US-Amerikanerin erkrankte an Blutkrebs

Hier trifft Katy ihren Lebensretter aus Bayern

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Trafen sich Montag zum ersten Mal persönlich: Katy Chaney (21) aus Texas und ihr Retter Horst Lippert (53) aus Aschaffenburg.

München - Im Alter von viereinhalb Jahren erkrankte Katy an Blutkrebs. Eine Stammzellentransplantation war die letzte Hoffnung. Am Montag traf Katy endlich ihren Lebensretter aus Bayern.

Katy ist sichtlich nervös. Ja, jahrelang hat die 21-Jährige auf genau diesen Moment gewartet: Endlich darf sie ihren Lebensretter treffen. Als sie den Mann am Ende des Raumes erblickt, läuft sie auf ihn zu – und fällt ihm in die Arme: „Danke“ flüstert sie immer wieder auf Englisch. Ihr zierlicher Körper zittert. Tröstend streicht ihr der Mann über den Kopf. „Gerne“, sagt er leise.

Es waren bewegende Szenen, die sich Montagmittag in einem Münchner Hotel abspielten. Im Mittelpunkt: Katy Chaney, ein amerikanisches Mädchen, das immer nur den Wunsch hatte, wieder gesund zu sein. Schon im Alter von viereinhalb Jahren erkrankte sie an Blutkrebs. „Da bekam ich Bestrahlungen, starke Medikamente“, erinnert sie sich. Ihre Mutter verspricht dem kleinen Mädchen damals immer eine Barbie-Puppe als Belohnung, wenn sie die Strapazen tapfer erträgt. Schon bald ist Katys Zimmer voller Barbies. „Oft ging es mir so schlecht, dass ich gar nicht mehr aus dem Bett herauskam.“ Irgendwann ist die Krankheit soweit fortgeschritten, dass nur noch eine Stammzellentransplantation ihr Leben retten kann. „Das war im Jahre 2003“, erzählt sie. „Ein Schock.“ Besonders da sich zuerst niemand findet, der als Spender in Frage kommt. Erst als die Daten im weltweiten DKMS-Verzeichnis überprüft werden, gibt es einen Treffer. Es war der Mann, dem Katy nun in den Armen lag: Horst Lippert aus Aschaffenburg.

Der ließ sich schon im Jahre 1998 typisieren. „Damals gab es eine Aktion für einen kleinen Buben in meiner Heimatstadt“, erzählt der heute 53-jährige Familienvater. „Unsere ganze Firma ist an diesem Tag zur Blutabnahme gegangen.“

Katy nahm per E-Mail Kontakt zu ihrem Lebensretter auf

Wie fühlt es sich an, einem Menschen gegenüberzustehen, dem man das Leben gerettet hat? „Wunderbar! Katy ist ein Teil von mir. Man denkt oft aneinander.“ Vor ein paar Monaten hatte die Amerikanerin per E-Mail Kontakt zu dem Bayern aufgenommen – ganz förmlich: „Sie hat ‚Lieber Herr Lippert‘ geschrieben und mir erklärt, dass sie das Mädchen sei, das durch meine Stammzellen weiterleben kann.“ Zur Erklärung: Erst nach mehreren Jahren ist es Empfängern erlaubt, mit ihren Lebensrettern Kontakt aufzunehmen.

Die DKMS arrangierte nun, dass sich die zwei zum ersten Mal persönlich treffen – in München. „Ich lebe wegen Horst. Diese Reise wollte ich unbedingt machen“, sagt Katy, die gerade ihr Jurastudium abgeschlossen hat. In der Stadt will sie nun mit ihrem Retter schön essen gehen. „Ich liebe die bayerische Küche, die Gebäude, die Architektur. Das alles hier – es ist wie ein Traum. Ich bin dankbar für jede Minute.“ 

Stichwort: Blutkrebs

Etwa 14 000 Menschen ­erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Leukämie. Heißt: In ihrem Körper vermehren sich entartete weiße Blutkörperchen (Leukozyten) unkontrolliert. Oft kann nur eine Stammzellenspende das Leben des Erkrankten retten. Die DKMS-Datei potenzieller Knochenmark- und Stammzellspender enthält weltweit gut fünf Millionen Personen. Bei einer ­Typisierung wird übrigens nur Blut abgenommen.

Armin Geier

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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