Das Vermächtnis des Brot-Königs

München trauert um Hofpfisterei-Chef Siegfried Stocker 

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Siegfried Stocker mit Frau Margaretha und Tochter Nicole (r.).

München - Er galt als ein Öko-Pionier: Siegfried Stocker, der Chef der Münchner Traditionsbäckerei "Hofpfisterei", ist in der Nacht von Freitag auf Samstag im Alter von 71 Jahren gestorben. 

Sie wollen es alle noch nicht glauben… Am Donnerstag noch saß Hofpfisterei-Chef Siegfried Stocker (71) in seinem Büro. Zwei Tage später war der Münchner Brot-König tot. 

Stocker ist in der Nacht von Freitag auf Samstag im Kreise seiner Familie gestorben. Krank sei er nicht gewesen, sagt Hofpfisterei-Sprecher Friedbert Förster. „Wir Mitarbeiter sind alle sehr traurig.“ 

München verliert mit Stocker einen Öko-Pionier. 1963 war der Volkswirt in das Familienunternehmen eingestiegen. Sieben Jahre später folgte er seinem Vater Ludwig als Hofpfisterei-Inhaber und wandelte sie mit der Zeit in einen Öko-Betrieb um. 

„Mehl, Wasser, Salz - und sonst nichts!“ Stocker wusste genau, was er für sein Brot wollte und setzte sich damit auch durch. Er schaffte es, dass viele Münchner das aus reinem Natursauerteig gebackene Brot für das Beste überhaupt halten. Und nicht nur die: Bis nach Berlin reichen heute die 165 Filialen.

Anfangs war Stocker ein Außenseiter: Schon Ende der 1970er-Jahre hatte er den Anspruch formuliert, Brote aus möglichst naturbelassenen Rohstoffen zu backen. Umwelt- und Lebensmittelskandale brachten ihn auf die Öko-Schiene, sagt Sprecher Förster. Er selbst hat 36 Jahre für Stocker gearbeitet. 

Stocker im Jahr 1996 in seinem Erdgas-Transporter.

Ein besonderes Anliegen des Brot-Königs war es, das Grundwasser zu schützen. Das bedeutete für ihn die Förderung des Anbaus von ökologischem Getreide. Damit Schadstoffe gar nicht erst ins Wasser gelangen können. „Stocker hat es der Stadt München vorgemacht. Die hat später im Mangfallgebiet, woher das Trinkwasser kommt, auch auf ökologische Landwirtschaft umgestellt“, sagt Sprecher Förster. 

Vom Acker bis zum Ladentisch: Alles sollte nach Stockers Vision bio sein. Um das zu ermöglichen, baute der Hofpfisterei-Chef 1988 die Meyermühle in Landshut zu einer Biomühle um. 1993 gründete er die Öko-Metzgerei „Landfrau“ in Emmering (Landkreis Fürstenfeldbruck). Insgesamt beschäftigt die Familie derzeit 1000 Mitarbeiter. 

Für seinen Einsatz wurde Stocker unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bayerischen Verdienstorden und dem Europäischen Umweltpreis der Europäischen Kommission ausgezeichnet. 

Der Brot-König hinterlässt Frau Margaretha, Sohn Alexander und Tochter Nicole. Letztere rückt nun auf den Chefsessel - und will die Münchner auch in Zukunft mit dem Duft frischgebackenen Bio-Brotes verwöhnen.

Lange Geschichte in der Stadt

165 Filialen der Hofpfisterei gibt es insgesamt - 95 in München. Aber auch in Berlin, Stuttgart, Regensburg, Nürnberg oder Rosenheim betreibt der Öko-Bäcker Läden. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts gehörte die Hofpfisterei als Mühle und Bäckerei zur bayerischen Hofhaltung.

1921 stand hier eine Mühle. Später eröffnete an der Ecke Sparkassenstraße/Pfisterstraße der erste Laden der Hofpfisterei.

Im Jahr 1917 pachtete Siegfried Stockers Vater Ludwig die Pfisterei vom letzten bayerischen König Ludwig III. Stocker betrieb nun eine Mühle an der Ecke Pfisterstraße/Sparkassenstraße. Doch die wurde im Krieg zerstört. 

Der Bäckermeister und Müller Stocker entschied, sie nicht mehr aufzubauen und anstelle dessen eine Bäckerei aufzubauen. Und so entstand 1947 der erste Hofpfisterei-Laden - in dem bis heute Brot, Brezen und Bio-Produkte verkauft werden. 1970 stieg der nun verstorbene Siegfried Stocker zum Chef auf.

Ramona Weise

Ramona Weise

E-Mail:ramona.weise@tz.de

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