Laternenfest statt Martinsumzug

Kommentar: Lasst den Kindern ihre Helden!

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tz-Redakteurin Nina Bautz. 

Manche Kindergärten und Kitas streichen St. Martin aus dem Programm, nennen das Fest stattdessen Laternenfest. tz-Redakteurin Nina Bautz kommentiert. 

Welch ein Drama war das damals, wenn die selbst gebastelte Laterne irgendwann im Laufe des Sankt-Martins-Umzuges vor den eigenen Füßen verbrannte, weil die Kerze darin umkippte. Fast jeder erinnert sich noch an die Laternenumzüge in der Kindheit. Wie stolz wir waren mit unserem Stecken in der Hand, wie wir im Dunkeln singend durch die Straßen stapften. Ehrfürchtig haben wir den Geschichten über den Heiligen Martin gelauscht, der seinen Mantel mit einem armen Mann teilte. Er war ein Held – und der Laternenumzug ein großes Abenteuer. Beides war untrennbar miteinander verbunden. Egal, ob wir aus gläubigen Familien kamen oder nicht. 

Nun nennen einige moderne Kindergärten ihre Umzüge mit Verweis auf die Religionsfreiheit Laternenfest. Sie streichen Lieder, die mit Sankt Martin zu tun haben, aus dem Programm. Das ist schade und unnötig. Damit nehmen die Kitas den Kindern den Zauber des Festes. Und die muslimischen oder jüdischen Kinder stören sich bestimmt nicht daran, ein Martinsspiel anzusehen oder Martinslieder zu singen. 

Kindern ist es egal, welches Ritual zu welcher Religion gehört. Sie glauben an das Christkind, auch wenn sie später vielleicht aus der Kirche austreten. Sie üben für das Hirtenspiel an Heiligabend in der Kirche, auch wenn sie als Erwachsene nie wieder einen Gottesdienst besuchen. Weil die Geschichten, die damit verbunden sind, spannend sind und jedes Fest zu etwas Besonderem machen.

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