Dilemma: Wohnraum oder Grünfläche?

Hilfe! Unsere Oase wird zugebaut

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Die Nachbarn Josef (v.l.) und Renate Taubenberger sowie Dr. Josef Stauber vor der Oase

München - Überall in Münchens Außenbezirken weichen Villen und Einfamilienhäuser großen Wohnblocks. Allerdings werden auch Gärten zugebaut. Die tz dokumentiert einen Fall aus Sendling.

Des einen Freud, des anderen Leid: Überall in Münchens Außenbezirken weichen Villen und Einfamilienhäuser großen Wohnblocks. Dabei wird zwar mehr Wohnraum geschaffen – die Nachbarn sind aber meistens unglücklich damit, weil Gärten zugebaut werden und große Häuser das Licht wegnehmen. Die tz dokumentiert einen Fall aus Sendling:

„Es ist furchtbar“, sagt Renate Taubenberger (68), die mit ihrem Mann Josef (85) und ihrem Sohn Stefan (31) in der Ohlstadter Straße in einer Doppelhaushälfte lebt. Das Nachbargrundstück ist noch unbebaut und gleicht einem kleinen Biotop. Eine grüne Oase in der Stadt – aber damit soll bald Schluss sein…

„Jetzt will man uns einen Wohnblock direkt an die Grundstücksgrenze setzen“, klagt Taubenberger. Dafür muss auch eine Villa auf dem übernächsten Grundstück weg. Denn eine Baufirma plant, einen Wohnblock von der Krüner Straße die Leutascher Straße entlang bis zur Ohlstadter Straße zu bauen. Und damit nicht genug: „Die Firma hat auch das gegenüber liegende Eckgrundstück in der Leutascher Straße gekauft und will auch dort einen Wohnblock bauen.“ Taubenberger weiß, dass Wohnraum in München knapp ist, doch sie meint: „Man nimmt uns das Licht, zerstört die Natur und schafft Wohnungen zu Preisen, die sich Normalverdiener eh nicht leisten können.“

Käufer der Grundstücke ist die Stauch Bau GmbH mit ihrer Niederlassung in Neuried, vertreten durch ihren Geschäftsführer Bernd Griesinger. „Wir wollen auf den Grundstücken so viel Wohnraum schaffen wie möglich, schließlich haben wir auch sehr viel Geld dafür bezahlt“, so Griesinger. Das Baurecht erstritt sich die Baufirma gegen die Stadt München vor Gericht. Die bestehenden Blockbauten in der Nordosthälfte des Gevierts geben laut Urteil die Baumaße vor: Zwei Obergeschosse und ein Dachgeschoss in der Krüner, ein Geschoss weniger entlang der Leutascher und Ohlstadter Straße. So entstehen 54 neue Wohnungen, 19 davon sollen als Eigentumswohnungen verkauft werden. Und bauen darf die Firma bis an die Grundstücksgrenze der Nachbarn – der Familie Taubenberger.

Nun fürchten die Taubenbergers und viele Nachbarn den Domino-Effekt: „Wenn die neuen Häuser stehen, wird die Firma auf der anderen Straßenseite die gleiche Bauhöhe beantragen.“ Griesinger will das nicht dementieren, aber: „Derzeit ruhen unsere Planungen für das Grundstück.“

Im städtischen Planungsreferat weiß man um die Problematik, die typisch für die Gartenstädte ist. Aber: „Da es in vielen dieser Viertel keine Bebauungspläne gibt, richtet sich das Baurecht meist nach der benachbarten Bebauung“, heißt es im Planungsreferat. Das heißt: Baut ein Bauherr in die Höhe und an die Grundstücksgrenze, darf das der Nachbar auch. Und so wachsen die Wohnblöcke immer mehr in die Gartenstädte hinein. Doch laut Baufirma-Chef Griesinger haben die Nachbarn auch was davon: „Wenn sich das Baurecht mehrt, steigt auch der Wert der Grundstücke in der Umgebung.“

Johannes Welte

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