Maibockanstich: Asül liest Politikern die Leviten

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Django Asül nahm in seiner Rede kein Blatt vor den Mund.

München - Beim jährlichen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus nimmt sich Kabarettist Django Asül in seiner Rede die Politiker im Freistaat vor. Von CSU-Chef Seehofer gibt es dafür sogar lobende Worte.

Diese Niederbayern! Dass die ein ganz besonders loses Mundwerk haben, ist ja bekannt. Erst im März hat Kabarettistin Luise Kinseher, geboren in der Nähe von Straubing, den Politikern auf dem Nockherberg die Meinung gegeigt. Am Mittwoch zog ihr niederbayerischer Kollege Django Asül beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus am Platzl vom Leder – nicht ganz so derb, aber mit ebenso viel Wumms!

Politiker bekommen beim Maibockanstich ihr Fett weg

Prost die Herren! Politiker bekommen beim Maibockanstich ihr Fett weg

Gleich zu Beginn ein Seitenhieb gegen Ex-Finanzminister Fahrenschon: „Warum hat der Georg seinen Arbeitsplatz gewechselt? Im Klartext bedeutetet das: Arbeit halbieren, Gehalt verfünffachen.“ Upps! Darauf erst mal einen Schluck Starkbier. Das erste Fass hatten Hofbräu-Chef Michael Möller und Finanzminister Markus Söder (CSU) angezapft, der mit der staatlichen Brauerei Gastgeber war. Der freute sich über die neue Aufgabe: „Endlich kann ich dem Ministerpräsidenten ungestraft eine einschenken.“

Horst Seehofer (CSU) war zum zweiten Mal da, im Gefolge fast das gesamte Kabinett. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU), Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) – Django Asül watschte sie alle ab. Zu spotten gab’s schließlich genug. Zum Skandal um Müller-Brot: „Damals war ja der Söder noch Gesundheitsminister. Jetzt versuchen einige, ihm einen Strick draus zu drehen. Der Vorwurf lautet: Söder wusste Bescheid. Falsch! Er wurde informiert.“

Zum ersten Mal überhaupt war OB Christian Ude dabei, der natürlich auch sein Fett weg bekam. „Stichwort zweite Stammstrecke. Auch genannt Transrapid für Arme. Der Ude hat gesagt: Die Stadt ist nicht zuständig. Ich bin doch nicht blöd und finanziere dem Seehofer seinen Wahlkampf vor.“

Auch die Bundespolitik bekam eins auf den Deckel: „Die Personaldecke der FDP ist halt schon arg dünn. Der Westerwelle fliegt dauernd als Scherzartikel um den Globus. Und den Rösler halten die meisten noch immer für einen chinesischen Pharmareferenten.“ Phu! Während der 35-minütigen Rede dürfte es einigen Anwesenden ziemlich heiß geworden sein – und das lag nicht nur an den gefühlten 35 Grad im großen Festsaal. Klimaanlage? Fehlanzeige.

Django Asül derbleckte wieder scharf und mit spitzer Zunge, blieb aber trotzdem immer über der Gürtellinie. Der Mix kam an: „Django Asül wird auch die nächsten Jahre engagiert“, lobte Finanzminister Söder. Der kleine Bruder vom Nockherberg wächst und wächst – und München freut sich mittlerweile über zwei große Starkbierbühnen!

Neugierig geworden? Der BR wiederholt den Maibock-Anstich am Samstag, 5. Mai, um 15 Uhr.

Christina Schmelzer, Christina Lewinsky

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