"Schmecken nach Kartoffeln"

Was hinter Münchens Maroni-Standln geratscht wird

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Wenn Sie Esskastanien kaufen, sollten Sie diese sofort essen. Warm schmecken sie am besten. 

München - Endlich. Der Duft heißer Esskastanien erfüllt wieder die Straßen der Münchner Innenstadt. Wir haben einen Versuch gestartet und Maroni-Verkäufer zu ihrem Geschäft befragt. Sie tun geheimnisvoll. Warum, fragt sich Autorin Silvia Kluck.

Wenn ich im Herbst nach München komme, steuere ich zuerst in Richtung Kaufingerstraße und kaufe mir eine Tüte Maroni. Schon seit meiner Kindheit liebe ich die heiße Leckerei aus der Spitztüte -Maroni gehören einfach zu einem München-Besuch dazu. Doch was mich eigentlich mehr interessiert, als die Dinger aus ihrer klebrigen Schale zu pulen, sind die Menschen, die hinter dem Maroni-Ofen stehen.

Ein Ratsch hinter dem Maroni-Ofen

Die Standl-Verkäufer reagieren eher schüchtern auf meine Interview-Anfrage. Ein bisschen bekomme ich aus den Verkäuferinnen und Verkäufern dann doch heraus: Eine Dame, die ihren Maroni-Stand in Wiesn-Nähe hat, erzählt: "Ich betreibe den Stand zusätzlich zu meiner geringen Rente". Sie verkauft außerdem gebrannte Mandeln, das habe man ihr vor einigen Jahren noch nicht gestattet. Trotz Oktoberfest-Nähe verkaufe sie dieses Jahr schlecht: "Die Leut gehn heuer nimma so auf die Wiesn. Die Maroni-Verkäufer in der Stadt verdienen viel besser", meint sie. 

Ob das stimmt, frage ich einen Maroni-Verkäufer in der Innenstadt: "Nicht wirklich, den Leuten ist es momentan noch zu warm für Maroni." Er hat soeben eine Tüte an zwei Amerikanerinnen verkauft. Touristen scheinen die Esskastanien noch interessant zu finden, für Münchner ist die Tradition vielleicht schon langweilig geworden. Trotzdem gibt es den Maroni-Straßenverkauf jedes Jahr von September bis März. "Da werden sie geerntet. Wir bekommen die Maronen momentan aus Chile, in Deutschland wachsen sie nur vereinzelt", erzählt eine andere Dame. 

Was sagen die Maroni-Verkäufer, wenn jemand wissen möchte, wonach die Maroni schmecken: Der Geschmack ist schwierig zu definieren, sie schmecken ein bisserl nach Kartoffeln und Nuss, erzählen die meisten Verkäufer. "Maroni sind kleine Brote, welche die Natur geschaffen hat", zitiert die Dame Hildegard von Bingen in Wiesn-Nähe. An ihrem Stand hängt ein Zettel mit den Nähr-und Inhaltsstoffen der Esskastanien. Denn eine gesunde Alternative zu gebrannten Mandeln und kandierten Früchten sind Maroni allemal.

"Ich sollt's ja eigentlich essen, die san ja so gesund! Aber mir schmecken's halt einfach ned", meint ein Maroni-Verkäufer in der Innenstadt lachend. Immerhin: Er schenkt mir einfach so eine Tüte mit neun Stück heißen Maronen. "Wenn's eana scho so guad schmecken, dann kriagn's a welche!" Damit bin ich mehr als zufrieden und kehre zurück in die Redaktion. Die Maroni esse ich schon auf dem Weg dorthin, denn kalt schmecken sie wirklich nicht. 

Maronen gehören ab sofort in Ihre Küche!

Edelkastanien schmecken nicht nur aus der Spitztüte: Die gesunden Nüsse passen hervorragend zu diversen Gerichten und sind eine glutenfreie Alternative zu Pasta. Probieren Sie doch unser Maronen-Suppen- oder Risotto-Rezept.

Maronen-Suppe

Zutaten: 200 g Maroni, Galgant, 2 Lorbeerblätter, 2 Gewürznelken, 1 l Wasser, 150 ml Rotwein, 1 EL Dinkelmehl, 2 EL Edelkastanienmehl, 1 EL Butter, 1 Zwiebel, Salz

Die Zwiebel fein hacken und in Butter kurz anbraten. Maroni und Dinkelmehl hinzugeben und mit den Zwiebeln anschwitzen. Die Mehlschwitze nach und nach mit Rotwein ablöschen und mit Wasser aufgießen. Mit Salz, Nelken, Lorbeerblättern und Galgant würzen und die vorgekochten Maroni so lange mitkochen, bis diese ganz weich geworden sind. Anschließend Lorbeerblätter und Gewürznelken entfernen und die Suppe cremig rühren. 

Maronen-Risotto

Zutaten: 200 g Maroni, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 2 Lorbeerblätter, Olivenöl, 250 g Risottoreis, 125 ml trockener Weißwein, 800 ml heiße Geflügelbrühe, 100 g geriebener Parmesan, Salz, Pfeffer

Die Zwiebel und Knoblauchzehen hacken und in Olivenöl anschwitzen. Risotto-Reis hinzugeben und kurz mitbraten. Nach und nach mit Brühe und Weißwein ablöschen. Lorbeerblätter und gekochte Maroni hingeben und unter ständigem Rühren bei kleiner Hitze köcheln lassen. Parmesan, Salz und Pfeffer einrühren, solange bis das Risotto cremig ist.  

Ich habe beide Rezepte ausprobiert und war begeistert. 

Silvia Kluck

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