Regina K. kommt hinter Gitter

Siebenfacher Mordversuch: Haft für Horror-Hebamme

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Regungslos nahm Regina K. (35) am Freitag im Landgericht ihr Urteil entgegen.

München - Jahrelang hatte Regina K. ihren Patientinnen Blutverdünner verabreicht - ihre Opfer entgingen nur knapp dem Tod. Nun wurde die Hebamme wegen siebenfachem Mord verurteilt. 

Lässt es sie völlig kalt, was der Richter gesagt hat? Regina K. (35) zeigt keine Regung, sie sitzt still auf ihrem Stuhl und wirkt entrückt. Dabei hat sich Sekunden zuvor ihr Lebensweg entschieden: 15 Jahre muss sie ins Gefängnis. Das Landgericht sprach die Hebamme gestern des siebenfachen Mordversuchs schuldig: Von 2012 bis 2014 hatte Regina K. schwangeren Patientinnen den Blutverdünner Heparin verabreicht. Heimlich und beinahe todbringend. Nur mit größter Anstrengung konnten Notärzte das Leben der Frauen retten.

„Das waren keine fahrlässigen Behandlungsfehler, sondern vorsätzlich herbeigeführte Taten“, sagte Richter Michael Höhne in seiner Urteilsbegründung. Er verhängte die höchste Zeitstrafe, aber lebenslänglich gilt nicht die Haft, sondern nur das Berufsverbot für die Hebamme. „Verwerflich“, nannte Höhne die Taten und „unsittlich auf tiefster Stufe stehend“. 

Hebamme „entwickelte sich zur Einzelgängerin“

Das Mordmerkmal der Heimtücke sah er als erfüllt an sowie auch niedrige Beweggründe. Denn Regina K. (35) wollte den Tod der werdenden Mütter, um ihren eigenen Frust im Beruf „abzureagieren“. Wehrlose Patientinnen sollten sterben, weil sie unzufrieden war: mit ihrer Stelle, ihren Aufgaben und ihren Kollegen. Dreimal im Klinikum Bad Soden (Hessen), wo Regina K. von 2008 bis 2012 angestellt war. Vier Fälle ereigneten sich im Klinikum Großhadern, von April und Juni 2014.

„Durch ihre kühle, introvertierte, humorlose und perfektionistische Art entwickete sie sich zur Einzelgängerin“, sagte der Richter über Regina K.. Sie war fachlich stets angesehen, aber als Mensch isoliert. Weil die Hebamme sich nicht wertgeschätzt fühlte, schwoll ihre innere Wut an. Genau darin lag das Motiv für die Serie perfider Mordversuche. Den Frauen mischte sie den Blutverdünner in Infusionen – jeder einzelne Tropfen wäre für Schwangere gefährlich gewesen, aber Regina K. füllte die zwanzigfache Dosis ab. „Sie wollte sich Genugtuung verschaffen“, sagte Richter Höhne.

Taten waren „planvolles Vorgehen“

Erst gestern kam heraus, wie schlecht es den Frauen ging: Sie hatten literweise Blut verloren, nur durch Massen-Transfusionen konnten sie überleben. Nach tagelangem Kampf. Und vielen Operationen. Ihre Blutversorgung war völlig zusammengebrochen, einigen musste die Gebärmutter entfernt werden.

In den Taten sah der Richter ein „planvolles Vorgehen“: Besonders als der Chef von Regina K. sie nach ausgeheiltem Bandscheibenvorfall in Teilzeit abstufte, wollte sie sich rächen – und versuchte in Großhadern vier Frauen in acht Wochen zu töten. Vergeblich. Zum Glück. 

In dem neun Monate langen Prozess hatte die Hebamme kein Wort gesprochen. Dafür etliche Geschädigte. Weinend, zitternd. Fast alle sind schwer traumatisiert. „Sie raubte ihnen und ihren Partnern das Glück einer gesunden Geburt“, sagte Höhne. „Und den schönsten Tag in ihrem Leben.“

Andreas Thieme 

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