Neue Stellen, mehr Kontrollen

Hunde-Bettler und Co.: Jetzt beißt die Stadt zurück

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Die Aufgaben beim Tierschutz nehmen zu, etwa durch Hunde-Bettler und die Welpen-Mafia.

München - Die Stadt schlägt Alarm: Der Tierschutz wird immer vielfältiger, die Aufgaben immer mehr: Welpen-Mafia, Hunde-Bettler, dazu die völlig überfüllte Reptilienauffangstation – jetzt beißt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) zurück!

Eine neue Stabsstelle und ein Tierbeirat sollen geschaffen werden, um den Problemen Herr zu werden. Der Stadtrat muss den Plan nur noch absegnen.

In der Vorlage beklagt die Verwaltung, dass Veterinäramt und KVR den Aufgaben nicht mehr fristgerecht nachkommen können. Beispiele sind der illegale Handel mit Hundewelpen und die steigende Zahl der Hunde-Bettler in der Stadt. Welpen und Hunde müssen vom Veterinäramt kontrolliert werden. Stichwort: Seuchenschutz.

Erst vor kurzem hatte ein Geschäftsmann in einem Radius von 400 Metern acht Hundebettler gezählt. Bereits einige Male haben Kontrolleure der Stadt Tiere eingesammelt, die wegen des unklaren Gesundheits-Zustandes in Quarantäne kamen. Doch die Veterinäre sind überlastet.

Die Reptilienauffangstation an der Kaulbachstraße platzt aus allen Nähten.

Denn auch die Zahl der legalen Hunde steigt. 2008 waren 29.100 angemeldet, 2015 bereits 35.500. Hinzu kommen häufige Änderungen des Tierschutz-Gesetzes und immer mehr verletzte Wildtiere in München. Die sollen in einer Auffangstation untergebracht, gepflegt und wieder ausgewildert werden. An diesem Plan arbeiten die Stadt-Veterinäre mit. Außerdem braucht das Tierheim Hilfe (siehe unten). Und die Reptilienauffangstation platzt ebenfalls aus allen Nähten.

Zwar hat der Stadtrat vor knapp zwei Jahren neue Stellen bewilligt, die reichen aber nun nicht aus. Die Verwaltung schreibt: „Angesichts dieser Aufgabenmehrungen im Bereich Tierschutz bedarf es dringend personeller Verstärkungen.“

Außerdem würden die verschiedenen Akteure im Bereich Tierschutz bislang unkoordiniert nebeneinander her arbeiten. Bei der neuen Stabsstelle sollen die Fäden künftig zusammenlaufen, der neue Beirat alle drei Monate zusammenkommen.

„Wir begrüßen das“, sagt Katrin Habenschaden (Grüne). „Die Stellen müssen nun aber auch mit Leuten besetzt werden, die für das Thema brennen.“ Bettina Messinger (SPD) lobt vor allem die Einrichtung eines Tierbeirates. „Wenn alle Beteiligten von Stadt, Tierheim und Verwaltung an einem Tisch sitzen, um sich besser zu koordinieren, dann ist das sicher sinnvoll.“

Das Tierheim braucht mehr Platz

Sandra Giltner

Dass die Aufgaben beim Tierschutz immer mehr zunehmen, merkt man freilich im Tierheim. Chefin Sandra Giltner: „Die Hundequarantäne ist voller Asbest. Die ist nicht mehr zu retten, da muss ein Neubau her.“ An manchen Stellen ist die Fußbodenheizung durchgerostet, allenthalben wird mit Provisorien gearbeitet. Das Heim hat 2015 über 8200 Tiere untergebracht, darunter 1200 Hunde. Die Stadt müsste rund die Hälfte der vier Millionen Euro für einen Neubau zahlen.

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