Urteil am Dienstag

Lange Haft für Westend-Entführer

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Mario S. wurde am Dienstag zu sechs Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

München - Es war eine richtige Räuberpistole, nur nicht wirklich clever umgesetzt: Ein Mann verschleppt eine Bankiers-Ehefrau, verlangt Lösegeld in Millionenhöhe. Weil er seine Geisel aber nicht gut genug bewacht, entkommt sie. Nun muss er für viele Jahre hinter Gitter.

Mit tief gesenktem Kopf lässt der Mann das Blitzlichtgewitter über sich ergehen - und in der selben Haltung hört er reglos eine Stunde lang sein Urteil: Sechs Jahre und zehn Monate hat das Landgericht München am Dienstag gegen den Entführer einer Bankiers-Ehefrau verhängt. Es sprach den 53-jährigen mittellosen Thailand-Auswanderer der Freiheitsberaubung, des erpresserischen Menschenraubs und der versuchten schweren räuberischen Erpressung schuldig.

Der Mann hatte die 46 Jahre alte Frau im Juni 2015 in ihrem Haus in Ottobrunn nahe München gekidnappt und 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert. Sie konnte sich jedoch auf einem Parkplatz losreißen und fliehen. Den zwölfjährigen Sohn ließ der Mann im Haus der Familie mit Kabelbindern an die Heizung gefesselt zurück.

Mildernd wertete die Kammer, dass der Mann bisher nicht vorbestraft war, wenig professionell vorging, ein Geständnis abgelegt und sich entschuldigt hatte. Er habe den Plan zu der Tat gefasst, nachdem er in Thailand eine Diagnose bekam, die ihn fürchten ließ zu erblinden - eine Behandlung hätte er sich nicht leisten können.

Wegen seiner Fehler schnell identifiziert

Doch die Vorsitzende Richterin Sigrun Broßardt sagte auch, dass die Familie bis heute mit den psychischen Folgen kämpfe. „Die Familie wird wohl noch längere Zeit unter dem Eindruck der Tat leiden.“ Der Sohn konnte den Erpresserbrief lesen, in dem eine angebliche „Islamische Front“ androhte, seine Mutter zu verkaufen oder zu ertränken. „Wie ging es dem Sohn, der an die Heizung angekettet lesen musste, was der Täter mit seiner Mutter alles vorhatte?“

Die entführte Frau wiederum stand Todesängste aus, während der Mann mit ihr im Wagen der Familie durch München kurvte. Sie habe dabei für sich die Entscheidung getroffen, mit ihrem Leben abzuschließen oder die Möglichkeit zur Flucht zu nutzen. Die zierliche blonde Frau, die als Nebenklägerin das Urteil verfolgte, nickte dazu. Sie hat die Entschuldigung des Täters ebenso wenig angenommen wie sein Angebot, 75 Prozent seines Verdienstes in der Haft als Ausgleich zu bezahlen.

Die Frau hatte sich losgerissen, als der Täter auf einem belebten Parkplatz im Stadtteil Westend stoppte. Als sie ihm in die Augen sah, habe er geschaut, als wolle er sagen: „So war das aber nicht ausgemacht.“ Dann flüchtete er.

Festnahme in Thailand

Wegen der Fehler, die er gemacht habe, sei er schnell identifiziert worden, sagte die Richterin. Sie attestierte ihm aufgrund „einer Reihe von Punkten“ mangelnde Professionalität. Über seine Handynummer, die er im Erpresserbrief aufgeschrieben hatte, aber auch Aufnahmen von Videokameras unter anderem auf dem Parkplatz konnten ihn die Ermittler schnell ausfindig machen.

Der Mann wurde später in Thailand festgenommen. Dort in der Abschiebehaft erlitt er selbst Repressionen und Gewalt - die Mithäftlinge hielten ihn für einen Kinderschänder.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten gefordert. Anwalt Ahmed Adam argumentierte hingegen, sein Mandant habe der Frau die Flucht ermöglicht und damit seinen Tatplan freiwillig aufgegeben. Er hatte deshalb für eine wesentlich mildere Strafe von drei Jahren und neun Monaten Haft plädiert. Adam ließ zunächst offen, ob er Rechtsmittel einlegen will. Sein Mandant sei sichtlich reuig. „Dass er sich schämt für das, was er getan hat, ist offensichtlich.“

dpa

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