Medizinerin schlägt Alarm

Notstand in Milbertshofen: Zwei Ärzte für 11.000 Patienten

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So kann es nicht weitergehen: Kinderärztin Heinemann schlägt Alarm.

München - Es läuft einiges schief in den Münchner Kliniken. Viele Ärzte sind mit der Vielzahl der Patienten schlichtweg überfordert. Das soll sich schleunigst ändern.

Es krankt im Münchner Norden, denn dort fehlt es an Kinderärzten. Der Bezirksausschuss Milbertshofen reagiert, fordert eine neue Planung. Ein Problem, das nicht nur im Norden aktuell ist. Denn eine Münchner Kinderärztin schlägt Alarm, generell seien kleine Patienten in der Stadt unterversorgt!

Wenn Pusten beim Aua nicht mehr reicht, muss der Arzt ran - im Münchner Norden gestaltet sich das zunehmend schwieriger. Laut CSU Milbertshofen gibt es in dem elften Stadtbezirk gerade mal noch zwei Kinderärzte, aber mehr als 11.000 Kinder. Gravierend! Selbst die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns empfiehlt immerhin einen Doktor für maximal 3859 Kinder.

Grund für die Unterversorgung: Die Ärztedichte wird großflächig bemessen, über die Grenzen der Bezirke. Das hat zur Folge, dass sich im Zentrum die Praxen ballen, an den Stadträndern aber deutlich weniger werden.

Aktuell wird jeder Stadtbezirk einzeln betrachtet

Der BA will daher, dass jeder Stadtbezirk künftig einzeln betrachtet wird. Langfristig sollen die Ärzte gleichmäßig verteilt werden.

Das Problem der Unterversorgung hat der Norden nicht exklusiv: Denn insgesamt gibt es zu wenig Betten in Kinderkliniken! Nach dem Fall Alma klagt Anna Margarete Heinemann (58), Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie leitet seit 1997 eine Praxis an der Montgelasstraße in Bogenhausen. Und regelmäßig muss sie Kinder in eine Klinik überweisen. Doch jedes Mal, dreht sich ihr dabei der Magen um: Stundenlang telefonieren, die Eltern vertrösten, die anderen Patienten warten lassen.

Besonders im Winter sind Kliniken überfordert

Vor allem im Winter ein Problem. "Da haben viele Kinder mit Lungenentzündungen, Durchfall, Krampf- und Fieberanfällen oder Hirnhautentzündungen zu kämpfen", sagt die Medizinerin. Gerade dann sind viele Krankenhäuser überfordert und nehmen laut Heinemann nur die allerschlimmsten Fälle an: "Da muss ein Kind im Winter oft bis zu sechs Stunden auf die Behandlung warten. Das kann einfach nicht sein!" Es fehle an vernünftiger Organisation und Kommunikation zwischen den Krankenhäusern.

Hans Theiss, Gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, sieht das anders: "Die Notfallversorgung ist in allen Bereichen abgedeckt und jederzeit gewährleistet." Immer mal wieder komme es bei hohem Andrang zu Engpässen in der Notaufnahme. Doch: "Das liegt aber auch daran, dass einige Patienten kommen, obwohl sie gar kein Notfall sind."

Heinemann: "Meistens geht ja alles gut aber irgendwann wird der Punkt kommen an dem nicht mehr alles gut geht." Und das möchte wohl niemand!

S. Karowski, K. Bittel

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