Bürger in Hadern wehren sich gegen Baupläne

Protest gegen Nachverdichtung

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Sind entsetzt über die Pläne für ihre Siedlung: (v. li.) Anna Isabel und Fatima Isabel Pappalardo sowie Ulrike Jeschek.

München - In Hadern will die Stadt 93 Wohneinheiten bauen - in ein gewachsenes, grünes Areal. Unter den Bürgern wächst der Unmut gegen die Nachverdichtung.

Die Siedlung westlich der Menaristraße und südlich der Lindauer Autobahn ist alt, aber reizvoll. Alter Baumbestand und einige größere Wiesen umgeben die 50er- und 60er-Jahre-Gebäude, verleihen ihnen ein besonderes Flair. Doch damit ist es bald vorbei. Die GWG wird das rund 5,3 Hektar große Areal in Hadern nachverdichten. Und das bringt viele der dort lebenden Menschen auf die Palme. Sie befürchten soziale Konflikte und den Verlust von Lebensqualität.

Ulrike Jeschek ist beunruhigt. Seit 1979 wohnt sie in der Siedlung. Bisher hat es ihr dort gut gefallen. Doch sie glaubt, dass sie sich künftig nicht mehr wohlfühlen wird. „Vielen anderen, die hier leben, geht es genauso“, sagt sie. Münchenweit kein Einzelfall: Überall wird nachverdichtet, um der Wohnungsnot zu begegnen. Oft wird dabei auf die wenigen noch vorhandenen Grünflächen in der Stadt zurückgegriffen. Immer mehr verschwindet unter Beton. Das Unbehagen in der Bevölkerung angesichts dieser Entwicklung wird immer größer.

Jeschek deutet traurig auf eine Wiese mit Spielplatz. Ein Stück Natur mitten in der Stadt. Auf einem verblassten Schild steht „Kein Bolzplatz“. Für Kinder und Erwachsene ein kleines Paradies, Erholungsraum mit Platz zum Spielen und Sonnen. Jeschek: „Nun werden dort drei weitere große Häuser gebaut.“ Insgesamt entstehen in der Siedlung acht Gebäude mit 93 Wohneinheiten und 140 Stellplätzen in einer Tiefgarage. „Als erstes werden nun viele Bäume gefällt, etliche davon sind über 70 Jahre alt“, klagt Jeschek.

Baubeginn soll im Januar sein

Michael Schmitt, Sprecher der GWG, bestätigt, dass diese Woche mit der Fällung von insgesamt 67 Bäumen begonnen wird. Es müsse Platz für die Neubauten geschaffen werden. Die Bäume würden angemessen durch Neupflanzungen ersetzt. Im Juli seien die Mieter schriftlich ausführlich über die geplante Nachverdichtung informiert worden. Baubeginn soll im Januar sein, die Fertigstellung spätestens September 2018.

Dass in dem Gebiet etwas im Busch ist, schwante Jeschek allerdings schon früher: „Es gab im vergangenen Jahr Bohrungen“, sagt die 63-Jährige. „Das hat uns misstrauisch gemacht.“ Sie schrieb sofort die GWG an. Diese bestätigte in einem kurzen Brief die Ahnungen: „Auftrag der GWG ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hierbei sind wir auch angehalten, vorhandene Potenziale innerhalb der bestehenden Wohnanlagen zu nutzen.“

Anwohner rechnen mit Abwertung der Siedlung

Konkret wurde die GWG erst in dem Schreiben vom Juli, „nachdem die Planungen weitestgehend abgeschlossen und die Abstimmungen mit den Behörden erfolgt“ waren. Geplant seien sechs dreigeschossige Holzhäuser und zwei sechsgeschossige Massivhäuser, die „sich hinsichtlich Kubatur und Höhenentwicklung sehr gut in den städtebaulichen Kontext integrieren“. Ziel sei die Schaffung preiswerten und frei finanzierten Wohnraums „sowie damit verbunden eine Aufwertung der bestehenden Siedlung auch in den Freibereichen“. Das „grüne idyllische Herzstück mit Spielplatz und Sitzbänken“ bleibe erhalten.

Jeschek und andere sprechen dagegen von einer Verstümmelung des Herzstücks. Sie rechnen mit einer Abwertung der Siedlung. „Die Veränderungen sind drastisch“, sagt Jeschek. Was bleibe, sei ein Gefühl der Machtlosigkeit. „Für viele bedeuten die Bäume und Wiesen ein bisschen Lebensglück. Und das geht verloren.“ Sorgen bereitet nicht nur der Verlust von Grün, die Rentnerin ist überzeugt: „Wenn Menschen, teils aus unterschiedlichen Kulturen, zu eng aufeinandersitzen, sind soziale Konflikte vorprogrammiert.“

Brigitta Wenninger

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