Am Hauptbahnhof

Kommentar zum Alkoholverbot: Schnell und richtig gehandelt

+
Johannes Welte.

München - tz-Redakteur Johannes Welte schreibt in seinem tz-Kommentar über das von der Stadt verhängte nächtliche Alkoholverbot rund um den Hauptbahnhof.

So schnell handelt die Stadt selten: Am 10. Oktober berichtete die tz darüber, dass die Anwohner und Geschäftsleute rund um den Hauptbahnhof sich über die Verwahrlosung ihres Viertels beschwerten. Alkohol- und Drogenexzesse, Prostituierte, Bettler und herumlungernde Tagelöhner wurden beklagt. Und jetzt ist es amtlich: Der Hauptbahnhof hat vor allem ein nächtliches Alkoholproblem! Denn die Zahl der nächtlichen Gewaltdelikte hat sich in nur einem Jahr mehr als verdoppelt. Und weit über jede zweite Gewalttat hat etwas mit Alkohol zu tun. Folgerichtig will die Stadt nun den Konsum von Alkohol auf den Straßen und Plätzen rund um den Bahnhof verbieten. Wer sich nicht daran hält, wird des Platzes verwiesen und muss mit einem Bußgeld rechnen. Das ist gut so. 

Doch wie geht es weiter? Zu mehr Videokameras kann sich noch niemand durchringen. Tatsächlich konnten die bestehenden Kameras der Polizei den Anstieg der Delikte nicht verhindern. Die Polizei tut auf der Straße alles, um Drogenhandel und Prostitution einzudämmen. Ob es da noch schwarze Sheriffs braucht, ist fraglich. Die Bahn könnte etwas tun, um ihrerseits das Gelände nicht so schummrig erscheinen zu lassen. Immerhin: Ab kommenden Jahr wird mit dem Bau der 2. Stammstrecke die alte Station Stück für Stück abgerissen und neu gebaut. Bleibt zu erwähnen, dass man Bettler, Prostituierte und Tagelöhner so lange am Bahnhof sehen wird, wie diese Menschen in ihrer Heimat am Balkan keine Lebensgrundlage finden. Über mehr Hilfen für sie redet aber keiner.

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare