Vater hat Asyl und Arbeit

Diese Familie sucht verzweifelt nach einer Wohnung

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Nawar Jumaa mit seiner Verlobten Schaima sowie den Töchtern Teba (l.) und Julia.

München - Nach einer langen Flucht hat die Familie von Nawar Jumaa endlich Schutz in München gefunden. Der Vater hat hier Arbeit und Asyl - doch die vierköpfige Familie findet keine Wohnung.

Im Irak drohten ihnen Verfolgung, Tod oder Vertreibung. Mittlerweile sind Nawar Mazin Jumaa (29) und seine Familie in Sicherheit – hier in München, am Ende einer langen Flucht. Hier wollen sie sich ein Leben aufbauen, wozu auch eine Wohnung gehören sollte. Aber das ist schwer … Derzeit lebt die Familie mit den zwei Kleinkindern auf 22 Quadratmetern an der Agnes-Bernauer-Straße.

Der Mann erzählt: „Meine Lebensgefährtin steckt noch im Asylverfahren. Es ist schwierig, weil sie aus dem Irak keine Papiere mitnehmen konnte. Deshalb konnten wir noch nicht heiraten.“ Und deshalb können sie als Familie auch keinen Antrag auf eine Sozialwohnung stellen – das könnte nur er allein. Problematisch ist auch: In München gibt es bereits jetzt zu wenig Sozialwohnungen, und durch die vielen Zuwanderer wird sich die Lage wohl weiter zuspitzen: „Ich weiß, dass viele Münchner hier seit Jahren warten. Auch wir müssen uns darauf einstellen, dass es schwierig bleibt.“

"Wir sind den Deutschen sehr dankbar"

Trotzdem ist der Familienvater glücklich, dass er und seine Familie es lebend nach Deutschland geschafft haben. Er kam schon 2007 und holte 2009 seine Verlobte nach. Die Töchter Teba (4) und Julia (1) wurden in Deutschland geboren. „Wir sind den Deutschen sehr dankbar, denn wir haben alles verloren. Im Irak will man unser Volk vernichten“, sagt Nawar.

„Im Nordirak waren wir wohlhabend, meine Familie lebte seit Generationen in einem großen Haus mit einem Garten voller Olivenbäume. Jetzt ist alles zerbombt. Wir konnten nichts mitnehmen außer unsere Kleidung.“ Auch seine Eltern und sein Bruder mussten weg – sie kamen wie Nawar und seine Verlobte mit dem Boot nach Griechenland und dann zu Fuß bis nach München. 15.000 Euro mussten sie an die Schlepper bezahlen – pro Person. Nawar sagt: „Das ist eine Mafia.“ Aber ohne die Schlepper wären sie nun wohl tot, glaubt er: „Meine Oma sagte, dass Christen und Jesiden im Irak um ihr Leben fürchten müssen. Früher dachte ich, das sei Schwarzmalerei, aber jetzt weiß ich: Sie hatte recht.“

"Nawar ist ein fleißiger Mensch"

Jumaa mit seinem Chef Mike Schmieder

Nawar spricht inzwischen gut Deutsch. Er sagt: „Die Hotelküchen waren für mich eine gute Schule …“ Seit drei Jahren ist er fest angestellt bei Mike Schmieder (52). Der betreibt zwei Kantinen im Münchner Norden sowie einen Catering- und Veranstaltungsservice. Von seinen zwölf festangestellten Mitarbeitern sind zwei Flüchtlinge aus dem Irak. Schmieder will Nawar helfen: „Er ist ein außergewöhnlich fleißiger und zuverlässiger Mensch, der sich auch für Drecksarbeit nicht zu schade ist.“ Deshalb tut es ihm sehr leid, dass Nawar und seine Familie kaum Chancen auf eine geförderte Wohnung haben. Wichtig wäre auch ein Kindergartenplatz für die kleine Tochter Teba. „Ich spreche Deutsch mit ihr, damit sie es lernt und sich in Deutschland eine bessere Zukunft aufbauen kann“, sagt Nawar.

Das ist der Weg zur Sozialwohnung

Wer Chancen auf eine Sozialwohnung haben will, muss verschiedene Kriterien erfüllen. Dafür werden Punkte vergeben – bis zu 144. Bei freien Wohnungen werden dann die Suchenden mit den meisten Punkten ­eingeladen. Eine Übersicht:

1. Wichtig ist das Einkommen – wobei unterschiedliche Einkommensgrenzen für verschiedene Miethöhen gelten.

2. Soziale Dringlichkeit – dazu zählen etwa Kinder oder eine Behinderung.

3. Es wird auch berücksichtigt, wie lang sich der Antragsteller schon in München aufhält. Ausländische Wohnungssuchende brauchen zudem ein Aufenthaltsrecht.

4. Den Antrag auf eine Sozialwohnung stellt man im Amt für Wohnen und Migration in der Franziskanerstraße 8.

5. Die Antragsteller müssen Personalausweis oder Pass, Mietvertrag, Einkommensnachweis und eventuell Heiratsurkunde (jeweils in Kopie) abgeben.

Susanne Sasse

Susanne Sasse

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