Der große tz-Hochschulreport

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Mit 7200 und damit rund 30 Prozent mehr Studienanfängern als im Vorjahr rechnet man an der Ludwig-Maximilians-Universität

München - Zwei Abi-Jährgänge und das Ende des Wehrpflicht sorgen für einen Ansturm auf Bayerns Hochschulen. Im großen tz-Hochschulreport zeigen wir wieviel das Münchner Studentenleben im nationalen Vergleich kostet und wie hart Studentenwohnungen umkämpft sind.

Mit 79 000 Studienanfängern rechnet Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch im Wintersemster. Zum Vergleich: 2010 starteten 59 455 Studenten zum selben Zeitpunkt ihre akademische Laufbahn.

Noch liegen die endgültigen Zahlen für München nicht vor. Aber schon jetzt steht fest: Es wird auch an den Hochschulen der Landeshauptstadt eng – in vielen Hörsälen, in den Bibliotheken und Mensen – und auf dem Wohnungsmarkt. Ingo Wachendorfer, Pressesprecher des Studentenwerks München, rechnet an der Technischen Universität mit 7500 und an der Ludwig-Maximilians-Universität mit 7200 Studienanfängern, 30 Prozent mehr als im Vorjahr! Ein Plus von zehn Prozent wird an der Hochschule München (ehemals FH) erwartet. Die Folgen: 6000 stehen auf der Wohnplatz-Warteliste des Studentenwerks (2010: 5600). Im Bafög-Amt wartet man auf 20 000 Anträge, 2000 mehr als 2010, und hofft, diese bis Ende des Semsters abgearbeitet zu haben – obwohl fünf neue Sachbearbeiter eingestellt wurden. Für den Antragsstau sind die Studenten allerdings auch selbst verantwortlich. Wachdendorfer: „Leider werden Jahr für Jahr mehr Anträge unvollständig eingereicht.“ Und oft auch in letzter Minute. Wachendorfer hat dafür aber auch Verständnis: „Uns geht’s mit der Steuererklärung ja oft ähnlich.“

WDP

Die Hochschulstadt München im Vergleich – ein teures Pflaster für Studenten

Stadt Studenten (WiSe 2010/11)

Plätze der Studenten-
werke

Miete im Wohnheim (Mittelwert) Miete auf freiem Markt (Mittelwert) Miete Single-Wohnung Miete WG-
Wohnung
München 94.534 rd. 10.500 160-330 € 348 € 14,10 €/m² 12,30€/m²
Berlin 147.030 rd. 9.500 183 € 298 € 8,10 €/m² 7,10 €/m²
Hamburg 80.115 rd. 3.700 222 € 345 € 10,90 €/m² 10,50 €/m²
Köln 74.347 rd. 4.700 231 € 333 € 10,50 €/m² 8,50 €/m²
Regensburg 24.860 rd. 1.500 186 € 275 € 10,10 €/m² 8,20 €/m²
Passau 9036 614 186 € 254 € 7,70 €/m² 5,60 €/m²

Quelle: Studentenwerke, Statistisches Bundesamt, Deutsches Studentenwerk, Immowelt, Mietspiegel

So viel kostet das Studentenleben

Das heißt folgerichtig, dass es in vielen Hörsälen, den Bibliotheken und Mensen noch enger wird als bisher sowieso schon.

Wie leben und wohnen Studenten in München? Diese Frage beantwortet jetzt eine neue Studie des Deutschen Studentenwerks. Von den rund 95 000 Münchner Studenten wohnen bei den Eltern: LMU 21%, TU 28%, HM (Hochschule München) 45%; im Wohnheim: LMU 13%, TU 19%, HM 11%; in der WG: LMU 25%, TU 23%, HM 15%; allein: LMU 21%, TU 14%, HM 11%; mit Partner/in: LMU 18%, TU 15%, HM 16%. Der Durchschnittsstudent ist 24 Jahre alt und hat im Monat 913 Euro zur Verfügung (Bayern: 841 Euro), zehn Prozent müssen mit weniger als 600 Euro auskommen, 18 Prozent haben mehr als 1100 Euro zur Verfügung. Davon kommen von den Eltern 63% bei TU-Studenten (59% LMU; 38% HM).

Im Schnitt geben Münchner Studenten ihr Geld für folgende Dinge aus: 348 Euro Miete, 173 Euro Ernährung, 59 Euro Kleidung, 38 Euro Lernmittel, 54 Euro Nahverkehr, 62 Euro Krankenversicherung, 36 Euro Telekommunikation, 69 Euro Freizeit, Kultur, Sport, 83 Euro Studienbeiträge – macht insgesamt 922 Euro.

Interessant ist auch das durchschnittliche Zeitbudget: Lehrveranstaltungen 20 Stunden, Selbststudium 16,8 Stunden, Jobben 7,4 Stunden. Das ergibt eine 44,2-Stunden-Woche. Von wegen faule Studenten!

Viel sparen können Studenten in München übrigens nicht: Immerhin bieten (staatliche)Theater und Opern einen tollen Service. Restkarten an der Abendkasse gibt’s für acht Euro. Wer Glück hat, sitzt dann sogar in der ersten Reihe.

Der harte Weg zur Wohnung

Wohnen in München ist teuer! Vor allem Studenten tun sich schwer, etwas Passendes zu finden. Auch die beiden Schwestern Anna (19) und Theresa (18) Pichlmeier mussten sich mit dieser schwierigen Situation auseinandersetzen. Anna machte im April ihr Abitur, noch im Rahmen des G 9. Ihre Schwester Theresa gehört zum ersten G-8-Jahrgang und wurde im Juni fertig.

Auch an der TU werden 7500 neue Studenten erwartet. Das sind rund 30 Prozent mehr als 2010.

Schon im Mai ließ sich Anna beim Studentenwerk München auf die Warteliste für ein Dubletten-Zimmer für sich und ihre Schwester setzen. Denn die Geschwister wollen unbedingt zusammen wohnen! Im Juli starteten die beiden dann ihre Suche auf dem freien Wohnungsmarkt. Jeden Tag durchsuchten sie die Annoncen in Zeitungen und im Internet ab. Die Angebote waren aber entweder zu teuer, viel zu weit entfernt oder – wenn sie mal passend waren – schon vergeben! Ernüchternd war auch das Resultat auf eine eigene Wohnungsanzeige der Geschwister. Nur ein Vermieter meldete sich – mit einem viel zu teuren Angebot. Frust!

Doch die beiden Studien­anfängerinnen gaben nicht auf und hatten schließlich kurz vor Semesterstart doch noch Glück. Über die Privatzimmervermittlung des Studentenwerks fand das Duo eine Unterkunft in Pasing. Für „nur“ 580 Euro!

Anna und Theresa sind darüber mehr als glücklich. Ansonsten hätten sie wohl nur eine Alternative gehabt – täglich aus dem heimischen Waldkraiburg zur Uni zu pendeln. Das wären jeden Tag drei Stunden Fahrzeit und 160 Euro monatlich für ein Zugticket gewesen. Und das ist auch auch nicht gerade wenig.

Maria Anderl

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