Erst Behandlung in Tschechien bringt Erfolg

Künstliche Befruchtung: Frau streitet mit Kasse um 25.000 Euro

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Ellen P. 

München - Erst eine Behandlung in Tschechien brachte Ellen P. das erhoffte Mutterglück. Die Krankenkasse weigert sich die künstliche Befruchtung und eine gescheiterte Behandlung in München zu zahlen.

Endlich Mama werden! Das war der sehnliche Wunsch von Ellen P. (46, Name geändert). Auf natürlichem Wege hatten sie und ihr Ehemann aber kein Glück. Ellen P. wurde einfach nicht schwanger. Deshalb probierte die Angestellte eine künstliche Befruchtung, die sie in einer Münchner Klinik durchführen ließ. Fünf Versuche zwischen Juni und Dezember 2011 führten aber nicht zum gewünschten Ergebnis. 

Zahlen musste Ellen P. dann trotzdem: insgesamt 12.000 Euro. „Ich war verzweifelt“, sagt sie. Und probierte eine andere Befruchtungs-Variante in Tschechien aus, bei der die Zellen länger kultiviert werden. Diesmal mit Erfolg: Ellen P. bringt gesunde Zwillinge zur Welt. „Das war das Beste, was meinem Leben passieren konnte“, sagt sie. Trotz der Freude blickt sie auf eine schwere Zeit zurück: „Die vielen Versuche waren psychisch sehr belastend.“ 

Und letztlich vielleicht auch zu vermeiden gewesen! So jedenfalls argumentiert die Zwillingsmutter seit gestern vor dem Oberlandesgericht: Dort hatte sie ihre Krankenversicherung verklagt, die die Behandlungskosten nicht übernehmen wollte. Insgesamt geht es um 25 000 Euro. Knapp die Hälfte davon waren die Kosten für die erfolgreiche Schwangerschaft. 

Das will die Versicherung aber nicht zahlen. In ihren Geschäftsbedingungen steht zwar, „der Versicherungsschutz erstreckt sich auf Heilbehandlungen in Europa“ – also auch in Tschechien. Aber: Bei der künstlichen Befruchtung habe es sich angeblich nicht um eine „medizinisch notwendige Heilbehandlung“ gehandelt. Zudem sei die Chance auf den Erfolg der sogenannten Fertilitäts-Behandlung bei weniger als 15 Prozent gelegen. Und: In Deutschland verstoße das Verfahren gegen das Embryonenschutzgesetz. 

Dennoch sei die Versicherung verpflichtet, das Geld zu erstatten, trug Anwalt Gerold Stoll gestern vor, der die Mutter vertritt. In erster Instanz hatte das Landgericht München I aber der Versicherung recht gegeben und zu dem Fall auch einen Gutachter gehört. Der Prozess gestern endete allerdings mit einem Vergleich: Demnach soll die Versicherung 5000 Euro an Ellen P. zahlen, die im Gegenzug ihre Ansprüche fallen lässt. Letztlich ein teures Mutterglück. „Aber ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.“ Drei Wochen hat die Versicherung nun Zeit zu widersprechen. Falls sie das tut, urteilt das OLG am 13. Mai. 

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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