Ihnen auf dieser Doppelseite ein Best-of unserer Kollegen von der Dessauerstraße - viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

Streit um Isar-Party

Ja, da heulen manche Münchner tatsächlich auf: Die geplante "Vollmond-Party" mit Zigtausenden Leuten am 21. Mai an der Isar sorgt für überschäumende Gemüter. Und wirft Fragen auf, die es wert sind, immer wieder aufs Neue diskutiert zu werden: Wie viel Kommerz am Fluss darf erlaubt sein, ohne dass das einzigartige Landschafts- und Naturschutzgebiet in München bedroht ist? Wie sehr darf sich die Allgemeinheit am Flaucher beim Grillen und Feiern austoben - und wo ist die Grenze des Erträglichen für Isarauen und Anwohner erreicht? Darüber wird heftig gestritten: Umweltverbände wie der Bund Naturschutz (BN) protestieren gegen das Massen-Spektakel. "Wir feiern die Isar zu Tode", warnten sie und fordern Maßnahmen zum Schutz des Flusses. Die Bezirksausschüsse Sendling und Thalkirchen wollen die Isar-Gaudi gleich ganz verbieten - in einem Antrag wird die Stadt aufgefordert, keine "kommerziellen Veranstaltungen an der Isar" zuzulassen. Währenddessen werben die Veranstalter weiter auf Facebook für ihre "Full Moon Party".

Rund 7000 Leute haben ihr Kommen schon zugesagt, über 55.000 sind "interessiert". Das Kreisverwaltungsreferat hat bereits Kontakt zu den Party-Machern aufgenommen und sieht der Sache jetzt gelassener entgegen - auch weil die Organisatoren zurückrudern: "Wir haben lediglich auf den Vollmond an diesem Tag hingewiesen und darauf, dass jeder, der Lust hat, an die Isar kommen kann, um dieses Schauspiel anzusehen", so ein Agentur-Sprecher. Er könne sich kaum vorstellen, dass die Stadt den Menschen verbieten kann, "an die Isar zu gehen". Mal schauen, was am 21. Mai dann Sache ist. Gut möglich, dass sich die ganze Aufregung dann als Sturm im Wasserglas entpuppt.

Der Thalkirchen-Tipp:

Sich auf dem neuen Thalkirchner Platz vor der großen Holzkiste von "Gelatobi" ein sonniges Plätzchen im Liegestuhl sichern und genüsslich ein Eis schlecken (Eisdiele je nach Wetterlage geöffnet). Wer's ruhiger und beschaulicher mag: Die Terrasse vom "Bartl", der Gaststätte auf dem Thalkirchner Campingplatz (Zentralländstraße 49, seit 15. März geöffnet), bietet besten Blick auf die am Ende des Kanals eintrudelnden Flöße (Anfang Mai bis Mitte September).

Der Oster-Klassiker:

Im Tierpark ist's an Ostern knallvoll. Aber wenn die ganze Familie mal drin ist kann der "Osterspaß" (mit Kinderschminken und Ei-Ausstellung) am 27. & 28. März (9-18 Uhr) beginnen.

Mike Eder, Thalkirchen

Kartler brechen Rekord

Die Untergiesinger Burschen.

Bei diesen Herren war Sitzfleisch Trumpf! Sechs Untergiesinger Burschen hatten die irre Idee, den Weltrekord im Dauer-Schafkopfen zu brechen, und der lag immerhin bei 222 Stunden - das sind über neun Tage! Jetzt ist es heutzutage in München eh schon nicht mehr so leicht, einen Wirt zu finden, der nix gegen launige Schafkopfrunden hat - derbes Vokabular und Kartengeschmetter g'fallen halt nicht jedem. Aber wenn die spielenden Gäste die Wirtsstube tagelang besetzen und sogar ihr eigenes Mobiliar mitbringen, braucht's viel Toleranz. Wie gut, dass einer aus der Schafkopf-Runde Sohn eines Boazn-Besitzers ist: So wurde die "Bar Bajanni" an der Pilgersheimer Straße 70 das Zuhause des Kartel-Kartells.

Auf die Jungs wartete harte Arbeit: 16 Stunden am Stück musste jeder durchhalten, bevor sich jeweils zwei für acht Stunden im Nebenraum der Bar zum Schlafen legten. Höchstens fünf Minuten Pause pro Stunde wurde ihnen vom Komitee des Guinness-Buchs der Rekorde gestattet. Halb Giesing fieberte mit, versorgte die Burschen mit Essen und aufmunternden Worten. Und sie harrten aus, Stich um Stich, bis nach fast elf Tagen endlich die 266. Stunde voll war. Mission erfüllt! Ganz nebenbei sammelten die Kartler noch 1500 Euro für die Dominik-Brunner-Stiftung. A sauguade Aktion!

Die Untergiesing-Tipps:

Nach einem Spaziergang vom Gasthaus Siebenbrunn am Auer Mühlbach entlang gelangt man zur Krämer’schen Kunstmühle. Wo früher Getreide gemahlen wurde, röstet heute das Caffé Fausto (Birkenleiten 41) seinen eigenen Kaffee, den man vor Ort in idyllischer Lage genießen kann. Wer lieber schafkopfen mag: Sportgaststätte Agilolfinger (Agilolfingerstraße 6), Gaststätte Lucullus (Birkenau 31) oder Maibaumstüberl (Obere Weidenstraße 1).

Der Oster-Klassiker:

Der Kiosk an der Wittelsbacherbrücke ist Münchens ältestes Standl. Er stand öfter vor dem Aus, gerade ist er aber im Probelauf für die kommende Saison. Ein Besuch lohnt sich!

Isabel Steffens, Untergiesing

Kunst gegen Leerstand

Hallo München hat das Projekt der Sozialgenossenschaft "Bellevue di Monaco" von Anfang an begleitet: Jahrelang stand ein Teil der Häuser an der Müllerstraße 2-6 in der Isarvorstadt leer. Deshalb wollte die Stadt die Häuser abreißen lassen und neue Sozialwohnungen bauen. Dagegen formierte sich Widerstand. In einer medienwirksamen Aktion gelang es Kleinkunstkönig Till Hofmann, die Stadt von ihren Plänen abzubringen: Er renovierte mit Promis, darunter Mehmet Scholl, die Sportfreunde Stiller und Dieter Hanitzsch in Gorilla-Kostümen eine Einzimmer-Wohnung im sechsten Stock der Hausnummer 6. Die Gorillas schafften es, die Wohnung für 2500 Euro zu renovieren.

Die Stadt verwarf die Abriss-Pläne, "Bellevue di Monaco" bewarb sich um die Nutzung und erhielt im Februar den Zuschlag: Willkommen in der Mitte! In dem Anwesen Müllerstraße sollen Wohnungen für Flüchtlinge, Räume für Informations- und Beratungsangebote sowie ein Begegnungs-Café entstehen. "Wir haben jetzt erst einmal die Fenster geputzt, den Müll weggeschmissen und Stühle hineingestellt", sagt Münchner Flüchtlingsrat-Chef Matthias Weinzierl. Ab Mai sollen Workshops und Info-Treffen stattfinden. Danach sollen die Wohnungen im Haus Nummer 6 bewohnbar gemacht werden - "Schritt für Schritt". Dann können endlich, nach jahrelangem Ringen um die Häuser, minderjährige Flüchtlinge einziehen.

Der Isarvorstadt-Tipp:

Eines meiner Lieblingscafés ist die Lehmann Patisserie (Holzstraße 22). Hier wird alles selbst hergestellt - von der Birnen-Schoko-Tarte bis zum Erdbeer-Tiramisu. Und nicht zu vergessen die köstlichen Pralinen. Infos unter www.lehmann-patisserie.de (Ostersonntag und -montag geschlossen)

Der Oster-Klassiker:

Meine Hamburger Freunde schleppe ich ins Gärtnerplatzviertel, dann setzen wir uns auf eine Bank und genießen das bunte Treiben. Vorher gibt's Eis bei del fiore (Gärtnerplatz 1).

Ines Weinzierl, Isarvorstadt

Siggi, der Landwirt aus der Großstadt

Ein acht Quadratmeter großes Hügelbeet in einem Hinterhof an der Schrenkstraße - mehr war es am Anfang nicht. Siggi Fuchs pflanzte dort ein paar Karotten, Gurken und Salate an. Fast 15 Jahre sind seitdem vergangen. Und aus den acht Quadratmeter sind 3500 geworden. Siggi Fuchs hat sich einen Traum erfüllt. Er wurde Landwirt - der einzige im Westend. "Irgendwann hat mir das Zeug aus dem Supermarkt nicht mehr geschmeckt", sagt er. Die Alternative: Selbst Gemüse anbauen. Dann kommt ihm der Zufall zu Hilfe. Ein Stück Wald in der Landwirtschaft seiner Schwester wird vom Borkenkäfer befallen. 

Gemeinsam mit ein paar Freunden beackert er das Areal so lange, bis er dem sauren Waldboden die ersten Pflanzen abringen kann. Mit der Zeit spricht sich im Westend herum, dass „der Siggi“ das beste Gemüse weit und breit hat. Fuchs setzt auf ein innovatives Konzept namens "Community supported agriculture" (CSA): Er sorgt für den Nachschub an frischen Lebensmitteln, die Abnehmer halten ihm durch Abnahmegarantien finanziell den Rücken frei. Für seinen Traum zahlt der Großstadtbauer einen stolzen Preis. Freizeit oder gar Urlaub kennt der 49-Jährige nur noch aus Erinnerungen. Doch das bringt ihn nicht von seinem Weg ab. "Wenn Leute strahlend ihre Lebensmittel abholen, dann weiß ich: Das ist es wert."

Der Westend-Tipp:

Freiraum für Spiel und Sport bietet der Quartiersplatz, Max-Hirschberg-Weg 5, auf dem Bahndeckel. Das Areal wurde aufgewertet, als 2000 die Messe von der Theresienhöhe nach Riem zog.

Der Oster-Klassiker:

Ein grünes Fleckerl auf der Schwanthalerhöhe: Das ist der Bavariapark mit seinem Wirtshaus (Theresienhöhe 15). Ostersonntag gibt's von 12 bis 15 Uhr Kinderbasteln mit Ostereisuche.

Sarah Brückl, Westend

Der Mann, der die Heimat pflegt

Leitlinien zum Planen und Bauen in der Altstadt? Wieder ein zahnloser Tiger der Stadt, über den sich Investoren totlachen. Das dachte ich, bis ich deren Verfasser, den Stadtheimatpfleger Gert F. Goergens, traf. Der 75-Jährige kämpft wie ein Tiger (mit Zähnen!) für den Erhalt der City. Sein Sinn für die Schönheit und die Historie der Gebäude ist ansteckend, und ich konnte mir sofort vorstellen, wie er auf Investoren und Bauträger einwirkt, wo die Stadt mit rechtlichen Mitteln am Ende ist. So ist es ihm auch gelungen, eines meiner Lieblingshäuser am Marienhof zu retten. Die Weinstraße 8, die jetzt einen H&M beherbergt, sollte abgerissen und neu gebaut werden.

Goergens erreichte, dass der Bauherr dieses besonders schöne Beispiel der Münchner Nachkriegsarchitektur von 1948 generalsanierte. Eines der vielen Beispiele, wo er mit konstruktiven Vorschlägen zwischen Prinzipientreue und Pragmatismus unser unvergleichliches Stadtbild erhalten konnte. "Die meisten Bauherren sind schon einsichtig, oft fehlt es nur an Zeit, sich mit den Orten auseinanderzusetzen", betont der Architekt, der durch seine Altstadtleitlinien eben dies ermöglichen möchte. Darin lieferte er Anregungen für die Fassadengestaltung, Höhen-Entwicklung sowie zur Erhaltung von öffentlichen Innenhöfen, Arkaden und Durchgängen. "Die sind besonders wichtig für das Leben in der Innenstadt." Gerade legt er als Architekt persönlich Hand an, direkt am Marienplatz. Und ich kann es kaum erwarten, wie die derzeit verhüllte Fassade des Hugendubel-Hauses - seiner Aussage nach eine "aufgeregte Landpomeranze" - aussehen wird, nachdem er mit ihr fertig ist.

Der Altstadt-Tipp:

Die Fünf Höfe sind perfekt für einen Stadtbummel und bieten neben der Architektur eine gute Mischung aus Kultur, bunten Läden und coolen Lokalen wie dem "Barista" (Kardinal-Faulhaber-Straße 11) mit seinen herrlichen Steaks und Mai Tais.

Der Oster-Klassiker:

Immer einen Besuch wert: Die Hypo-Kunsthalle (Theatinerstraße 8) ist an den Osterfeiertagen von 10 bis 20 Uhr geöffnet und zeigt gerade 120 Bilder des Malers Joaquin Sorolla.

Maren Kowitz, Altstadt

Die Turner geben nicht auf

Sportler sind ausdauernd - doch dieses Gefecht verlangt ihnen alles ab: Seit fünf Jahren kämpfen die Freunde des Siemens-Sportparks dafür, dass die Stadt die frühere Firmen-Freizeitstätte an der Siemensallee erwirbt und aus auf dem knapp 14 Hektar großen Areal einen offenen Sport- und Bürgerpark macht.

Als Siemens das Zentrum im Sommer 2011 schloss, ging ein Aufschrei durchs Viertel, über 500 Mitglieder verloren ihre sportliche Heimat - nur die Tennis-Abteilung durfte bleiben. In Hallo München schilderten traurige Turner eindringlich, wie sich die bevorstehende Schließung des beliebten Treffpunkts auf ihre sozialen Kontakte auswirken wird.

"Über die Jahrzehnte sind enge Freundschaften entstanden." Ob tatsächlich welche zerbrochen sind, lässt sich nicht mehr nachprüfen. Doch wer hin und wieder die Sitzung des Bezirksausschusses 19 besucht, der sieht, dass die Sportler nach wie vor nicht aufgesteckt haben. Etwas geschwächt zwar, von einem jahrelangen zermürbenden Marathon quer durch den Verwaltungsapparat der Stadt; doch noch immer mit Kampfgeist, bereit für den letzten Aufstand gegen wendige Investoren im Wettstreit um eines der letzten Filetstücke im Münchner Süden. Noch dieses Jahr will Siemens entscheiden, wer das Rennen macht.

Der Obersendling-Tipp:

Seinen Horizont auf dem Dach der Kistlerhofstraße 70 erweitern. Aktionskünstler Wolfgang Flatz hat auf dem blau-gelben Hirmer-Haus seinen Kunstgarten „Heaven7“ mit Hubschrauber, Mönchsfriedhof und Cadillac installiert. Besuch nur nach Anmeldung unter heaven7.flatz.net.

Der Oster-Klassiker:

Wer die Viertelgrenze nur ein bisserl überschreitet, kann im Augustiner Schützengarten (Zielstattstraße 6) schlemmen. Ab 14 Uhr werden dort am Sonntag Eier gesucht.

Daniela Schmitt, Obersendling

Ein kleines Wunderland namens Aubing

Als ich das erste Mal das knarzende, rostige Tor zur Ehrenbürgstraße 9 aufstieß, kam ich mir vor wie Alice im Wunderland. Es rannte zwar kein weißes Kaninchen auf seine Taschenuhr starrend an mir vorbei. Dennoch betrat ich eine Welt, die ganz anders war als das geschleckte, bemüht hippe München.

Alexander Werner (M.) und seine Mitstreiter.

Der von Unkraut durchsetzte Kiesweg führte von einem kleinen Häuschen mit blauen Fensterläden zum nächsten mit roten. Aus einer Fassade ragte eine riesige gelbe Nase heraus und aus dem verwilderten Gebüsch zwischen den Gebäuden starrten mich wundersame Wesen aus Stein an. In beiger Latzhose und rotem T-Shirt kam mir Alexander Werner entgegen. "Willkommen bei den Freien Ateliers und Werkstätten in Neuaubing", sagte er lächelnd. Dabei war Werner damals bestimmt nicht fröhlich gestimmt. Die Stadt hatte das Areal gekauft und zur Außenstelle des NS-Dokuzentrums bestimmt. Denn Werners Kolonie aus 20 Künstlern und Handwerkern ist seit 30 Jahren in den Baracken eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers aus dem 2. Weltkrieg untergekommen.

Jahrelang haben die Kreativschaffenden aus eigenen Mitteln die Häuschen instand gehalten und ihr eigenes Wunderland geschaffen - aber auch an die düstere Vergangenheit des Quartiers erinnert. Bis die Stadt es erwarb und zu einem Erinnerungsort umplante: Die Kunstobjekte im Freien, das verwilderte Gebüsch und die fantasievollen Anbauten sollten weichen, die Künstler bleiben. "Der Charakter geht aber verloren", befürchtete Werner. Mittlerweile lenkt die Stadt ein: Es werde nichts ohne Absprache mit den Freischaffenden geschehen, damit dieses seltene Künstlerbiotop erhalten bleibe. Werner lächelt skeptisch.

Der Neuaubing-Tipp:

Auf dem Gelände der Ehrenbürgstraße 9 befindet sich auch die Kinder- und Jugendfarm. Wer mehr über süße Häschen, dicke Hausschweine und freche Ziegen erfahren möchte, kann mit Kind und Kegel an einer Tierführung teilnehmen. Die findet jeden Mittwoch von 15 bis 16 Uhr statt. Der Eingang zur Farm ist an der Wiesentfelser Straße 59.

Der Oster-Klassiker:

Gleich um die Ecke steht an der Wiesentfelser Straße der Turm zu Freiham. Von hier aus sieht man, wie Bauarbeiter das neue Viertel sowie den Bildungscampus mit Sportpark hochziehen.

Marie-Anne Hollenz, Aubing

Die Haidhausener kämpfen um ihre charmanten Standl

Zugegeben: In Zeiten billiger Discounter und Supermärkte, bei denen man online bestellen und sich seine Lebensmittel nach Hause liefern lassen kann, mögen klassische Märkte ein bisschen antiquiert anmuten. Doch Märkte sind viel mehr als einfach nur eine Möglichkeit, frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Sie vereinen Tradition, Lebensgefühl und Heimat. Und wie wichtig das den Münchnern ist, hat man gemerkt, als die Marktschreierei um die Standl am Wiener Platz losging.

Alle neun Standl sollten und sollen abgerissen und neu gebaut werden. Über den Grund dafür - unter anderem die Sanitäranlage entspricht nicht geltenden EU-Richtlinien - konnte nicht gestritten werden. Umso mehr aber über die Entwürfe für den Neubau. Von einem "greisligen Kasten" mit dem "Charme einer kleinen Schrannenhalle" war die Rede.

Das, was danach folgte und noch folgt, ist ein wunderschönes Stück gelebter Demokratie. Nicht nur die Haidhausener selber schienen plötzlich den Markt am Wiener Platz neu zu entdecken. Unterschriftenlisten für den Erhalt des Markt-Charakters wurden ausgelegt und fleißig genutzt, Viertel-Politiker machten sich für den Erhalt stark, es gab einen Bürger-Workshop und sogar Kabarettistin Karin Engelhard drehte ein filmisches Plädoyer für den Markt.

Und Hoffnung ist jetzt tatsächlich in Sicht: Mitte April gibt es ein nichtöffentliches Konsensverfahren der Beteiligten. Und wie man hört, stehen die Vorzeichen gut, dass eine für alle Beteiligten tragbare Lösung gefunden wird. Der Öffentlichkeit sei Dank! Denn sind wir mal ehrlich: Es wäre doch schade, wenn wir in ein paar Jahren das klassische Marktstandl-Flair nur noch aus alten Serien kennen würden.

Die Haidhausen-Tipps:

Neben dem Markt am Wiener Platz lockt natürlich vor allem die Kultur nach Haidhausen. Klassik-Freunde zieht es in den Gasteig, Jazz-Liebhaber in die Unterfahrt und Konzertgänger ins Muffatwerk (Zellstraße 4). Das verfügt übrigens auch über einen tollen Biergarten (400 Plätze, geöffnet bei schönem Wetter täglich ab 12 Uhr), der sich prima als Start- oder Zielpunkt für eine Fahrradtour am 70 Kilometer langen Isarfahrradweg (von Wolfratshausen bis Freising) eignet. Genügend Fahrradständer sind auch vorhanden.

Der Oster-Klassiker:

DER Klassiker ist ein Besuch im Deutschen Museum! Wer noch nicht im neuen Planetarium war, sollte ganz schnell hin! Auch am Osterwochenende ist das Museum von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Marco Litzlbauer, Haidhausen

Paddeln mit Gegenwind

Stand Up Paddling.

Stand Up Paddling (SUP) ist DER Wasser-Trendsport: Auf einem kippstabilen Surfbrett bewegt man sich mithilfe eines Paddels über das Wasser – gerade im Sommer eine coole Sache. Nur: Auf den Münchner Seen ist genau das laut Bade- und Bootsverordnung verboten. Josef Ullmann kämpft seit 2012 für die Erlaubnis in München: "SUP ist die am schnellsten wachsende Wassersportart weltweit, deshalb sollte der Sport auch an den Seen im Münchner Stadtgebiet erlaubt werden." Wo sollte man den neuen Trendsport auch besser ausprobieren als im Olypark? Einmal im Jahr - während des impark Sommerfestivals - gibt Ullmann SUP-Kurse auf dem Olympiasee. Auch dieses Jahr kann man vom 28. Juli bis 21. August Boards ausleihen und selbst paddeln, aber auch Yoga oder ein Fitness-Workout auf dem Brett ausprobieren.

Ein knapper Monat reicht Ullmann aber nicht. Deshalb ist er an den Stadtrat getreten: Verena Dietl setzt sich nun seit Juni 2015 für die Stadtrats-SPD für eine Paddel-Erlaubnis an zumindest einem Münchner See ein. Eine Entscheidung steht noch aus. "Wir setzen uns weiter für die Realisierung eines dauerhaften Angebotes ein", sagt die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Auf dem Olympiasee kann dieses Jahr vorerst also nur während des Festivals Stand Up gepaddelt werden - den Rest des Jahres müssen Münchner noch auf die Isar und die Seen im Umland ausweichen. Noch besteht Hoffnung - und wenn nicht für diesen Sommer, dann eben für den nächsten.

Die Milbertshofen-Tipps:

Fitness im Olympiapark ist immer gut - ob beim Nordic Walking (von der AOK gibt es vier vorgeschlagene Routen), Joggen, Bahnen ziehen in der Oly-Schwimmhalle oder auch beim Team-Training - zum Beispiel beim Outdoor-Bootcamp von Soul Shape Fitness (Lerchenauer Straße 36). Ausruhen kann man sich danach auf der großen Terrasse des Café Ludwig (Klopstockstraße 10).

Der Oster-Klassiker:

Das Osterfest am 27. und 28. Mörz lockt viele Familien nach Milbertshofen: Ostereier bemalen, eine Zaubershow und Ostergeschichten im Märchenzelt.

Stefanie Franca Leite, Milbertshofen

Karl Valentin als Straßenkunst

Ausgerechnet das bürgerliche Neuhausen wurde als eines der ersten Viertel ein Hotspot für Street Art. Rund 60 Künstler der Gruppe Writers Corner München haben zwischen 2011 und 2013 die wuchtigen, düsteren Betonpfeiler der Donnersbergerbrücke zu einer der ersten und größten Straßenkunst-Galerien der Stadt gemacht. Beeindruckend groß sieht man da den Karl Valentin neben seinem berühmten Zitat "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit".

Besondere Straßenkunst.

Daneben finden aufmerksame Passanten andere schräge Figuren, skurrile Szenen, satte Farben und coole Sprüche. Das Baureferat übernahm mit rund 15.000 Euro einen Großteil der Materialkosten - aus einem Topf, mit dem Maßnahmen gegen Vandalismus finanziert werden. Die Künstler arbeiteten unentgeltlich. Danke, und: weiter so! Vielleicht bietet die Brücke mit ihren vielen Pfeilern und überdachten Flächen auch noch andere Nutzungen für die Münchner Street Art- und Graffiti-Szene. An Ideen würde es nicht fehlen.

Die Neuhausen-Tipps:

Einmal ohne Eile das Street-Art-Museum unter der Donnersbergerbrücke besuchen, am besten mit dem Radl! In der Donnersbergerstraße, die in den 50er-Jahren als "Reeperbahn Neuhausens" bekannt war, und den Nebenstraßen gibt es gute Lokale: "Kyklos" (Wilderich-Lang-Straße 10, taverne-kyklos.de), "Sappralott" (Donnersbergerstraße 37, sappralott.de)

Der Oster-Klassiker:

Ein Spaziergang von Neuhausen am Schlosskanal entlang in Richtung Nymphenburg. Dort gibt es dann verschiedene Optionen: zum Beispiel eine schöne Schlossführung.

Ursula Löschau, Neuhausen

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