70 Lokführer hat's erwischt

Grippe-Welle: Das ist der Notfall-Plan der S-Bahn

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Vom „Schreibtischtäter“ in der Leitstelle in den Führerstand des Zugs: Roman Bittrich hilft gerne aus.

München - Weil die Grippewelle 70 Lokführer auf einmal erwischt hat, sind am Mittwochmorgen bei der Münchner S-Bahn viele Züge ausgefallen. Betroffen waren vor allem die Taktverstärker. 

Es hört sich im ersten Moment wie pures Chaos an. 70 Lokführer der S-Bahn sind an der Grippe erkrankt – das sind 10 Prozent des Personals. Die Zahl der Erkrankten ist doppelt so hoch wie normal.

Die Bahn muss einige Taktverstärker ausfallen lassen und versucht, die Probleme in den Griff zu kriegen, indem sie auf Reserven aus dem eigenen Haus zurückgreift. Denn für manche Mitarbeiter bringen die Ausfälle eine Möglichkeit ihrer Leidenschaft nachzukommen – dem Zugfahren! Der Grund: Es gibt nicht mehr genügend gesunde Kollegen, um alle Schichten zu besetzen. Jetzt müssen Bürokräfte einspringen! Einer davon ist Roman Bittrich.  Der 28-Jährige arbeitet eigentlichen in der Leitstelle und sorgt für einen reibungslosen Zugverkehr. Aber keine Angst, das S-Bahnfahren bleibt trotzdem sicher. Alle Notfall-Zugführer besitzen einen Führerschein. So auch Bittrich. „Ich bin gelernter Zugführer. Das Zugfahren ist wie Radeln – das verlernt man nicht“, sagt er. Ganz aus der Übung ist er auch nicht. Um den Führerschein zu behalten, muss man diesen immer wieder erneuern. „Viele unserer Mitarbeiter haben diesen Führerschein. Für uns ist es ganz wichtig, dass sie das System verstehen. Wir ermöglichen es auch unseren Mitarbeitern, ihren Schein immer wieder zu erneuern“, erklärt Nicole Eckiert (29) von der Deutschen Bahn. Das kommt dem Betrieb jetzt zugute. „Unser oberstes Gebot ist, dass die Züge fahren. Wenn es bei uns läuft, läuft es auch in München“, erklärt Bittrich. Zwei Tage darf er den Aushilfszugführer geben. „Ich bin total happy. Deswegen habe ich mir gleich eine 12-Stunden- Schicht geben lassen. Wenn schon, dann richtig“, lacht er.

Nicht nur die Bahn wurde von der Grippewelle überrollt. Wie die tz bereits berichtet, hält der Influenza-Virus H3N2 die ganze Stadt in Atem. Vergangene Woche gab es in Bayern 1500 Virusfälle. Diese Woche sind es auch schon wieder 200.

Das Tückische: Offenbar wirkt die Impfung nicht! Der Münchner Internist Dr. Georg E. Vogel sagt: „Jeder zweite Influenza-Patient ist trotz Impfung infiziert!“ Bei der Bahn braucht man keine Impfung. Deren Impfung ist ein Zugführerschein für jeden Mitarbeiter.

1,5 Tonnen Müll pro Tag! Unterwegs mit den S-Bahn-Reinigern

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So trifft es andere Firmen

Bei den Münchner Unternehmen ist die Grippewelle (noch) nicht überall zu spüren. Bei den Stadtwerken (SWM) sieht Sprecher Michael Solic keinen Grund zur Sorge: „Unsere Zahlen sind nur geringfügig höher als sonst. Es ist nun mal Erkältungszeit.“

Ähnlich sieht dies auch ein Unternehmenssprecher von Linde: Dieser verweist auch nur auf die der Jahreszeit geschuldeten erhöhten Krankheitsfälle.

Bei der Sparkasse dagegen gibt es einen erhöhten Krankheitsstand. Trotzdem ist das kein Grund zur Sorge. Die Filialen bleiben weiter geöffnet. Martina Michel von der Stadtsparkasse sagt: „Wir haben für solche Fälle einen Notfallplan. Wir gleichen die fehlenden Mitarbeiter durch die anderer Filialen aus. Wir sind in München dicht besetzt.“

Natalies Suppe macht Schmid wieder fit

Auch Bürgermeister Josef Schmid hat es erwischt.

Die Grippe macht vor niemandem Halt – auch nicht im Rathaus: Jetzt haben die Viren Bürgermeister Josef Schmid (CSU) erwischt! „Ich treffe viele Menschen, da kann man sich leicht anstecken“, lässt Schmid vom Krankenbett ausrichten. Seit Montag ist sein Sessel leer. Mit dem Rathaus kommuniziert er per E-Mail, am Telefon war er nämlich kaum zu verstehen. Das Rathaus hat die Seuche! Übers Wochenende lagen auch mehrere Stadträte und Fraktionsmitarbeiter flach – nur OB Dieter Reiter (SPD) ist quicklebendig. Heute will sich Bürgermeister Schmid zurückmelden: „Es half viel trinken, ruhen und die Hühnersuppe meiner Frau Natalie.“

dac, Fussek

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