Landgericht München

Attacke auf Freundin: Lange Haft für Messerstecher

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Der Angeklagte vor dem Münchner Landgericht.

München - Sie hatte ihn erniedrigt, bis er durchdrehte – nun muss der 52-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung ins Gefängnis.

Es ist das blutige Ende einer Beziehung: Gestern verurteilte das Landgericht Max D. (52, alle Namen geändert), weil er seine Freundin Paula L. (52) mit einem Küchenmesser niederstach. Wegen gefährlicher Körperverletzung muss er für insgesamt drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. „Wir gehen von einem Tötungsvorsatz aus. Es war keine Notwehr“, sagte Richter Norbert Riedmann in seiner Urteilsbegründung. „Ihnen ist der Kragen geplatzt. Am Ende haben Sie sich über sich selbst erschreckt.“

Der Tat war eine komplizierte Beziehung vorausgegangen. Sechs Jahre lang waren Paula L. und Max D. ein Paar. Eine Zeit voller Schikane für D., der von seiner Partnerin massiv unterdrückt und von ihr teilweise sogar im Keller eingesperrt wurde. In der gemeinsamen Wohnung in Berg am Laim musste er allerhand ertragen: So verwaltete Paula L. stets das Geld der beiden Arbeitslosen. Max D. bekam nur welches, wenn er einkaufen gehen musste. Sie selbst hatte ein Jahr lang kaum das Haus verlassen. „Ich wog nur noch 60 Kilo“, sagte Max D. im Prozess. „Ich habe nicht gelebt, ich habe vegetiert.“

Jahrelang hatte er die Wutausbrüche, Stimmungsschwankungen und Saufgelage seiner Freundin ertragen müssen. Bis er die Unterjochung nicht mehr aushielt und im November 2015 zum Küchenmesser griff. Damit stach er zweimal auf sie ein. Und gestand die Tat später vor Gericht, wo er zunächst wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. „Das Leben im Gefängnis ist für mich der reinste Erholungsurlaub“, sagt Max D. Dort muss er nun für lange Zeit bleiben. Weil er sich gewehrt hatte – aber mit den falschen Mitteln.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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