Suchmaschine zeigt Besuchszeiten an

Google weiß, wo wie viel los ist - klappt das? Der München-Check

München - Google zeigt seit kurzem an, wie viele Leute zu einem bestimmten Zeitpunkt wo sind und wie lange bleiben. Wir haben den Check gemacht, ob Sie sich auf diese Anzeige verlassen können.

Google weiß inzwischen alles. Offenbar auch, wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade wo sind. Die Suchmaschine nennt bei verschiedenen Standorten unter „Beliebte Zeiten“ die Zeiten, zu denen dort am meisten los ist. Aber stimmen die auch? Wir machen den Test.

1) Der Münchner Hauptbahnhof gegen 15 Uhr - Google liegt daneben

Ich starte den „Google-Check“ am Freitagnachmittag am Münchner Hauptbahnhof.

Google sagt mir: „Normalerweise so viele Besucher wie gewöhnlich“. Ah ja, was für eine präzise Angabe: Und wie viele Besucher sind es für gewöhnlich um etwa viertel nach drei Uhr nachmittags? 

Ich laufe entlang des Bahnsteiges und komme problemlos durch. Dann komme ich zu dem Hauptbereich des Bahnhofs, wo auch die meisten Geschäfte sind. 

Wenn ich die Situation mit morgens um kurz vor neun vergleiche, muss ich über die Google-Bewertung schmunzeln. Morgens kämpfe ich mich durch die Menschenmengen. Am Freitagnachmittag komme ich relativ problemlos durch.

Leere Bahnsteige am Freitagnachmittag

Mein Fazit: Die Google-Bewertung für die Besucherlage am Hauptbahnhof lag daneben: Der Balken gegen 15 Uhr müsste niedriger ausfallen. Wenn die meisten Bahnsteige leergefegt sind, dann kratzt der Bahnhof nicht am Besuchermaximum. Dagegen müsste der Balken zwischen acht und neun Uhr deutlich höher sein. 

Was mich außerdem stutzig macht: Die Aussage „Normalerweise so viele Besucher wie gewöhnlich“. Sie gleicht eher einem Horoskop als einer präzisen Besucherzahl.

Zudem frage ich mich: Welche Bereiche zählt Google überhaupt zum Münchner Hauptbahnhof? Schließlich beträgt die Fläche der Gebäude und der Gleise rund 760.000 Quadratmeter. Und in diesen Bereichen tummeln sich nicht überall gleich viele Besucher.

2) Das Café Kosmos gegen 15:30 Uhr - Google kennt die Tendenz

Besucher im Café Kosmos

Weiter geht es für mich entlang der Arnulfstraße ins Café Kosmos. Es ist mittlerweile halb 4. Das Café in der Dachauer Straße ist eher als Lokal für Feierabendstunden bekannt.

Auch Google zeigt mir, dass momentan nicht so viel los ist. Bereits von draußen sehe ich, dass an der Bar viele Plätze frei sind. Abends sieht es im Kosmos ganz anders aus: Die Besucher drängen sich an der Theke, und es ist schwer, einen Sitzplatz im vorderen Bereich oder im Obergeschoss zu ergattern. 

Ich zeige Barkeeper Frank die Google-Bewertung über die beliebtesten Zeiten im Café. Er erzählt, dass die Besucherzahlen im Tagesverlauf im Durchschnitt so stimmen. Allerdings zeigt die Suchmaschine nur einen Besucherzuwachs ab circa 12 Uhr an.

Das stimme aber nicht ganz: „Ab circa halb drei wird‘s wieder ein bisschen leerer“. Außerdem bestätigte er, dass es ab circa Mitternacht wieder weniger Leute im Kosmos werden. Weil die Feierwütigen dann zum Beispiel in die Disko gehen.

Mein Fazit: Es ist erstaunlich, wie genau Google weiß, um welche Uhrzeit die Gäste ins Kosmos kommen und auch wieder gehen. Allerdings kennt die Suchmaschine doch nicht alle Details: Sie zeigt zum Beispiel nicht den Besucherrückgang gegen halb drei oder halb acht an.

3) Der Alte Botanische Garten gegen 15:45 Uhr

Besucher im Alten Botanischen Garten

Mein Spaziergang durch das winterliche München geht weiter - zum Alten Botanischen Garten. 

Mal wieder zeigt mir Google an „Jetzt: Normalerweise nicht zu stark besucht“. Der Balken im Besucherdiagramm sieht nur sehr niedrig aus.

Es sind wirklich nicht viele Leute im Botanischen Garten: Nur am Neptunbrunnen tummeln sich ein paar Jugendliche. Und auf den Parkbänken sitzen ein paar Leute. 

Allerdings kann ich gar nicht glauben, dass die Besucherzahl im Alten Botanischen Garten in der nächsten Stunde so rasant ansteigen soll.

Im Alten Botanischen Garten war nicht viel los.

Mein Fazit: Mal wieder stört mich die unpräzise Angabe „Jetzt normalerweise nicht zu stark besucht“. Vor allem deswegen, weil ich sie an diesem Tag ein paar Mal lesen musste. Doch wieder stimmt Googles Grundtendenz, dass gegen 15:45 Uhr nur wenige Menschen im Alten Botanischen Garten sind. 

5) Das Café Tambosi gegen 16 Uhr - Google unterscheidet nicht zwischen innen und außen

Café Tambosi

Vorbei am Wittelsbacher Platz und dem Mittelalterlichen Christkindlmarkt schaue ich im Café Tambosi vorbei.

Es liegt in der Nähe vom Odeonsplatz und ist im Sommer für seine vielen Besucher im Außenbereich bekannt. Google sagt mir wieder, dass es gerade „Normalerweise so viele Besucher wie gewöhnlich sind.“

Mein Fazit: Ich finde, Google könnte sich eine andere Formulierung ausdenken, die vielleicht dasselbe ausdrückt. Was ich außerdem kritisiere: Google macht keinen Unterschied zwischen der Situation vor dem Lokal und innen.

Der leere Außenbereich am Café Tambosi.

Schließlich sind draußen noch alle Plätze frei. Innen ist das Lokal mäßig besucht.

Erstaunlich finde ich die Besucherdauer, die einen genauen Zeitrahmen einschließt: 45 Minuten bis zwei Stunden bleiben Gäste im Tambosi. Anders als beim Alten Botanischen Garten ist die Besuchszeit auf keine fixe Zeitdauer festlegt.

6) Das OEZ gegen 17 Uhr - Google gibt gleiche Antworten

Im Englischen Garten tummeln sich nur ein paar Sportler oder Spaziergänger.

Nach einem Zwischenstopp im Englischen Garten, der laut Google „normalerweise nicht zu stark besucht“ ist, geht es für mich mit der U-Bahn weiter zum Olympia-Einkaufszentrum nach Moosach.

Und ich bin gespannt, wie viel los sein wird - wenige Wochen vor Weihnachten. Die Antwort von der allwissenden Suchmaschine: „So viele Besucher wie gewöhnlich.“ Auch die Balken im Diagramm liegen noch weit vom Besuchermaximum entfernt. Doch wieder zeigt Google nur eine Tendenz. Denn in einigen Bereichen im Obergeschoss ist wiederum sehr viel mehr los als zum Beispiel im Erdgeschoss. 

Wie ermittelt Google die Besucherzahlen?

Das OEZ war wie „gewöhnlich besucht“.

Wie kommt es zu der Statistik? Das Unternehmen benutzt anonymisierte Daten von Usern, die den Google-Standortverlauf (in ihrem Google-Konto) aktiviert haben, um Besucherdauer und Stoßzeiten zu ermitteln.

Außerdem zeigt die Suchmaschine Live-Besuchsdaten an. Das heißt: Google weiß theoretisch, wie viele Besucher sich an einem bestimmten Standort befinden. Außerdem stuft es ein, ob es mehr oder weniger Menschen im Gegensatz zur durchschnittlichen Besucherzahl sind. 

Mein Gesamtfazit: In der Tendenz liegt Google mit seinen Besucherzahlen und Stoßzeiten richtig. Allerdings ist es schon gruselig, welche Daten das Unternehmen von seinen Nutzern abgreift: Google weiß ganz genau, wo sie sich gerade befinden und wie lange sie dort bleiben, wenn der Google-Standortverlauf aktiviert ist.

Hier lesen Sie, wie Sie ihren Google-Standortverlauf deaktivieren.

Welche Besucherzahlen wären wirklich hilfreich?

Die Angaben von Google sind sehr allgemein gehalten, wie zum Beispiel:

  • „normalerweise nicht (zu) stark besucht“
  • „nicht zu stark besucht“
  • „normalerweise so viele Besucher wie gewöhnlich“

Immer die gleichen Formulierungen zu lesen, ist langweilig. Außerdem zeigt Google meist nur den groben Verlauf der Besucherzeiten an. Löcher dazwischen, zum Beispiel im Café Kosmos zwischen 14 und 15 Uhr, kennt es nicht.

Außerdem gibt es nicht zu allen Standorten die Funktion „Beliebte Zeiten“. Wie viel gerade in der S-Bahn, auf der Autobahn oder auf dem Christkindlmarkt los ist, zeigt Google nicht an. Aber genau das wäre doch hilfreich. 

Doch wenn keine Besucherzeiten angezeigt werden, dann hat Google noch nicht genügend Besuche von seinen Nutzern registriert.

Da hilft dann nur: Nicht Google fragen, sondern sich selbst an den Ort des Geschehens wagen.

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