Prozess

Klinikchef über mörderische Hebamme: "Ein Schock!"

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Prof. Dr. Klaus Friese.

München - Es war wie im Krimi, wir kamen uns vor wie in einem schlechten Film.“ Mit diesen Worten reagierte Professor Klaus Friese (67), als Regina K. (34) vor zwei Jahren in der Großhaderner Frauenklinik verhaftet wurde.

Der Vorwurf gegen sie: siebenfacher Mordversuch. Friese war damals Klinikchef, Regina K. angestellte Hebamme. Am Dienstag sahen sie sich vor Gericht wieder.

„Sie war sehr introvertiert, immer freundlich lächelnd“, erinnert sich Friese. „Ihre Verhaftung war für uns ein Schock.“ Das Klinikum Bad Soden (Hessen), wo Regina K. zuvor angestellt war, hatte Friese noch vor der Hebamme gewarnt – per Brief, im August 2012. Der Inhalt: Bei Patientinnen von Regina K. sei es zu schweren Komplikationen gekommen, da sie „eigenständige unverantwortliche Entscheidungen“ getroffen habe. Die Klinik hatte deshalb auch den Amtsarzt eingeschaltet. Durch den Wechsel nach Großhadern habe sich Regina K. aber dessen Kontrolle entziehen wollen – was Friese wusste. „Mein Stellvertreter hat mir ihr ein ausführliches Gespräch geführt. Wir sagten ihr auch, dass sie überwacht wird“, erinnert sich Friese, der die Hebamme zu diesem Zeitpunkt nicht entlassen konnte, weil sie gerade die Probezeit bestanden hatte.

An der Klinik in Großhadern rumorte es da längst: Über ein Berufsnetzwerk hatten andere Münchner Hebammen von den schweren Vorwürfen gegen ihre neue Kollegin erfahren. „Sie wurden unruhig“, erinnert sich Friese. Als Monate später auch Patientinnen in Großhadern schwere Blutungen erlitten, fiel der Verdacht schnell auf Regina K. „Sie gab ein Medikament zehnfach erhöht. Das war keine Dosis mehr, das war ein richtiger Schuss. Es war klar, dass nur diese Hebamme das gemacht haben konnte“, so Friese. K. bestreitet über ihre Anwälte die Taten.

Das Muster soll früheren Fällen aus Bad Soden geglichen haben. „Warum diese nicht sofort angezeigt wurde, kann ich bis heute nicht verstehen“, sagt Friese. Dazu kommt: Nach einem gewonnenen Prozess vor dem Arbeitsgericht verließ Regina K. die hessische Klinik, die ihr ein gutes Arbeitszeugnis ausstellte – und bewarb sich damit in Großhadern, wo sie weitere vier Frauen mit Blutverdünner zu töten versucht haben soll. Den Ernst der Lage hatte Friese sofort erkannt: „Wenn wir die Patientinnen nicht so gut überwacht hätten, hätten sie wohl nicht überlebt.“

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