Kunstkrimi um historische Handschriften

Millionenwert: LKA findet gestohlene Schriften wieder

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Ist jetzt Eigentum der Bayerischen Staatsbibliothek: die Gedichtsammlung von Ali Sirâsî aus dem 17. Jahrhundert.

München - Erben eines iranischen Kunstsammlers haben am Donnerstag vom Bayerischen Landeskriminalamt einen Millionenschatz zurückbekommen: Die Jahrhunderte alten islamischen Handschriften waren vor knapp zehn Jahren in München gestohlen worden.

2011 fanden Kunstfahnder des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) in Zamdorf die Bücher, Zeichnungen und prachtvollen, teils mit Blattgold unterlegten Koran-Exemplare. Ein heute 70-jähriger Deutsch-Iraner hatte sie in seinem Keller-Abteil eines Mehrfamilienhauses versteckt. Sie stammten aus dem Besitz des iranischen Kunstsammlers Djafar Ghazy, der zurückgezogen in Neuhausen lebte. Nach Ghazys Tod im September 2007 waren sie verschwunden.

Die Vizepräsidentin des Bayerischen Landeskriminalamtes, Petra Sandles, übergab am Donnerstag zwei Monumental-Korane (im Bild ein Werk aus Nordindien aus dem 17. Jahrhundert) an den Generalkonsul der Islamischen Republik Iran, Abdollah Nekounam Ghadiri. Die Bücher gehen an das Bastan-Museum in Teheran.dpa

Knapp zehn Jahre später hat LKA-Vizepräsidentin Petra Sandles den Nachkommen des Mannes am Donnerstag 174 Schriften und Bücher im Wert von etwa drei Millionen Euro zurückgegeben. Gegenstände im Wert von einer Million Euro wurden in der Zwischenzeit verhökert – und eine Gedichtsammlung des Dichters Hafis aus dem 14. Jahrhundert – allein eine Million Euro wert – bleibt weiter verschollen (siehe Kasten).

„Mein Onkel war ein leidenschaftlicher Sammler“ sagt die Nichte Mina Jafarzadah Ghazy. Die Schätze, die er mit größter Fachkenntnis kaufte und ersteigerte, hat er in seiner Wohnung aufbewahrt. Nur selten habe der kinderlos und alleine lebende Mann, der 1962 nach Deutschland kam, seine Sammlung jemandem gezeigt, sagt der Privatdetektiv Erhard Reuther. „Nachdem die Erben festgestellt hatten, dass wertvolle Stücke fehlten, hatten sie mich zunächst beauftragt“, sagt Reuther, der bis zu seiner Pensionierung selbst im LKA arbeitete – in der Staatsschutzabteilung.

Die Behörde schaltete er dann auch ein, als sich sein Verdacht erhärtete: Einer von zwei Männern, die sich um den 86 Jahre alten Kunstsammler vor dessen Tod gekümmert hatten, könnte der Täter sein. Das Gericht erließ im Dezember 2011 einen Durchsuchungsbefehl für dessen Wohnung in Zamdorf – dabei wurden die Kunstschätze gefunden. Das Münchner Landgericht verurteilte den Ingenieur im März dieses Jahres zu zwei Jahren auf Bewährung. Ein Deal: Der Witwer, der mehrere Schriften über Versteigerungen zu Geld gemacht hat und heute schwer krank ist, kam für ein Geständnis mit einem milden Urteil davon. Unklar bleibt bis jetzt, ob und wie weit der Mann einen Kumpanen hatte. Gegen einen anderen in München lebenden Iraner Mitte 60 gebe es einen sehr dringenden Verdacht, es sei aber nichts nachweisbar, heißt es aus Ermittlerkreisen.

War von den Erben beauftragt worden: Privatdetektiv Erhard Reuther.

Zwei prächtige Koran-Exemplare bekommt nun nach dem Willen des Gestorbenen das Bastan-Museum in Teheran. Abdollah Nekounam Ghadiri, Generalkonsul der Islamischen Republik Iran, nahm sie am Donnerstag in Empfang. Zwei persische Handschriften aus dem 17. Jahrhundert überließen die Erben der Bayerischen Staatsbibliothek (Stabi) für ihre Hilfe bei der Identifizierung der Objekte. Die Stabi ist weltweit eine der vier größten Bibliotheken im Bereich Handschriftensammlungen. Von den 100 000 Stücken sind rund 20 000 orientalische und asiatische. Die Bibliothek wird die beiden überlassenen Werke nun restaurieren und digitalisieren, sagt Generaldirektor Klaus Ceynowa. Es handelt sich um eine astrologische Handschrift und eine Gedichtsammlung von Ali Sirâsî. Gesamtwert: rund 30 000 Euro.

Der Großteil der Kulturgüter geht an die Erbengemeinschaft. Möglicherweise wird der iranische Staat prüfen, ob er Ansprüche hat. Dass sich andere Eigentümer melden, ist unwahrscheinlich. Alle Stücke seien überprüft, sagt LKA-Kunstfahnder Dieter Sölch, der jahrelang an dem Fall gearbeitet hat. Bei keinem habe sich eine illegale Herkunft ergeben.

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