Heizungsableser: Wann muss der Mieter zahlen?

Der Termin mit dem Heizungsableser steht derzeit in vielen Münchner Wohnungen an.
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Der Termin mit dem Heizungsableser steht derzeit in vielen Münchner Wohnungen an.

Der Zettel hing schon Anfang Januar im Hausflur: „Heizungsablesung am 19. Januar zwischen 11.30 Uhr und 12 Uhr“ stand auf dem orangefarbenen Papier.

Martin B. (37, Name geändert) hatte sich deshalb für eine Stunde von der Arbeit freigenommen, um den Ableser in die Wohnung zu lassen – allein, der Mitarbeiter kam nicht. Am Abend hing ein Schreiben an der Tür von Martin B. „Benachrichtigung über kostenpflichtige Nachablesung“ las der Münchner. „Das ist ein Witz. Ich war doch da. Wer nicht kam, war der Ableser!“

Tatsächlich kam der Mitarbeiter ein paar Minuten nach 12 Uhr. „Ich hatte aber keine Zeit mehr zu warten, musste zurück ins Büro“, sagt Martin B. Besonders ärgert sich der Bankkaufmann aber über den Zettel, den der Ableser an seine Tür geheftet hatte. Da wird gedroht, dass der Verbrauch geschätzt wird. Dieser für den Mieter ungünstige Fall könne nur abgewendet werden, wenn eine Nachablesung zustande käme. „Die Kosten betragen 35,70 Euro und sind beim Nachtermin zu entrichten“, heißt es auf dem Zettel.

Martin B. findet das eine Unverschämtheit: „Wieso soll ich für einen Nachtermin zahlen, wenn ich doch da war? Dass der Herr nochmal kommen muss, ist doch nicht mein Verschulden.“ Der Münchner Mieterverein gibt dem 37-Jährigen Recht. „Wenn der Ableser nicht kommt, kann der Mieter gehen“, sagt Rechtsberater Tobias Vollmar. „Ein Nachtermin muss dann selbstverständlich kostenfrei sein.“

Dabei stützt sich der Mieterverein auf ein Urteil vom Landgericht München. „Auch wenn der Mieter selbst beim ersten Termin verhindert ist, besteht seitens der Ablesefirma kein Anspruch auf Kostenübernahme für den zweiten Termin“, sagt Tobias Vollmar.

Die gesetzlichen Vorschriften sehen zwei Termine im Abstand von mindestens 14 Tagen vor. Erst wenn ein dritter Ableseversuch durch den Mieter scheitert, kann der Heizkostenanteil geschätzt und dem Mieter die Kosten für die Nachlesung in Rechnung gestellt werden. Vorraussetzung: Der Mieter hat die ersten zwei Termine platzen lassen.

Formulierungen wie „Für ein nochmaliges Kommen müssen wir ein zusätzliches Wegegeld berechnen“ sind also Drohungen, die ein Mieter getrost ignorieren kann. „Wenn ein Mieter beispielsweise im Urlaub ist, kann nicht verlangt werden, dass er diesen unterbricht“, sagt Tobias Vollmar vom Mieterverein. „Dann muss die Ablesefirma mit ihm einen kostenlosen Alternativ-Termin vereinbaren.“

Martin B. hat einen zweiten Termin bekommen – einen kostenlosen. „Die Firma hat wohl eingesehen, dass sie mit einer solchen Masche nicht durchkommt.“

JAM

Quelle: tz

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