Hofflohmärkte 2015 in München

Beim Flohmarkteln die Stadt entdecken

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Bei den Hofflohmärkten gibt es allerlei Schätze und Trödel - und dazu einen Blick hinter die Kulissen der Viertel.

München - Spätestens seit sich am vergangenen Samstag bis zu 80.000 Menschen auf der Theresienwiese drängten, gilt die Flohmarkt-Saison 2015 als eröffnet. Am Samstag, 25. April, startet die Saison der Hof- und Gartenflohmärkte - traditionell in Haidhausen. Zum Auftakt haben wir mit dem Veranstalter über die Vielfalt der Viertel und die Hofflohmarktidee gesprochen.

Neben den vielen meist wöchentlich stattfindenden Flohmärkten wie in Daglfing oder an der Parkharfe im Olympiapark gibt es in München ein ganz besonderes Schmankerl für Trödel-Fans – die Hof- und Gartenflohmärkte.

Die erfreuen sich jedes Jahr größerer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es viele Ableger im Umland - zum Beispiel in Gräfelfing, Freising, Dachau und Fürstenfeldbruck.

Kein Wunder, die Verkäufer müssen nicht in aller Frühe mühsam das Auto beladen, sondern brauchen ihre Sachen nur in den eigenen Hof zu tragen. Und die Besucher? Die bekommen außer vielen feilgebotenen Schätzen ganz nebenbei die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Viertel zu schauen – jede Woche bis in den Oktober hinein in einem anderen.

Wir haben mit René Götz, dem Organisator der Münchner Hofflohmärkte, über das Konzept gesprochen.

Herr Götz, morgen startet die Saison der Hofflohmärkte in München. Woher stammt die Idee dazu?

Das ist schwer zu sagen. Dass sich einzelne Hausgemeinschaften zum Flohmarkt zusammentun, hat es ja immer schon gegeben. Man kennt das auch von den klassischen Garagen-Flohmärkten in den USA. Daraus reifte irgendwie der Gedanke. In organisierter Form war die Nachbarschaftsinitiative der Seidlvilla in Schwabing die Erste, die so etwas veranstaltet hat. Deren Hofflohmärkte gibt es seit dem Jahr 2000. Wir haben dann im Jahr 2003 angefangen, sind also quasi der "zweitälteste" Veranstalter in München.

Beim Hofflohmarkt die Vielfalt der Stadtviertel entdecken

Was ist der Gedanke dahinter?

Es geht um die Frage, wie man einen Stadtteil stärken und beleben kann. Viertel-Bewohner und -Besucher sollen einen Anreiz bekommen, die Vielfalt der Viertel zu entdecken. Die Höfe, aber auch die vielen kleinen Läden, die es ja glücklicherweise noch gibt. Oder auch die Stadtteil-Kultur, wie dass es in Neuhausen ein Stadtteil-Kino gibt, oder in Haidhausen eine Theaterbühne. Ich bin überzeugt, eine gute und funktionierende Nachbarschaft ist der Schlüssel für ein besseres Miteinander. Und es ist einfach netter, wenn nicht alles so anonym ist.

Sie stehen mit ihrer Agentur "Stadtfavoriten" hinter der Hofflohmarkt-Idee in München. Was genau ist ihre Aufgabe?

René Götz organisiert mit seiner Agentur "Stadtfavoriten" die Hof- und Gartenflohmärkte, mittlerweile nicht mehr nur in München, sondern auch im Umland.

Die Agentur ist ein Einmannbetrieb. Vom Flyer bis zur Internetseite mache ich mehr oder weniger alles selbst, aber ich habe auch viele fleißige Helfer. Ich bin eigentlich gelernter Kaufmann und habe mir das über die Zeit, jetzt sind es schon 12 Jahre, nach und nach angeeignet. Wir bieten vor allem die Organisation an. Wir sammeln und koordinieren die Termine, machen die Werbung und Kommunikation usw.

Worauf müssen Sie bei der Organisation besonders achten?

Besonders wichtig ist die Terminplanung. Auf keinen Fall dürfen sich mehrere Flohmarkt-Termine überschneiden. Vor ein paar Jahren ist uns das einmal passiert, da ärgern sich die Leute. Heuer liegt alles so, dass der Münchner nach einem Flohmarkt in der Stadt sogar noch nach Dachau fahren könnte und umgekehrt.

Nicht nur in München: Die Hofflohmarkt-Fangemeinde wächst stetig

Die Hofflohmärkte sind ein echter Export-Schlager. Jedes Jahr machen mehr Viertel mit, heuer gibt es sogar Flohmärkte im Umland und selbst in Berlin, Frankfurt und Dresden gibt es Ableger. Wie kam's dazu?

In den letzten Jahren wurde das Umland neugierig. Wir haben immer wieder Anfragen bekommen, ob und wie man das nicht auch an weiteren Orten umsetzen könnte. Natürlich ist jeder frei, das ganz unabhängig zu organisieren. Allerdings hat sich gezeigt, dass viele dann doch froh sind, unsere schon vorhandene Infrastruktur, wie die Internetseite und die Planung, mit nutzen zu können. Es steht schon ein ziemlicher organisatorischer Aufwand dahinter. Hof- oder Viertelflohmärkte gibt es aber in anderen Städten auch ganz unabhängig von uns. Zum Beispiel in Nürnberg, dort sind mittlerweile auch schon 17 Viertel dabei. Der Versuch in Berlin startet jetzt auf Initiative meines Bruders, der dort wohnt. Ich habe mich den Sprung lange nicht getraut, weil ich unsicher war, ob es dort funktioniert. Das ist alles sehr spannend, jede Stadt ist anders.

In München gibt es ja mehrere Flohmarkt-Veranstalter. Kommt man sich da in die Quere?

Eigentlich nicht. Auch hier ist es wichtig, dass die Termine nicht kollidieren. Wir unterstützen die anderen Veranstalter zum Beispiel in Schwabing, in der Maxvorstadt und im Lehel, indem wir deren Termine in unsere Terminübersicht aufnehmen.

Hofflohmärkte: Profi-Tipps und Empfehlungen für Besucher und Verkäufer

Haben Sie selbst ein Lieblings-Flohmarkt-Viertel?

Haidhausen macht traditionell den Anfang der Hofflohmärkte.

Jedes Viertel hat seinen eigenen Charme. Sehr spannend ist der Vergleich zwischen den Hof- und den Gartenflohmärkten. Die haben wir vor sechs Jahren in Hadern zum ersten Mal veranstaltet und waren gespannt, ob das Konzept auch in einer weniger urbanen Umgebung funktioniert. Und das tut's. Die Gartenflohmärkte sind weitläufiger und familiärer. Wenn einen die Leute in ihren Garten lassen, ist das privater als ein Innenhof. Ich empfehle, mit dem Radl von Garten zu Garten zu fahren. Toll sind außerdem die Abendtermine, die wir mehrmals an Freitagen anbieten. Im Sonnenuntergang hat das Ganze ein besonderes Flair."

Haben Sie einen Praxis-Tipp für Teilnehmer, die mit ihrem Hof eher am Rand eines Viertels sind, wo weniger Laufkundschaft vorbeikommt?

Ich empfehle mit den Nachbarn zu reden, sie anzusprechen und zum Mitmachen zu motivieren. Das ist ja auch die Idee, dass sich die Nachbarschaften kennenlernen und ein bisschen zusammenwachsen - und ein bisschen Eigeninitiative ist eben auch gefragt. Und nicht demotivieren lassen, jedes Flohmarktviertel hat ein Zentrum, aber die verschieben sich durchaus. Über die Jahre konnte ich gut beobachten, dass es viele Straßen gibt, in denen die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr wächst. 

Alle Infos zu den Hofflohmärkten, wie Anmeldefristen, Teilnahme-Bedingungen sowie Übersichtspläne aller Viertel finden Sie auf www.hofflohmaerkte-muenchen.de.

Myriam Siegert

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