Fall vor dem Langericht

Stalker verfolgt Frau seit fast 30 Jahren

München - Das Landgericht muss entscheiden, ob Münchner in die psychiatrische Klinik eingewiesen wird. 

Als Robert F. (48, alle Namen geändert) an Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, ist gleich klar, wie er tickt: „Hallo du kleines Scheißhaus, du bist nicht meine Verteidigerin!“, schreit er seine Anwältin an – und setzt sich so weit wie möglich von ihr weg. Den Fotografen zeigt er den Stinkefinger, Verteidigerin, Staatsanwältin und psychiatrische Gutachter beschimpft er aufs Übelste. „Ich möchte aus dem Prozess wieder austreten“, sagt er zum Richter. Doch das ist nicht möglich. Der psychisch kranke Münchner verfolgt seit bald 30 Jahren Jugendfreundin Johanna M. (47) aus Puchheim – Telefonterror, zerstochene Reifen, Morddrohungen.

Robert F. leidet an schwerer paranoider Schizophrenie. Am 8. Oktober 2015 wurde er vorläufig in die Psychiatrie eingewiesen, seit 8. Dezember weilt er im Bezirkskrankenhaus Straubing. Nun muss das Landgericht München I entscheiden, ob er weiterhin dort bleiben muss.

Robert F. und Johanna M. hatten sich vor rund 30 Jahren im Schwimmbad kennengelernt, gingen auch miteinander aus. Er wollte mehr von ihr, doch sie lehnte ab. „Dann hat er komische Dinge erzählt über Drogen und Waffen“, berichtet Johanna M. als Zeugin, die von einem Mitarbeiter des Weißen Rings begleitet wird. Irgendwann habe er angefangen, ihr nachzustellen. Er zerstach ihre Autoreifen, 20 Mal insgesamt. An die Hauswand schrieb er „du Nutte“, rief sogar bei den Nachbarn an. Mal war es intensiver, mal weniger. 2003 wurde es wieder heftiger. Er drängte darauf, dass sie gemeinsam einen Lottogewinn in der Schweiz hätten; und schickte ihr pornografische Bilder. „Es wurde mit der Zeit immer wirrer.“

Ab Anfang 2014 sei es dann „massiv“ geworden. „Es wurde ganz, ganz schlimm“, sagt Johanna M. Er terrorisierte sie mit Anrufen und Schreiben, drohte ihr mit Schlägen, besudelte ganze Häuserzüge mit Schmierereien, die sich auf M. bezogen. Er schrieb auch verwirrte Briefe an Behörden, Polizei und die Schule des Sohnes. Die Puchheimerin litt so sehr unter dem Stalking, dass sie zusammenbrach. Sie musste eine psychiatrische Ambulanz aufsuchen, um sich medikamentös behandeln zu lassen. Auch ihre Familie wurde durch die Nachstellungen belastet, der Sohn zog sich immer mehr zurück.

Während der Anklageverlesung plappert Robert F. ständig in die Worte der Staatsanwältin hinein. „Das kannst du vergessen, was du vorliest“, schreit er zum Beispiel. Als ihn der Vorsitzende Richter fragt, ob er sich äußern wolle, mault er: „Ich scheiß drauf, hörst du schlecht?“ Schließlich wird er von der Verhandlung ausgeschlossen. Der Prozess dauert an.

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