Wollte sie Schwangere töten?

Das Psychogramm der Horror-Hebamme

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Regina K. am Freitag vor Gericht. Ihr wird versuchter Mord vorgeworfen.

München - Sie soll Schwangeren blutverdünnende Medikamente verabreicht haben. Seit Ende Januar steht Hebamme Regina K. deshalb vor Gericht. Am Freitag beschrieben Gutachter Leben und Werdegang der 34-Jährigen.

Wollte Regina K. (34) sieben werdende Mütter umbringen? Weil die Hebamme denschwangeren Frauen im Klinikum Großhadern blutverdünnende Medikamente verabreicht haben soll, steht sie seit Ende Januar vor Gericht. Bisher schweigt sie zu den Vorwürfen. Am Freitag sagten aber zwei Gutachter aus, denen sich K. anvertraut hatte. Sie erklärten ihren Weg zur Horror-Hebamme!

„Ihre Eltern haben sie zu einer sehr selbstbewussten Person erzogen“, sagte Professorin Susanne Lausch. In der Schule sei Regina K. nur Mittelmaß gewesen und sprachlich nicht begabt. Ihr Abitur legte sie im Jahr 2000 mit der Note 3,2 ab. Während der Schulzeit sei K. öfters Anfeindungen durch Mitschülern ausgesetzt gewesen. „Die Familie war ihr Rückhalt.“

Regina K. wechselte im Juli 2012 ans Klinikum Großhadern.

Trotzdem ging Regina K. von Bad Soden (Hessen) nach Kiel, um Hebamme zu werden – „ihr Wunschberuf“. Nur 500 bis 700 Mark verdiente sie während der Ausbildung. Schon im zweiten Jahr begleitete sie erste Geburten. Sie überzeugte: Die Klinik übernahm K. in eine Festanstellung, mit nur 23 Jahren half sie bei Risiko-Schwangerschaften und verdiente nun bis zu 2000 Euro netto. Als K. die Stelle wechselte und nach Bad Soden zurück ging, hielt ihr Körper den Belastungen nicht mehr stand: Ein Bandscheibenvorfall machte die Hebamme neun Monate arbeitsunfähig, wegen einer Lähmung waren sogar mehrere Operationen nötig. „Sie litt darunter, dass sie längere Zeit an Krücken gehen musste“, sagte Lausch und berichtete von depressiven Episoden. Mit ihren Kollegen habe Regina K. sich gut verstanden, privat gab es aber wenig Kontakt. Im Frühjahr 2012 dann der Schock: K. wurde suspendiert, weil sie Patientinnen angeblich falsche Medikamente verabreicht hat. Gegen 3000 Euro Abfindung verließ sie die Klinik – und wechselte im Juli 2012 nach Großhadern.

„Die Karriere hat bei ihr immer Vorrang gehabt“, sagte Lausch. Erst mit 21 hatte K. ihren ersten Freund, der fremdging und sie verließ. Es war ihre einzige Beziehung – trotzdem wünsche sie sich ein bis zwei Kinder, gab K. an. Genau das wollte die Hebamme laut Anklage sieben Müttern verwehren! Sie selbst aber sei „ein herzlicher Mensch“. Wissbegierig, pflichtbewusst und immer sehr beherrscht.

So auch am Freitag im Gerichtssaal: Dort verfolgte Regina K. gelassen den Ausführungen der Psychiaterin, die von K.‘s dominantem Vater berichtete – und dass sie Konflikte stets vermeide. Wurde sie deshalb zur versuchten Mörderin? Ermittlern zufolge wollte K. mit den mutmaßlichen Taten ihre Macht demonstrieren.

Als sehr sachlich beschrieb Dr. Jürgen Thomas die Angeklagte. Er ist Leitender Psychologe am Bezirkskrankenhaus Straubing und untersuchte Regina K. ebenfalls im Knast. „Sie gab sich willensstark und als Kämpfernatur.“ So habe K. es in ihrer Familie gelernt. Zu den Eltern habe sie bis heute ein warmherziges, inniges Verhältnis. Im Prozess wollen beide jedoch nicht aussagen – am 24. Februar wird fortgesetzt.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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