Verbrecher, aufgepasst!

Franz ist Münchens kleinster Kriminaler

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Franz Hoiß an seinem Arbeitsplatz beim Landeskriminaltamt.

München - Franz Hoiß ist kleinwüchsig - doch bei der Münchner Spurensicherung ein ganz Großer! tz-Redakteur Armin Geier traf sich mit dem Kriminaler – auf einen frechen Rundgang durch die Stadt:

"Auf die Größe kommt’s nicht an.“ Wie oft Franz Hoiß diesen Satz in seinem Leben schon gehört und gesagt hat, kann er gar nicht mehr zählen. Der gebürtige Münchner ist das, was man kleinwüchsig nennt. Ein Gendefekt, mit dem in Deutschland rund 100.000 Menschen leben. Doch wer den sympathischen 32-Jährigen kennenlernt, merkt schnell: Der Franz ist ein ganz Großer! Intelligent, witzig und erfolgreich: Seit Jahren arbeitet das Münchner Kindl bei der Spurensicherung des Landeskriminalamts. tz-Redakteur Armin Geier traf sich mit dem Kriminaler – auf einen frechen Rundgang durch die Stadt:

Herr Hoiß – muss man Sie Kleinwüchsiger nennen?

Hoiß: Kleiner ist O.k. Ja nicht Kleinwüchsiger.

Echt? Gut. Also hallo, Kleiner!

Hallo, Großer! Wie ist die Luft da oben?

Wärmer! Werden Sie eigentlich oft angesprochen, wegen Ihrer Größe?

Na ja, manchmal werde ich mit dem Schauspieler von Game of Thrones verwechselt.

Dem Peter Dinklage?

Der 32-Jährige ist Spezialist für die Sicherung von Fingerabdrücken.

Ja, genau. Obwohl der viel älter ist als ich. Der ist Mitte vierzig, ich erst 32. Eigentlich eine Frechheit (lacht). Aber der ist halt auch kleinwüchsig. Und hat auch einen Bart.

Und der ist berühmt. So haben Sie gleich ein Gesprächsthema bei den Frauen. Ich muss mich immer erst interessant machen.

Das stimmt! Das ist ein Vorteil für mich. Aber ich bin glücklich liiert.

Wie groß sind Sie denn?

Genau 140 Zentimeter. Aber eigentlich wäre ich acht Zentimeter kürzer.

Wie das?

Na ja, ich habe mir mal die Beine verlängern lassen. Da wird – kurz gesagt – das Bein gebrochen und dann langsam auseinander gezogen. Bis immer wieder Knochen nachwächst.

Aua, das klingt extrem schmerzhaft.

Ist es auch. Hat ein Dreivierteljahr gedauert. Würde ich nicht mehr machen.

Dabei machen Sie einen wunderbar selbstbewussten Eindruck …

Ich bin mittlerweile ganz zufrieden. Aber damals wollte ich das.

Größer sein?

Wahrscheinlich. Alles tun, was irgendwie möglich ist. Jetzt interessiert mich das nicht mehr. Alles passt, so wie es ist.

Hat Ihr Kleinsein irgendeinen Nachteil, der sie immer wieder ärgert?

Nein. Denn ich bin es ja nicht anders gewöhnt. Und jedes noch so kleine tägliche Problem ist ja irgendwie zu lösen.

Wenn man nicht an den Haken kommt, legt man die Jacke halt über den Stuhl …

Genau das meine ich damit.

Sie haben ja auch viel erreicht: Sie sind Spurensicherer beim Landeskriminalamt.

Ja - ich bin genauer gesagt Fingerabdruck-Experte.

Klingt spannend.

Ist es auch. Seit acht Jahren bin ich jetzt dabei.

Wie läuft das genau?

Na ja, wenn beispielsweise jemand ermordet wird und da wird in der Wohnung ein Testament gefunden – dann bin ich der, der dieses auf Fingerabdrücke untersucht.

Also Sie sind nicht direkt am Tatort?

Nein, da sind Kollegen. Ich untersuche im Labor das, was dort gesichert wird.

Schon mal einen Mord mit aufgeklärt?

Klar. Es kam schon vor, dass meine Analysen einen Täter überführt haben.

Im TV-Tatort von Münster gibt es eine Rechtsmedizinerin, die auch kleinwüchsig ist …

Ja, das ist großartig. Ich mag die Kleine sehr und schau jede Folge.

Weil sie so frech ist?

Franz Hoiß (140 Zentimeter) traf sich mit tz-Redakteur Armin Geier (189 Zentimeter)

Genau. Sie wird ja oft wegen ihrer Kleinwüchsigkeit vom Professor, den Jan Josef Liefers spielt, geärgert. Sie gibt aber immer perfekt Kontra. Wunderbar.

Also nix Diskriminierung?

Nein. Diskriminierung findet statt, wenn jemand wehrlos ist. Und die Aussagen boshaft sind. Das ist hier nicht der Fall. Auch mich nennen sehr gute Freunde manchmal Zwerg.

Was macht man als Kleinwüchsiger, wenn man nicht Mördern hinterherjagt?

Ich gehe gern Ski fahren. Mit Snow-Blades. Die sind für meine Größe und zum Tiefschneefahren perfekt. Zudem laufe ich Halbmarathon.

Echt? Das sind doch 20 Kilometer?

Nein, 21.

Ufff – Ihre Bestzeit?

So knapp drei Stunden – danach lag ich aber zwei Tage völlig fertig im Bett.

Also voll die Sportskanone.

Ich bin ganz zufrieden. Ach ja – und DJ bin ich auch noch.

Wo?

Ich lege bei den ganzen internen Feiern des LKA auf. Das ist ein Hobby von mir.

Zeit für ein dummes Wortspiel: In Ihnen steckt eine Menge!

(lacht) Ja, für 140 Zentimeter nicht schlecht, oder?

Nein, wahrlich nicht. Da fällt mir noch so ein Schwachsinn ein: Klein, aber oho!

Ein echter Klassiker. Oder wie wär’s mit: Blumen wachsen halt langsamer als Unkraut.

Haha, Weltklasse! Aber ich merke schon, Herr Hoiß: Sie sind nicht klein, sondern aufs Beste reduziert worden.

Auch ein Brüller. Aber trotzdem danke!

Armin Geier

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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