Kneipe in Daglfing und das Kino in Laim

Aus & vorbei: Das James und das Neue Rex machen dicht

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Links: Markus Frank vor seiner Kneipe James in Daglfing. Ab April ist hier Schluss. Rechts: Das Neue Rex, bald fällt dort die letzte Klappe - vorerst.

Eine sympathisch eigenwillige Kneipe am Daglfinger Bahnhof und eines der letzten Stadtteilkinos: Für beide ist erstmal Schluss! Das James in Daglfing macht ab Mitte April für immer dicht. Das Neue Rex in Laim schließt am 3. April, soll aber im Sommer frisch umgebaut wiedereröffnen.

Das James in Daglfing

Erst vor gut drei Wochen hatte Markus Frank noch zur Geburtstagsparty geladen. Obwohl er da schon wusste, dass es die letzte sein würde. Am 5. März war das, zum Jahrestag des James, das er im März 2012 eröffnet hatte. Jetzt steigt in seiner Kneipe am Daglfinger Bahnhof die nächste Feier: eine Abschiedsfeier.

In seinen vier Jahren war das James ein außergewöhnlicher Ort, ein liebenswerter Platz mit fabelhafter Küche und entspannter Atmosphäre. Für die Stammgäste umso trauriger, dass das Lokal im April für immer schließen muss.

Lange war die kleine Boazn neben der Daglfinger Bahnschranke ein heruntergekommenes Absturzstüberl gewesen, „eine greislich gelbe Hüttn“, wie Markus Frank selbst fand. Der 48-Jährige, der einst bei Schuhbeck in Waging das Kochen lernte, kam hier oft vorbei. Als die Hüttn dann 2011 schloss, fand er Gefallen an dem vakanten Häuserl. Er pachtete das Lokal von der Schlossbrauerei Haimhausen, strich es innen wie außen neu an und benannte es nach einer neuen Biermarke der Haimhauser, das James.

Bald wurde das Lokal zum Treffpunkt für Daglfinger und Münchner, für Pendler in die Stadt und für Reisende zum Flughafen. „Als ich den Gästen von der Schließung erzählt habe, sind die meisten aus allen Wolken gefallen“, sagt Frank.

Ob vormittags auf einen schnellen Espresso, mittags auf einen der sagenhaften Burger, oder später bei einem Cocktail in der dämmernden Abendstimmung am Bahndamm - das James hatte zu jeder Tages- und Jahreszeit seinen Reiz. Es war eben ganz eigen. Unkonform. Bodenständig und geerdet.

Gerade der Boden wurde aber nun zum Problem. Denn dass das Abwasser in eine darunterliegende Sickergrube lief, das wurde bis Ende 2015 noch geduldet. Nach einer neuen Verordnung jetzt aber nicht mehr. Für Frank schien die seitens der Stadt geforderte Umrüstung mit Anschluss an die Kanalisation erst kein Hindernis. „Aber dann hab‘ ich mich hingesetzt und das alles durchgerechnet. Und die Zahlen haben mir dann gesagt, dass es Quatsch ist, weiterzumachen.“

Die Umbaukosten wären weit ins Fünfstellige gegangen, dazu, sagt Frank, hätte ein komplett verregneter Sommer ohne Strand und ohne Biergarten gereicht, dass das James rein wirtschaftlich bedroht gewesen sei. Anfang Februar teilte er der Brauerei die Schließung mit. Mitte April ist nun Ende, nach dem 1.4. gibt es am 8. April noch eine zweite Abschiedsparty.

Immerhin, mit seiner langjährigen Gastro- und Koch-Karriere fand Frank schnell einen neuen Job: Als Küchenchef in Hugo Bachmairs Hofbräu in der Leopoldstraße. Zudem hat seine Frau Barbara Geiger seit drei Monaten einen eigenen Hutladen, das Nofrit in der Klenzestraße. „Letztlich hat’s keinen Sinn mehr gemacht“, sagt Frank gefasst und doch mit leichter Wehmut. „aber natürlich ist es richtig schad’, der Laden ist mir schon sehr ans Herz gewachsen.“

Es dämmert nur noch wenige Male am Daglfinger Bahndamm. Und dann ist es finster.

Das Neue Rex in Laim

Thomas Wilhelm, der Betreiber vom Neuen Rex, ahnte es schon vor genau zwei Jahren, bei einem langen Gespräch mit der tz, als er sagte: „Es wird richtig schwer, das Kino hier am Leben zu halten. In seiner jetzigen Form kann das nicht auf Dauer bestehen.“ Dieses charmante Lichtspielhaus mitten in Laim, eines der ältesten Münchens und eines der allerletzten Stadtteilkinos.

Es blieb in der Tat schwer, weshalb am Agricolaplatz am nächsten Sonntag die letzte Klappe fällt. Vorerst. Nach der Abendvorstellung am 3. April schließt das Neue Rex. Für einen viermonatigen Komplettumbau. Bis zur Wiedereröffnung im August. Neue Zeiten brechen an.

Film ab, das hieß es im Rex zum ersten Mal 1954. Das Kino boomte zu jener Zeit, selbst die Nachmittagsvorstellungen unter der Woche waren damals oft ausverkauft. Scharenweise pilgerten die Teenager aus der Nachbarschaft ins Rex, für die neuesten Streifen ihrer Hollywood-Helden. James Dean, Marlon Brando, Paul Newman und viele mehr. Aber mit den Jahren verkam das Kino im ersten Stock des Wohnhaues Agricolastraße 16 – bis 1996, vor genau 20 Jahren, Thomas Wilhelm das Rex übernahm.

Wilhelm ist ein Cineast aus Leidenschaft, und das vom ersten Lebenstag an. Seine Eltern Hermann und Lieselotte hatten 1964 das Kino Solln eröffnet, einige Monate vor seiner Geburt. Thomas Wilhelm wurde im und mit dem Kino groß. Wilhelm, der inzwischen auch das Neue Rottmann und das Cincinnatti betreibt, fand im Neuen Rex den richtigen Dreh. Sein Programm kam gut an beim Publikum, die Mischung aus Filmen für Kinder, für Familien, für anspruchsvolle Kinogänger.

Und doch tat sich das Rex mit seinem einen einzigen Kinosaal mit den 167 Plätzen hart, bei der Konkurrenz durch all die riesigen Multiplex-Paläste. Deswegen kommt nun der große Schnitt. „Schweren Herzens habe ich mich entschlossen, das Neue Rex den Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen“, schrieb Wilhelm auf der Kino-Homepage.

Daher teilt Wilhelm den großen Saal, macht das Rex nach vier Monaten Umbau dann mit zwei kleineren Kinosälen wieder auf. Geplanter Eröffnungstag ist der 11. August. Zur Premiere kündigt Wilhelm bereits den Streifen „Schweinskopf al dente“ an, die Verfilmung von Rita Falks Oberbayern-Krimi. Dann brechen im Neuen Rex neue Zeiten an. Und hoffentlich auch leichtere.

Florian Fussek

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