Krieg in Nordsyrien

Wiederaufbau in Kobane: Ein Münchner mittendrin

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In der syrischen Stadt Kobane half der Münchner Klaus Dumberger (gelbes T-Shirt) beim Aufbau eines Gesundheitszentrums.

München/Kobane - Der Islamische Staat (IS) hat die Stadt Kobane im Norden Syriens zerstört. Nach der Befreiung aus den Fängen der Terrormiliz helfen jetzt rund 170 Menschen beim Wiederaufbau - darunter auch ein Münchner.

Helfer aus aller Welt stehen an der türkisch-syrischen Grenze und wollen in die Stadt Kobane im Norden Syriens. Sie wollen dort nach der Zerstörung der Stadt durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) ein Gesundheitszentrum errichten. Doch: Die türkische Regierung gewährt ihnen keinen Zutritt. „Sie haben ihre Grenzen dicht gemacht", erzählt Klaus Dumberger (51) aus München. Er und 170 andere Menschen aus aller Welt, die Kobane unterstützen wollen, müssen einen anderen Weg ins Land finden.

Den gibt es zwar, aber er ist um einiges weiter: Über den Weg, den auch Flüchtlinge aus Syrien nehmen, kommen die Helfer ins Land - über den Irak. „Wir hatten Hilfe einiger kurdischer Freunde", sagt Dumberger. Vier Wochen verbrachte der Münchner in der syrischen Grenzstadt. 

Es ist eine Stadt mitten im Kriegsgebiet. Vor gut einem Jahr konnten sich die Bewohner Kobanes aus den Fängen des IS befreien und bauen nun ihre Stadt wieder auf. ICOR, ein internationaler Zusammenschluss kommunistischer Parteien und Organisationen, hat sich zum Ziel gesetzt, dort ein neues Gesundheitszentrum zu errichten. Zerstörte Häuser und Straßen erinnern daran, was hier vor nicht allzu langer Zeit passiert ist.

Helfer wurden bei IS-Angriff evakuiert

„Ich war dort zuvor noch nie", erzählt der 51-Jährige. Auf dem Weg nach Syrien lernten die Helfer, aufgeteilt in verschiedene Brigaden, ein paar Wörter kurdisch. In einem Flüchtlingsheim in der Türkei brachten ihnen Kinder einige Brocken bei. Direkt vorbereiten auf das, was die Helfer in der vom Krieg gezeichneten Stadt erwartete, konnte sich niemand. Nur gedanklich. „Wir mussten uns darauf einstellen, dass wir auf viele Probleme stoßen werden", sagt Dumberger. 

Die gab es zur Genüge. Gleich als die erste Brigade mit rund 25 Helfern im Juni 2015 in Syrien eintraf, meldete sich der IS in der Grenzstadt zurück. Bei einem Angriff der Terrormiliz starben rund 230 Menschen - die Helfer wurden evakuiert. Dass sie aber nach dem Massaker dennoch in Kobane blieben, um das Gesundheitszentrum zu verwirklichen, habe den Kurden vor Ort imponiert „Es entstand eine innige Verbundenheit", sagt Dumberger.

Bauarbeiten unter der heißen syrischen Sonne

Der Münchner selbst erlebte den IS-Angriff nicht mit. Er war Leiter der vierten Gruppe, die im September 2015 nach Syrien reiste. Viele der Helfer hatten sich ihren Jahresurlaub dafür genommen und finanzierten sich die Reise selbst. Gepäck wurde so gering wie möglich gehalten, den Stauraum benötigten sie für gespendete Werkzeuge. Übrige Baumaterialien wurden per Lastwagen ebenfalls über die irakische Grenze nach Kobane geschafft. Auch diese Lieferungen seien von der türkischen Regierung blockiert worden.

Die syrische Sonne erschwerte die Arbeiten auf dem Bau. Bei 40 Grad schufteten die Helfer, die unter anderem aus Frankreich, Russland, Marokko und der Türkei kamen. Dumberger hatte kaum Erfahrung damit, nur in seiner Jugend habe er mal auf dem Bau gearbeitet. „Aber unter Anleitung von Fachleuten können willige Leute dabei gut helfen", weiß er nun aus Erfahrung. Er war dabei nicht der einzige Münchner: Patrick Ziegler, ein Physiker, war ebenfalls in Dumbergers Gruppe. Rund zehn Bayern waren zudem in anderen Gruppen bei dem humanitären Projekt dabei.

Für den Notfall: ein Schutzraum im Keller

Auf 650 Quadratmetern steht das Gesundheitszentrum mittlerweile. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurde das Gebäude der Stadtverwaltung von Kobane übergeben. Die war immer zur Stelle, um den Aufbau zu unterstützen. „Die Stadt hat sich wirklich ein Bein ausgerissen", erzählt Dumberger. Er habe die Menschen vor Ort insgesamt als zäh und mutig erlebt.

Das Zentrum ist nun in Betrieb, vier Ärzte haben dort ihre Praxis. Seit dem Angriff im Juni wurde im Bauplan nachträglich auch ein Schutzraum im Keller errichtet. Für den Notfall. Bis auf Solarzellen auf dem Dach ist das Gebäude fertig. Dabei scheitere es momentan noch an der Finanzierung und der Beschaffung der Solarzellen. „Es ist sehr mühselig. Es gibt in Kobane vieles, aber nicht alles", erklärt der Münchner. Er und die anderen Helfer wurden in Kobane zu Ehrenbürgern ernannt. Irgendwann einmal will Dumerberger dorthin auf jeden Fall zurück. 

Am heutigen Montag, 29. Februar, wird in München ein Dokumentarfilm über den Bau des Gesundheitszentrums in Kobane gezeigt. Im Werkstattkino in der Fraunhoferstraße wird auch Helfer Dumberger sein und sich noch einmal an die Zeit vor Ort zurück erinnern. Los geht's um 19 Uhr.

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