Ehrliches Buch über Wirtshaus-Wahnsinn

9 Momente, die eine Münchner Kellnerin fertig machen

München - Eine Kellnerin in einem Münchner Wirtshaus hat aufgeschrieben, welche Situationen sie innerlich ausflippen lassen. Manche Gäste werden sich vermutlich ein bisschen schlecht fühlen.

Unter dem Pseudonym Sophie Seidel hat eine Kellnerin in einem Sachbuch all die Unverschämtheiten und Absurditäten verarbeitet, die sie in einem Münchner Wirtshaus erlebt hat. Das Buch trägt den Titel „Are you finished? No, we are from Norway – Eine Kellnerin am Rande des Wahnsinns“. Wer es richtig interpretiert, liest darin auch eine Anleitung, ein besserer Gast zu werden. Denn die folgenden neun Situationen, die Seidel in ihrem Buch beschreibt, sind so verrückt, dass sie wohl niemand wiederholen mag:

Situation 1: "Das Wirtshaus ist uns nicht italienisch genug."

Die Autorin, die unter dem Pseudonym Sophie Seidel schreibt.

Zweimal schickt ein Pärchen die Kellnerin fort, weil es sich noch nicht entschieden hat, was es essen möchte. Beim dritten Mal klappen Er und Sie die Speisekarte zu, und die Frau sagt, dass sie doch nichts zu essen bestellen wollen. Der Grund: "Offen gesagt, ist es uns nicht italienisch genug." Seidel schreibt: "Darauf fällt mir nichts mehr ein. Das Lokal heißt Zum Bräufassl (Anmerkung: Das ist nicht der richtige Name des Münchner Wirtshauses, in dem Seidel gearbeitet hat), das Personal trägt Tracht und an den Wänden hängen Hirschgeweihe." Das Paar gibt sich aber großzügig, indem es sagt: "Wir können bleiben, wenn der Koch uns eine Lasagne macht." Als die Kellnerin ihren Gästen sagt, dass das nicht möglich sei, reagiert der Mann beleidigt: "Schade, aber der Gast ist ja längst nicht mehr König in diesem Land." Eine Kollegin von Seidel kommentiert nachher: "Das Königs-Gequatsche kommt meistens von Leuten, die sich wie Grattler benehmen."

Situation 2: Wir sind hier nicht bei Chefkoch.de.

Die nächste Situation beginnt harmlos. Ein Gast lobt das Essen, das ihm "ausgezeichnet" geschmeckt hat, und fragt die Kellnerin, ob ihm der Koch das Rezept aufschreibt. Die Bedienung lächelt, glaubt, er macht Spaß, und räumt den Tisch ab. Doch der Gast wiederholt hartnäckig seine Frage. Er hat also noch nie was von Küchengeheimnis gehört. Seidel entschuldigt sich und sagt "so etwas geht nicht". Der Mann meint patzig: "Wo ist denn das Problem, dass er sich kurz an den Computer setzt und mir das Rezept aufschreibt?" Beleidigt schüttelt er den Kopf und zischt ein unfreundliches "Tsss".

Situation 3: "Eine Tasse heißes Wasser, bitte."

Es gibt komplizierte Bestellungen. Es gibt unkomplizierte Bestellungen. Und es gibt seltsame Bestellungen wie diese: Ein Mann bestellt eine Tasse heißes Wasser, seinen Teebeutel habe er dabei. Weil die Kellnerin ihn verdutzt anschaut, holt er den Beutel zum Beweis aus seiner Hosentasche. Die Kellnerin erklärt ihm höflich, dass er dennoch den vollen Preis für das Wasser aus der Kaffee- und Teezubereitungsmaschine zahlen müsse. Der Kunde hat eine andere Idee: "Dann bringen Sie mir in einer Tasse heißes Wasser aus dem Wasserhahn." Übrigens ist es derselbe Herr, der später "ein Stück Brot" bestellt. Als die Bedienung ihn fragt, ob er dazu ein Brotzeitbrettl, Obatzter oder Wurstsalat wünscht, antwortet er genügsam: "Nein, nur ein Stück Brot bitte."

Situation 4: "Ich hätte gerne ein großes Glas Leitungswasser. Mit Zitrone."

Wir bleiben beim Thema Wasser. Kunden lieben es, Leitungswasser zu bestellen, um Geld zu sparen. Am liebsten ein großes Glas oder gleich eine Karaffe und wenn's geht, noch mit einer Scheibe Zitrone drin. Wenn Seidel den Kunden alternativ eine Flasche stilles Wasser von der Getränkekarte anbietet, wenden sie sich gespielt angeekelt ab. Das sei doch widerlich.

Situation 5: Kunden und ihre unhöfliche Art des Humors

Wortlos streckt ein Kunde der Bedienung ein leeres Bierglas entgegen. Seidel fragt: "Ein Helles?" Der Mann antwortet sarkastisch: "Nee, ich bin die Freiheitsstatue." Wie reizend von ihm.

Situation 6: Kunden, die ihre Wünsche schwer in Worte fassen können 

Eine Kundin gibt ihre Bestellung auf: "Ich hätte gerne den Sauerbraten, aber ohne Fleisch, dafür mit Schwammerlsoße." Das irritiert die Bedienung und sie sagt: "Da bleibt dann der Semmelknödel, also möchten Sie Rahmschwammerl mit Semmelknödel?" Die Dame nickt. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?

Situation 7: Kunden, die nicht wissen, was sie essen dürfen

Autorin Sophie Seidel nennt eine bestimmte Gruppe von Kunden die Zeitfresser. Es sind diese zeitraubenden Fragen: "Ich bin Allergiker. Was darf ich essen?", "Ich habe es seit Tagen mit dem Magen. Was darf ich essen?" oder "Ich habe gerade eine Operation hinter mir. Was kann ich essen?" Liebe Kunden, woher sollen Kellner das wissen?

Situation 8: Gäste, die gekommen sind, um auch nach Feierabend zu bleiben

Es gibt Kunden, denen ist es so was von egal, dass das Wirtshaus offiziell schon geschlossen hat. Als die Kellnerin zum gefühlt hundertsten Mal zu dem Tisch geht und daran erinnert, dass das Lokal um Mitternacht schließt und es jetzt schon fast ein Uhr morgens ist, sagt ein Gast pampig: "Das kann man aber auch freundlicher sagen." Ein anderer Kunde nennt die Bemerkung der Bedienung eine "Unverschämtheit" und droht an, sich beim Chef über die Kellnerin zu beschweren.

Situation 9: "Bitte föhnen Sie meinen nassen Mantel."

Eine Kundin hatte den Nerv zu fragen, ob die Kellnerin ihr wohl den nassen Mantel trocken föhnen würde. Sonst noch Wünsche? Vielleicht noch ein Paar Pantoffeln und eine Wärmflasche?

 

Das Taschenbuch "Are you finished? No, we are from Norway – Eine Kellnerin am Rande des Wahnsinns“ von Sophie Seidel ist im Blanvalet-Verlag erschienen, ist 272 Seiten lang und kostet 8,99 Euro.

sah

Rubriklistenbild: © Symbolbild dpa

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