Hier kommt die Raucher-Polizei!

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Tag 2 nach dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie: Zwei Bezirksinspektoren besuchen ein ehemaliges Raucherlokal an der Geyerstraße. Hier ist alles in Ordnung, die Aschenbecher sind weggeräumt

München - Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.

Montag, kurz vor 19 Uhr. Der zweite Tag, an dem in Bayern das schärfste Rauchverbot in Deutschland gilt. Zwei junge Männer mit lässigen Umhängetaschen gehen durch die Geyerstraße. Sie sind Bezirksinspektoren, sie kontrollieren, ob sich jeder Wirt an das Verbot hält. Es gibt sie doch, die Raucher-Polizei von der Stadt. Nicht offiziell. Doch heute sind die Herren offensichtlich nur deshalb unterwegs im Glockenbachviertel. „Sie haben gesagt, dass sie explizit das Rauchverbot kontrollieren“, sagt ein Wirt.

Rauchverbote in den Bundesländern

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Das Kreisverwaltungsreferat bestreitet dies: „Die Inspektoren prüfen das Verbot lediglich im Rahmen ihrer normalen Kontrolltätigkeit“, betont Sprecher Klaus Kirchmann. „Eigenartig ist das schon. Ein Jahr bin ich nicht kontrolliert worden. Kaum ist das Rauchverbot zwei Tage alt, stehen die Inspektoren vor der Tür“, sagt ein anderer Wirt. Ein Gast schüttelt den Kopf. „War doch klar, dass die sofort auftauchen.“

Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.

Im Glockenbachviertel gibt es etliche kleine Kneipen, in denen bis Samstag noch geraucht wurde. Jetzt haben die Wirte die Aschenbecher weggestellt. Die Gäste sind immer noch die gleichen. Sie stehen jetzt aber vor dem Lokal und qualmen. „Das ist vollkommen absurd“, schimpft ein Rentner, der vor dem Schluckkistl auf dem Gehsteig steht. Auch vor der Geyerwally und dem Glockenbachstüberl stehen die Gäste jetzt vor der Tür. Alles in Ordnung hier. Die Bezirksinspektoren gehen weiter.

Bei der Münchner Polizei gingen seit Sonntag ganze sieben Anrufe in der Einsatzzentrale ein. Der erste nur zwei Stunden nach Mitternacht. Am Sonntag waren es vier, am Montag drei „Notrufe“. Als die Beamten jeweils vor Ort waren, hatten sich die Gemüter aber schon wieder beruhigt.

Auch in Augsburg halten Verstöße gegen das Rauchverbot die Behörden auf Trab. Allerdings, so berichtet die Augsburger Allgemeine, handele es sich bei den Anrufern nicht um Gäste von Kneipen. Offensichtlich schwärzen einzelne Wirte ihre Konkurrenten an. Anders als in München hat es dort bis Montag keine gezielten Kontrollen gegeben. Den Hinweisen wird aber in den nächsten Tagen nachgegangen.

Jacob Mell

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