Unfallursache wohl geklärt

Trauer um die Tram-Tote

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Julia B. wurde nur 15 Jahre alt.

München - Am Mittwochnachmittag passierte an der Landsberger Straße ein tragisches Unglück. Ein 15-jähriges Mädchen wird von der Tram erfasst und getötet. Die Familie trauert um Julia.

Ihr zauberhaftes, stilles Lächeln wird weiterleben in der Erinnerung der vielen Menschen, die dieses Mädchen liebten. Ihre Familie, ihre Freunde, ihre Lehrer und Mitschülerinnen von der Maria-Ward-Schule in Nymphenburg – sie alle haben noch gar nicht begriffen, dass Julia B. (†15) nicht mehr unter ihnen ist.

Am Mittwoch um 16.15 Uhr geriet die bildhübsche Schülerin aus Allach auf der Landsberger Straße unter die Tram (Linie 19). Die Unfallursache ist aus Sicht der Polizei geklärt: Julia hatte Kopfhörer auf den Ohren und darüber noch ihre Kapuze gezogen. Mehrere Zeugen sahen, dass sie auch ihr Handy in der Hand hielt, als sie um 16.15 Uhr auf Höhe ihres Fitnessstudios McFit in der Landsberger Straße 163 bei Rot die Fußgängerampel überquerte. Dabei übersah sie offenbar die stadtauswärts fahrende Tram. Und sie hörte auch nicht das wilde Klingeln, mit dem der Fahrer (51) verzweifelt versuchte, das Unglück noch abzuwenden. Doch er konnte nichts mehr tun. Julia wurde von der rechten Front der Tram erfasst, mehrere Meter mitgeschleift und unter den vorderen Teil der Tram gezogen.

Mädchen erliegt ihren Verletzungen

Ein Heer von Feuerwehrleuten, Rettungsdiensten und Ärzten raste in Minutenschnelle zum Unfallort. Knieend und teilweise auch auf dem Bauch liegend begannen die Ärzte mit der Versorgung des Mädchens, während die Feuerwehrleute mit schwerem Gerät und so schnell wie möglich die Trambahn anhoben. Nach 20 Minuten konnten die Retter das reglose Mädchen unter der Tram herausziehen. Nach einer kurzen Stabilisierung wurde Julia mit Blaulicht in den Schockraum der nächstgelegenen Klinik transportiert. Dort allerdings verschlechterte sich ihr Zustand dramatisch. Am Ende setzte ihr Herzschlag aus. Die Verletzungen waren einfach zu schwer. Noch am gleichen Abend mussten die Ärzte der Familie mitteilen, dass Julia gestorben war.

Auch der schwer geschockte Trambahnfahrer und einige Passanten, die den Unfall aus nächster Nähe mitansehen mussten, wurden von psychologisch geschulten Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams betreut. Die Landsberger Straße blieb bis 19 Uhr gesperrt. Ein Gutachter vermaß die Unfallstelle. Die Feuerwehr hob die Tram wieder zurück ins Gleis. Am Tag danach erinnerte gestern nichts mehr daran, welch Drama sich hier ereignet hat.

Freunde und Familie trauern

Julias große Leidenschaft war der Sport. Vor kurzem erst hatte sie sich bei McFit angemeldet und auf Instagram stolz ihre Fortschritte gepostet. Ihr allererster Post in diesem sozialen Netzwerk war ein mit den Fingern geformtes Herz mit der Botschaft „No hate – kein Hass“. Die Trauer um diese immer fröhliche und sehr beliebte Schülerin ist unendlich. Ihre Freundinnen beschreiben sie als wundervollen und ehrlichen Menschen. In tiefer Trauer schrieb Julias großer Bruder auf ihre Facebook-Pinnwand: „Ich liebe dich und so wird es immer bleiben! Wir sind unfassbar dankbar, 15 Jahre mit dir zusammen gehabt haben zu dürfen. Ich weiß noch ganz genau, wie ich dich das erste Mal in den Armen hielt, kleine Schwester. Wenn ich einmal eine Tochter haben werde, weiß ich ganz genau, wie sie heißen wird. Ruhe in Frieden, Schwesterherz.“

Florian Fussek/Dorita Plange

Polizei startet Kampagne

„Es ist letztlich eine Frage der Vernunft. Das kann man nicht mit Strafverfolgung regulieren“, sagt Polizeidirektor Dieter Bauer und schaut ernst auf all die Studien auf seinem Schreibtisch. Bereits am 24. November lief eine vom Handy abgelenkte 21-Jährige in Harlaching vor die Tram und wurde getötet. Und nun ist es wieder passiert. „Man muss sich klar machen, dass der Mensch seine Umgebung zu 90 Prozent über die Optik und zu zehn Prozent über das Gehör wahrnimmt.“ Wer also – wie am Mittwoch Julia – Kopfhörer und darüber die Kapuze trägt und zudem auf sein Handy schaut, ist zu 100 Prozent abgehängt von der Umgebung. Ein Horrorszenario für alle, die Trams und Busse durch die Stadt steuern. „In den USA spricht man bereits von der Generation Kopf-unter. Das trifft es leider ziemlich genau.“

Mit Aufklärungskampagnen an den Schulen versucht die Polizei, Kindern und Jugendlichen die Gefahren vor Augen zu führen. Auch bei Autounfällen ist die Ablenkung durch Handys und Multimedia-Navis mittlerweile Unfallursache Nummer eins. Der Nachweis geht gen Null: „Man schätzt, dass nur jeder 3400. Handy-Verstoß beweisbar ist. Wer bei Tempo 50 eine SMS schreibt, legt pro Sekunde 14 Meter im Blindflug zurück. Darüber sollte jeder für sich mal nachdenken.“

dop

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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