Schiff verpasst und auf gefährlichem Steig gelandet

Hilferuf von Münchner Familie am Königssee - Retter berichtet

+
Links: Retter Franz Kurz. Rechts: Die Familie machte mit Lichtzeichen auf sich aufmerksam (zusätzliches Licht vom Suchscheinwerfer).

München - Eine Münchner Familie mit kleinen Kindern verpasst am Königssee das letzte Schiff - und macht sich zu Fuß auf den Weg über einen gefährlichen Steig. Einer der Retter berichtet.

"Das war ganz schön gefährlich, was die Familie gemacht hat“, sagt Franz Kurz (63) im Nachhinein über seinen Einsatz vom Dienstagabend. Der technische Leiter der Wasserwacht Berchtesgaden war gegen 20.30 Uhr mit seinem Team zum Königssee ausgerückt. 

Ein Münchner Paar mit vierjähriger Tochter und zweijährigem Sohn hatte nach einer Wanderung das letzte Schiff am Ostufer (Anlegestelle Kessel) verpasst. Die Familie versuchte, über einen ehemaligen Viehtrittsteig zur sogenannten Seelände zu gelangen. 

Das ist die Hauptabfahrtsstelle für Schiffe am Königssee - und etwa vier Kilometer entfernt. Einen normalen Fußweg am See gibt es nicht. Der Viehtrittsteig sei sehr gefährlich und werde nur von wenigen ortskundigen Einheimischen genutzt, so Kurz. 

Ein Schild weise darauf hin, nicht auf den Steig zu gehen: „Dort hat es auch schon tödliche Unfälle gegeben!“

Die Familie habe gedacht, das letzte Schiff fahre um 17.30 Uhr - und sich damit um eine Stunde vertan. Einen Wanderweg zurückzugehen, sei keine Alternative gewesen: „Die Familie wäre in der Pampa gelandet.“ 

Die Münchner hätten beim Schifffahrtsunternehmen anrufen sollen, so Kurz: „Die machen in so einem Notfall eine Sonderfahrt - und holen die Gestrandeten kostenpflichtig ab.“ 

Die Familie verpasste ihr Schiff bei der Anlegestelle Kessel und ging zu Fuß etwa zwei Kilometer über einen gefährlichen Steig - bis sie den Notruf absetzte.

Doch die Familie entschied sich, den Steig zu gehen. Fast drei Stunden lang waren sie schon unterwegs und etwa zwei Kilometer weit gekommen, als sie sich in der Dunkelheit nicht mehr weitertrauten und per Handy einen Notruf absetzten. 

Franz Kurz kam mit einem Rettungsboot an die Stelle. „Die Familie machte mit einem Handylicht auf sich aufmerksam“, erzählt er. Die Gestrandeten seien wahnsinnig erleichtert über die Rettung gewesen - und hätten sich sehr bei den Rettungskräften -bedankt. 

Bezahlen werden sie den Einsatz trotzdem müssen. Grund: Es lag kein medizinischer Notfall vor, niemand war verletzt oder akut erkrankt. 

Es ist übrigens nicht die erste Rettungsaktion für die Wasserwachtler an dieser Ecke des Sees. Franz Kurz sagt: „Das gab es die letzten Jahre immer zwei bis fünf Mal jährlich.“ 

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare