„Harry unser – Hofstatt-Gschichten und andre Sachn“

Erfolgsfilm beendet Freundschaft

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Der Kläger: Schorsch Barth, der Kameramann, hat das Gefühl, er sei zu kurz gekommen. Er sagt, auch er habe dem Film seinen Stempel aufgedrückt.

München/Wasserburg - Ein Regisseur und ein Kameramann streiten vor Gericht – es geht ums liebe Geld.

 Landgericht München I, sechster Stock. Harry Hartinger, Geburtsjahr 1946, modische schwarzumrandete Brille, steht am Geländer der Balustrade und blickt zum Aufzug am anderen Ende des langen Ganges. „Da, des isser“, sagt er zu seinen Rechtsanwälten, als Schorsch Barth aus dem Aufzug tritt. Dann dreht er sich weg. Die beiden Mannsbilder sprechen tiefstes Oberbairisch. Allerdings kein Wort mehr miteinander. Und das nach dieser Erfolgsgeschichte.

Anfang 2015 erlebt Wasserburg im Landkreis Rosenheim ein kleines Filmwunder. Der 85-Minüter „Harry unser – Hofstatt-Gschichten und andre Sachn“ begeistert die Zuschauer mit Anekdoten und Legenden aus dem „oiden“ Wasserburg (wir berichteten). Der Streifen füllt 49 mal den Saal im Kino Utopia – obwohl er eigentlich nur als privater Kurzfilm zu Hartingers 65. Geburtstag geplant war. Doch der Erfolg hatte seinen Preis, an ihm ging eine Freundschaft zu Grunde. Die von Harry Hartinger und seinem Kameramann Schorsch Barth.

Der Beklagte: Der Initiator des Heimatfilms, Harry Hartinger, vor seinem Geburtshaus in Wasserburg.

Barth fühlt sich benachteiligt, weil er trotz des großen Erfolgs nur 1500 Euro für seine Arbeit bekommen hat. „Es geht mir um die Anerkennung“, sagt er in der Verhandlungspause. Deswegen hat er geklagt. Über 280 Stunden habe er in das Projekt investiert, für die Filmaufnahmen und die Postproduktion. Dafür möchte er einen Teil der Einnahmen – und als Miturheber anerkannt werden. Schließlich habe auch er dem Film seinen Stempel aufgedrückt.

Hartinger sieht das natürlich anders. „Das ist mein Film. Die Idee, das Drehbuch, die Drehorte und so weiter – alles von mir.“ Erst als der Film so unerwartet erfolgreich wurde, hätte Barth das große Geld gerochen. Hartinger wirft seinem ehemaligen Spezl vor, Stimmung zu machen. „Er fühlt sich wohl zu wenig beachtet.“

Die Richter des Landgerichts machen Barth früh klar, dass die Klage nur geringe Erfolgsaussichten habe. Sie legen den Streitparteien eine gütliche Einigung ans Herz. Dann beginnt das Schachern. Die beiden Streithähne reden kaum. Ihre Anwälte dafür umso mehr. Über Einmalzahlungen, Nutzungsrechte, Beteiligungen, über Freundschaftsabschläge, die Einnahmen aus der Vergangenheit (Höhe: rund 7500 Euro) und die der Zukunft (Höhe: völlig ungewiss). „Das ist ja wie beim königlich bayerischen Amtsgericht hier“, platzt es zwischendurch aus Barth heraus. Und kurz lachen er und Hartinger gemeinsam. Bevor ihre Gesichtszüge wieder einfrieren.

Vier Stunden und mehrere Unterbrechungen später steht der Vergleich. Zwar auf wackeligen Beinen und mit merklichem Zähneknirschen bei Barth. Aber er steht. Und die Richter schnaufen durch. 3500 Euro soll Hartinger an Barth noch zahlen. Dafür bekommt er die Nutzungsrechte für den Film. Und die Sache ist endlich gegessen. Aber Schorsch Barth behält sich ein Hintertürchen offen: den Widerruf.

„Ich überleg’ jetzt noch mal“, sagt Barth nach der Verhandlung. „Aber eins ist schon mal klar: Private Filmprojekte mache ich nie wieder.“ Als Hartinger aus dem Saal kommt, dreht Barth sich um und geht zum Aufzug. 

Dominik Göttler

Dominik Göttler

E-Mail:Dominik.Goettler@merkur.de

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