Grande Dame der FDP

Hildegard Hamm-Brücher: Das politische Gewissen wird 95

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Hildegard Hamm-Brücher feiert 95. Geburtstag.

München - Hildegard Hamm-Brücher, Grande Dame der FDP und Münchner Ehrenbürgerin wird am heutigen Mittwoch 95. Ein Vor-Geburtstagsbesuch:  

Nein, feiern möchte Hildegard Hamm-Brücher heute nicht. Die lange als „Grande Dame“ der FDP gefeierte Liberale macht „Anti-Geburtstagsrummel- Urlaub“, wie sie sagt. Ihren 95. Ehrentag verbringt sie nicht daheim. Doch zuvor empfing sie Besuch.

Die Balkontür ist weit geöffnet, auf dem Tisch stehen Butterkekse. „Seit etwa einem Jahr kränkele ich, wie man das so nennt.“ Zwei Oberschenkelhalsbrüche hat sie hinter sich, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen plagen sie. Die Politik verfolgt sie dennoch. Und ihre Haltung hat sie nicht verloren. So steht Hamm-Brücher der Islamkritik der AfD ablehnend gegenüber. Für Tendenzen kurz vor „echtem Nazismus“ bestehe in Deutschland großes Potenzial. Das Erbe der Nazis sei nicht gebannt. „Im Grunde kann man fürchten, dass da eine ganze Menge nachgewachsen ist.“ Was dagegen hilft? „Junge Menschen müssen Demokratie erleben können. Das ist alles zu kurz gekommen.“ Dazu müssten aktive Politiker mit gutem Beispiel vorangehen.

Geboren wurde Hamm-Brücher 1921 in Essen, aufgewachsen ist sie in Berlin. Mit zehn verliert sie die Eltern, lebt bei der Oma in Dresden. Mit 15 erfährt die preußische Protestantin, dass sie nach den Rassegesetzen der Nazis „Halbjüdin“ ist. Sie wechselt auf das Internat Schloss Salem am Bodensee, macht in Konstanz Abitur.

1948 zieht die promovierte Chemikerin für die FDP in den Münchner Stadtrat ein. Über Jahrzehnte prägt sie die Politik der Liberalen, als Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Außenminister Genscher. 2002 gab sie ihr Parteibuch ab. Grund: antiisraelische Äußerungen des damaligen Parteivizes Jürgen Möllemann

tz

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