Zu den Trauerfeiern für die Amoklauf-Opfer

Kommentar: Der Glaube an die Menschlichkeit

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Uli Heichele.

München - Uli Heichele, stellvertretender Lokalchef der tz, kommentiert die Trauerfeiern für die Amokopfer von München und stellt fest: "Das war ein gutes Zeichen."

Brauchen wir sie noch, die alten Riten? Brauchen wir sie, die großen öffentlichen Veranstaltungen? Man kann das sicher nicht allgemeingültig sagen – aber wer Sonntag Nachmittag und Sonntag Abend miterlebt hat, wie die Stadt um die Opfer des Amoklaufs trauert, der kann eigentlich nur sagen: Ja, das war ein gutes Zeichen. Und dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck gekommen sind, hat sogar mehr als eine bloß symbolische Bedeutung. Es ist Ausdruck jener Stimmung, die sich jetzt durch die Stadt und die ganze Republik zieht: Das ist wichtig! Das Andenken an die Opfer ist wichtig. Das Zusammenstehen gegen die Gewalt ist wichtig. Und vor allem: Der Glaube daran, mit Menschlichkeit die Welt verbessern zu können, ist wichtig. Die Anwesenheit der beiden höchsten Politiker des Landes zeigt: Ja, diese Themen müssen wir mit aller Kraft angehen. Das muss übrigens nicht zwingend auf den Wegen geschehen, die die Religionsgemeinschaften anbieten – wie eben etwa bei dem Gottesdienst gestern Nachmittag. Auch (und gerade) in Zeiten von Smartphones und Großstadt-Anonymität gilt: Jeder Einzelne von uns kann jeden Tag etwas dafür tun, das Leben besser zu machen – und zwar für alle. Das soll jetzt keine Predigt werden und kein John-Lennon-Imagine. Es soll einfach nur ein kleiner Gedankenanstoß sein. Wenn jeder von uns aufmerksam ist für das, was seine Familie, seine Freunde, seine Nachbarn, seine Mitschüler und seine Kollegen bewegt, bedrückt oder traurig macht … Und wenn er dann nicht wegschaut, sondern Hilfe oder zumindest ein liebes Wort gibt … Vielleicht kann das dafür sorgen, dass aus einem frustrierten Jugendlichen kein Amokläufer wird, sondern ein reifer und starker Mann. Wenn der gestrige Abend ein Impuls in diese Richtung war, dann war es ein guter Abend.

Uli Heichele

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