tz erzählt die Geschichten zu den Zahlen

Kriminalstatistik: Das haben die Verbrecher angerichtet

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München - Das Jahr 2015 war für die Münchner Polizei anstrengend. Insgesamt 104.134 Straftaten zählten die Beamten. Die tz erzählt die Geschichten zu den Zahlen.

Es war ein Jahr, das der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä nie mehr vergessen wird. Sicherheitskonferenz, G7-Gipfel, Oktoberfest, Terrorgefahr und der große Flüchtlingsansturm mit allen Folgen (Demos, Unterkünfte, etc.) haben Münchens Polizisten zeitweise an die Belastungsgrenzen gebracht. Und doch gibt es gute Nachrichten: Bei insgesamt 104 134 Straftaten ist die Gewalt- und Straßenkriminalität rückläufig und die Einbruchszahlen sogar gesunken. Die tz erklärt die Brennpunkte und Ziele der Münchner Polizei:

Der Hauptbahnhof und seine Umgebung rückt immer mehr in den Fokus. Neben bekannten Problemen wie Alkohol und Streitereien hat die Polizei Erkenntnisse, dass junge Flüchtlinge als Cannabis-Dealer missbraucht werden, um Schleuser-Schulden abzuarbeiten. Mit allen Mitteln bekämpfen die Beamten zudem Ghetto-Tendenzen.

Entgegen vieler Gerüchte spielen Flüchtlinge in der Kriminalstatistik keine große Rolle. 918 Mal wurden sie bei Diebstählen ertappt. Gewaltkriminalität tragen die Zuwanderer meist untereinander und dann oft in den Unterkünften aus.

Jeder zweite Einbruch bleibt im Versuch stecken

Die Wohnungseinbrüche konnten um 22,3 Prozent auf 1108 Fälle verringert werden. Jeder zweite Einbruch bleibt im Versuch stecken – offensichtlich ein messbarer Erfolg der Prävention und der starken Polizei-Präsenz.

Mit Sorge beobachtet die Polizei, dass sich bei Pegida-Versammlungen ständig polizeibekannte Rechtsextreme einfinden. Und auch für die teils brutalen Angriffe von Gegendemonstranten auch gegen Polizisten zeigte Andrä null Verständnis.

Die Polizei regt die Einrichtung einer Ausnüchterungs-Einrichtung für Betrunkene an. Damit würden Kliniken entlastet, das Personal geschützt und die Opfer sicher überwacht. Das Pilotprojekt in Stuttgart hat sich bewährt.

Lesen Sie, was die Verbrecher im vergangenen Jahr darüber hinaus angerichtet haben.

Betrug

Bruno Schmaus.

Den Enkeltrickbetrügern hat die Polizei den Kampf angesagt. Mit 831 Fällen ereichte diese Masche 2015 den Höchststand. In 20 Fällen waren die Betrüger erfolgreich. Schaden: Genau 621 800 Euro. An klugen Senioren wie Bruno Schmaus scheiterten sie kläglich. Der 67-Jährige ließ sich zum Schein auf das Spielchen ein, informierte die Polizei und sorgte für die Festnahme der Geldbotin.

Mord

Larissa P.

Die Zahl der Mord- und Totschlagsdelikte ist auf 34 (im Vorjahr 29) gestiegen. Acht Menschen überlebten diese Angriffe nicht. Zu ihnen zählte Larissa P. (16, Foto links), die im März 2015 von ihrem psychisch kranken Freund in Unterföhring mit einem Klappmesser erstochen wurde. Adrian S. (25) wurde auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen. Auch Aline Körner überlebte eine Beziehungskrise nicht. Ihr Lebensgefährte steht unter dem Verdacht, die 30-Jährige im Oktober 2015 in der Neuperlacher Wohnung ermordet zu haben. Alines Leiche wurde drei Wochen später im Keller eines Abbruchhauses in Lochhausen gefunden. Michael P. (29) wird bald der Prozess gemacht.

Raubüberfälle

Dietmar Kairies.

560 Münchner gerieten im letzten Jahr unter die Räuber – 18 weniger als im Jahr 2014. Ein Überfall sorgte dabei für Schlagzeilen: Im Juni drang ein maskierter Räuber am frühen Abend in die Büroräume von Alfons Schuhbecks Orlandohaus am Platzl ein. Schichtleiter Dietmar K. (37) wurde mit Waffengewalt gezwungen, das (leere!) Tresor-Schubfach zu öffnen (siehe oben). Mit 560 Euro aus den Abrechnungsunterlagen und einem Handy gelang dem Täter die Flucht.

Körperverletzung

3044 Menschen wurden im letzten Jahr Opfer von schweren bzw. gefährlichen Körperverletzungen. Einer von ihnen war Andreas K. (21, oben), der im März 2015 in einer Disco am Frankfurter Ring einen Streit schlichten wollte und von einer Flasche am Kopf getroffen wurde. Er verlor dabei fast sein rechtes Auge. Insgesamt sind die Gewalttaten auf den Feiermeilen in der Stadt und am Ostbahnhof aber rückläufig.

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