Busfahrer fuhr einfach weiter

Von Hundeleine mitgerissen: Warum hat keiner geholfen?

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Das Unfallopfer: Faika Z. kann seit dem Unfall nur noch im Bett liegen. Ihr tue alles weh, berichtet sie.

München - Am vergangenen Mittwoch wurde Faika Z. bei einem spektakulären Unfall verletzt. Eine Hundeleine samt Hund, die im Bus eingeklemmt war, hatte sie mitgerissen. Nun berichtet Faika Z. wie es ihr geht.

Das Steißbein angebrochen, die Rückenwirbel verstaucht. Jeder Schritt ist eine Qual. Faika Z. kann derzeit nur das Bett hüten. Am Montag vor einer Woche war die 59-Jährige schlimm gestürzt, als eine Hundeleine sie von den Beinen riss. „Ich hatte keine Chance. Alles spielte sich hinter meinem Rücken ab“. Besonders traurig macht Faika Z., dass der eigentliche Verursacher ihres Sturzes sich nicht um sie gekümmert hat. „Er muss doch mitbekommen haben, was mir passiert ist!“

Die Bushaltestelle Willibaldstraße: Hier geschah der Unfall.

Die Hausfrau hatte schon ihre Einkäufe erledigt und war im Bus der Linie 168 in Richtung Wastl-Witt-Straße (Kleinhadern) unterwegs. An der Haltestelle Willibaldstraße stieg Faika Z. mit ihrem Einkaufstrolley aus, während gleichzeitig ein Mann mit seinem angeleinten Hund einstieg.

Es war der Anfang einer Kettenreaktion, an deren Ende Faika Z. schwer verletzt im Krankenhaus lag. Der Busfahrer (43) übersah nämlich laut Polizei, dass es nur das Herrchen in den Bus geschafft hatte. Ehe der Vierbeiner in den Bus springen konnte, schloss der Fahrer auch schon die Türen – und fuhr los.

Die Leine straffte sich, der Hund musste mit dem anfahrenden Bus mitrennen, um nicht unter die Räder zu gelangen. Nach wenigen Metern erreichte das Zamperl Faika Z., die auf dem Bürgersteig ging. Die gespannte Leine riss die Hausfrau regelrecht von den Beinen, sie blieb auf der Straße liegen.

Die Polizei sucht nun nach Zeugen.

Erst nach etwa 30 Metern stoppte der Busfahrer – und ließ den Hund einsteigen. Dann fuhr er einfach weiter. Um Faika Z. kümmerte er sich nicht. Möglicherweise hat er aber auch gar nichts mitbekommen. „Das muss nun geklärt werden. Es wird gegen den Mann wegen Unfallflucht ermittelt“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Zwei Tage lag Faika Z. im Krankenhaus.

„Zuerst fürchteten wir, sie habe sich auch Wirbel gebrochen“, erzählt ihr Schwiegersohn. Die Ärzte diagnostizierten dann aber ein angebrochenes Steißbein und verstauchte Wirbel. „Sie muss aber strikte Bettruhe halten“, sagt ihre Tochter.

Für Faika Z. eine schwere Zeit. Viel lieber würde sie sich nämlich um ihre dreimonatige Enkelin kümmern. „Ich kann es kaum erwarten, sie wieder im Kinderwagen herumzuschieben.“

JAM

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