Interview zur Online-Verwaltung

IT-Experte der Stadt: „Wenn ein Mülleimer umfällt, ist das komplex“

Peter Onderscheka verantwortet die IT-Strategie der Stadt. fkn

München - München soll die Hauptstadt der Online-Verwaltung werden. So wollen es die Grünen. Doch was tut die Stadt beim Thema digitaler Bürgerservice? Ein Interview mit dem IT-Strategen.

Was tut die Stadt beim Thema digitaler Bürgerservice? Peter Onderscheka verantwortet die IT-Strategie der Stadt.

Laut McKinsey ist München ziemlich abgeschlagen bei seinen Online-Services.

Peter Onderscheka: Andere Studien sagen, dass München ziemlich gut ist. Unser Online-Angebot ist riesig. Das Problem ist, dass wir viele Services intensiver bewerben müssen. Dazu wurde jetzt eine neue Stelle geschaffen. Bei der letzten Bürgerbefragung war das Fazit, dass viele unsere Angebote nicht kennen.

Klickt man auf www.muenchen.de einzelne Lebensbereiche an – Geburt, Familie, Todesfall –, ist das oft nicht übersichtlich.

Peter Onderscheka verantwortet die IT-Strategie der Stadt. fkn

Onderscheka: Die meisten Bürger gehen nicht direkt auf die Website, sondern suchen mit Google. Daraufhin ist unser Dienstleistungsfinder optimiert, und so werden Angebote gut gefunden. Wir haben 750 Online-Angebote, viele mit Formularen zum Herunterladen – aber auch Angebote, die nicht zur klassischen Verwaltung gehören. Man kann online etwa den Bibliotheksausweis verlängern oder den Familienpass bestellen. Letzteres nutzen mehr als 2000 Leute.

Warum werden wenige klassische Prozesse online abgewickelt? Konkret: Warum kann ich keinen Personalausweis beantragen?

Onderscheka: Bestimmte Dienstleistungen sind online nicht möglich. Oft muss man seine Identität vor Ort belegen. Aber wir versuchen, das Drumrum angenehmer zu machen: dass Sie Termine online vereinbaren können und informiert werden, wenn Ihr Perso abholbereit ist.

Warum klappt das mit dem Terminvereinbaren beim KVR noch nicht?

Onderscheka: Bei Kfz und Führerschein gibt es das bereits. In anderen Bereichen, etwa der Ausländerbehörde, führen wir gerade testweise ein System ein. Es gibt noch Probleme für die Verwaltung: Was, wenn Bürger einen Termin reservieren, diesen aber nicht wahrnehmen? Jede Kommune experimentiert mit Angeboten. Im Fundbüro kann man online eine Verlustanzeige aufgeben – dass das so boomt, hätten wir nicht gedacht. Aber sicher ist man in anderen Ländern noch experimentierfreudiger.

Die jüngsten Gesetze im Bund und in Bayern ermöglichen und fordern mehr E-Government – etwa, den neuen Perso als Ersatz für eine Unterschrift einzusetzen.

Onderscheka: Dazu brauchen Sie ein Lesegerät. Ingolstadt ist besonders erfolgreich, weil man dort bereits bei der Beantragung des Ausweises intensiv über neue Nutzungsmöglichkeiten informiert – und nun haben sehr viele Bürger ein solches Gerät.

Warum gibt es die App „Fixmystreet“ nicht, mit der man etwa Schlaglöcher melden kann?

Onderscheka: Sie können defekte Straßenlaternen oder Spielgeräte bereits online melden. Wenn in einer Millionenstadt wie München ein Mülleimer umfällt, ist das in der Verwaltung komplex: Je nachdem, wo der Eimer umgefallen ist – im Wartehäuschen, auf dem Bürgersteig, in der Grünanlage –, sind verschiedene Stellen zuständig. Wenn ein Bürger das meldet, wer kümmert sich darum? An ein solches Verfahren sind viele Dienststellen anzubinden, um das sauber zu bearbeiten, so dass der Bürger ein schnelles Feedback erhält und sein Problem gelöst wird.

Ist es schwer, die Verwaltung mitzunehmen?

Onderscheka: E-Government muss so funktionieren, dass es manuelle Verwaltungsprozesse ablöst und nicht noch zusätzliche Aufgaben bringt.

Sind die Bürger nicht auch skeptisch, ihre Daten herzugeben?

Onderscheka: Umfragen zeigen, dass Bürger ein hohes Vertrauen in den Umgang der öffentlichen Verwaltung mit persönlichen Daten haben. Uns ist der ordentliche Umgang mit den anvertrauten Daten sehr wichtig.

Lesen Sie hier die KVR-Pläne für digitalen Bürgerservice.

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