Harsche Kritik

Peta: "Qualvoller Hitzestress" für Eisbären im Tierpark

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Abkühlung für die Eisbären im Tierpark Hellabrunn: Eistorte mit Obst, Karotten, Makrelen und Datteln.  

München - Bei 34 Grad Celsius leiden die Eisbären in deutschen Zoos, kritisiert die Tierschutzorganisation PETA. Beim Tierpark Hellabrunn hält man dagegen.

34 Grad - das ist heiß, sogar sehr heiß für den Durchschnittsmenschen in hiesigen Gefilden. Unerträglich heiß, wenn man einen schweren, dichten Pelz auf der bis zu elf Zentimeter dicken Fettschicht trägt - weil der eigene Körper perfekt an ein Leben bei zweistelligen Minustemperaturen angepasst seien, kritisiert die Tierschutzorganisation PETA Deutschland e.V. Konkret meint sie Eisbären wie im Tierpark Hellabrunn.

Bei den anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen sei die Situation von Eisbären in Zoos deshalb "qualvoll", heißt es in einer Pressemitteilung am Donnerstag. Die sengende Hitze könne eine unmittelbare Lebensbedrohung für die Kälte liebenden Polarbären darstellen: 2012 sei Eisbär ‚Winner‘ im Zoo von Buenos Aires an Hitzestress gestorben – die Temperaturen dort hätten 35 Grad betragen. Man appelliere an die Verantwortlichen in München und weiteren Zoos und fordere in einem Schreiben an den Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) – stellvertretend für die 13 deutschen Zoos, in denen rund 30 Eisbären gehalten werden –, die Haltung dieser Tierart auslaufen zu lassen.

Tierpark Hellabrunn hält dagegen

Auch im natürlichen Lebensraum der Eisbären könne es im Sommer über 30 Grad heiß werden, kontert Daniel Hujer, Sprecher des Tierpark Hellabrunn. Die Tiere hätten deshalb auch für diese Temperaturen natürliche Verhaltensweisen, die ihnen den Umgang mit hohen Temperaturen ermöglichten: "Wenn es besonders warm ist, legen sie die Haare ihres Fells aktiv an und verringern damit die Wärmeisolation ihres Körpers." Um sich abzukühlen, badeten sie in Seen, legten sich in nassen Sand oder graben sich in bis zu fünf Meter tiefe Höhlen. Soweit ihnen die Futtersuche es ermögliche, schalteten sie einen Gang herunter und faulenzten im Schatten. 

"Diese Verhaltensweisen zeigen, dass Eisbären auch an heiße Sommertage gewöhnt und angepasst sind." Und, fügt Hujer hinzu, auch im Tierpark Hellabrunn sei es den Tieren möglich, diese auszuleben: "Die Eisbären können sich in etwa 12 Grad kaltem Wasser, das gespeist ist aus Grundwasserbrunnen, erfrischen und finden viele schattige Plätze auf ihren Anlagen. Außerdem können sie sich jederzeit in ihre kühlen Schlafboxen zurückziehen." Überhaupt: Beobachte man die Münchner Eisbären in den letzten Tagen, könne man feststellen, dass sie Sonne und Hitze durchaus mögen und sich nicht in Schatten oder Wasser zurückziehen.

"Ausgestaltung des Geheges wichtig"

In der Pressemitteilung kritisiert PETA grundsätzlich die Haltung von Eisbären in Zoos wie Hellabrunn: Sie litten dort unter den mangelhaften Haltungsbedingungen, die nicht annähernd das Bewegungs- und Wanderbedürfnis der Tiere befriedigten, und entwickelten deshalb schwere Verhaltensstörungen. Weil Eisbären aufgrund dieser Zwangsstörungen nicht ausgewildert werden könnten, fordert PETA von der Bundesregierung, die Zoohaltung mittels eines Nachzucht- und Importverbots mittelfristig auslaufen zu lassen. 

Darauf antwortet Hujer: "Nicht allein die Größe eines Geheges ist entscheidend bei der Eisbärenhaltung, sondern die Ausgestaltung." Wichtig sei, ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse so weit wie möglich zu befriedigen und für Abwechslung zu sorgen. Mit der im Jahr 2010 eröffneten Tundra-Anlage mit Naturböden wie Erdwege, Wiesen und Kies, Sträuchern und Bäumen hätten die Eisbären in Hellabrunn eine abwechslungsreiche Anlage, die ihnen das Ausleben der natürlichen Verhaltensweisen ermögliche. Hellabrunns Eisbärenanlage gelte mit fast 3.000 Quadratmeter Gesamtfläche und der natürlichen Gestaltung als eine der größten und modernsten in Mitteleuropa.

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