Die größte Sprengung

In 10 Sekunden war Agfa platt

15 000 zuschauer verfolgten die Sprengung des Agfa-Hochhauses an der Tegernseer Landstraße/Grünwalder Straße.
+
15 000 zuschauer verfolgten die Sprengung des Agfa-Hochhauses an der Tegernseer Landstraße/Grünwalder Straße.

Mit einen Knall war’s gestern Mittag plötzlich dunkel in Obergiesing – und das Agfa-Hochhaus Geschichte. Endgültig.

Eine gewaltige Staubwolke schob sich vor die Sonne – genau um 12.05 Uhr. Sekunden zuvor hatte Sprengmeister Edi Reisch (46) das Hochhaus an der Tegernseer Landstraße gesprengt. Mit einer eleganten Drehung kippte der 50 Jahre alte Riese in ein Fallbett. 15 000 Schaulustige an den Sperrgittern, auf Hausdächern und Balkonen klatschten Beifall.

Ein langer Ton, danach zwei kurze Töne – das Signal für die Sprengung. Doch vier, fünf Minuten tut sich nichts – das Agfa-Hochhaus steht wie eine Eins. „Da stimmt was nicht, da läuft was schief“, raunen die Zuschauer. Sie alle haben ihre Kameras und Handys bereits gezückt, die Finger auf dem Auflöser.

Gespannte Stille, nur der kreisende Polizeihubschrauber rattert. Dann, um fünf nach zwölf, ein Knall. Das Agfa-Hochhaus sackt weg von der Tegernseer Landstraße. Mit einem dumpfen Krachen stürzt der Riese aus Stahl und Beton wie in Zeitlupe in sich zusammen. 125 Kilo Sprengstoff zwingen den Koloss in die Knie.

Der Einsturz wird deutschlandweit live im Fernsehen gezeigt. Eine gigantische Staubwolke quillt hervor, schießt mehr als hundert Meter in den Himmel. Es ist dunkel rund um das ehemalige Agfa-Werksgelände in Obergiesing.

Fünf Minuten später hat der Wind die Wolke wieder vertrieben. Er gibt die Stelle frei, an der kurz zuvor das Agfa- Hochhaus stand. Zu sehen ist – ein Trümmerhaufen. 15 000 Tonnen Stahl und Beton türmen sich zu einem riesigen Berg auf. Zur gleichen Zeit steigen hunderte blaue Luftballons in den wolkenlosen Winterhimmel. Es ist das Zeichen: Alles gut gelaufen! Die spektakulärste Sprengung Münchens ist geschafft.

„Die Aktion ist absolut nach Plan gelaufen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Schon um neun Uhr waren die ersten Zuschauer gekommen und hatten sich außerhalb der 200-Meter-Sicherheitszone die besten Plätze gesichert. Rund um das Agfa- Gelände stellten sie Leitern und Stühle auf, um eine noch bessere Sicht auf den Turm zu haben. Familien mit Kinderwagen kämpften sich ihren Weg durch die Massen.

Der große Ansturm begann gegen halb elf, um kurz vor zwölf war die Tegernseer Landstraße dicht. „Ich hab die Sprengung nicht gesehen, weil ich zu weit weg war“, sagt der Postangestellte Frank Gerick (41). Die ganze Woche hatte er sich auf das Spektakel gefreut – jetzt filmt er die Trümmer. „Damit ich wenigstens irgend etwas hab.“

Für die Sprengung waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Etwa 400 Wohnungen, die innerhalb der Sperrzone liegen, wurden von der Polizei und der Feuerwehr evakuiert. Hunderte Bewohner mussten am Vormittag ihre vier Wände verlassen. „Diese Maßnahme lief planmäßig“, sagte Feuerwehrsprecher Karl Pieterek. Ab 11 Uhr sperrte die Polizei schließlich den Mittleren Ring zwischen Candidplatz und Chiemgaustraße. Gegen 12.30 Uhr hob die Polizei die Sperren für die Schaulustigen auf. Hunderte Zuschauer marschierten los, um sich den Trümmerhaufen aus der Nähe anzusehen. Gleichzeitig säuberten Kehrmaschinen die Tegernseer Landstraße von Staub und Dreck. Um 12.50 Uhr gaben die Einsatzkräfte den Mittleren Ring für die Autofahrer wieder frei.

Das Agfa-Werksgelände ist Geschichte. Der Name Agfa bleibt den Giesingern aber erhalten. In den kommenden zwei Jahren ensteht dort ein neues Viertel mit Wohnungen, Büro-und Gewerbeflächen – der Agfa- Park.

STEFANIE KONLE, JACOB MELL

Die größte Sprengung in der Geschichte Münchens

Die größte Sprengung in der Geschichte Münchens

Quelle: tz

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Kommentare

Kommentar verfassen