Leerstand erfolgreich bekämpft

300 Flüchtlinge ziehen in diese ehemaligen Nazi-Bauten

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In dieses Haus in der Karlstraße 20 dürfen ab April 300 Flüchtlinge einziehen.

München - Die Aktion Leerstand089 hatte aufgedeckt, dass in der Karlstraße zwei staatliche Altbauten mindestens acht Jahre leer stehen. Jetzt ziehen dort Flüchtlinge ein.

Die Wohnungsnot in München ist groß. Gleichzeitig suchen die Behörden händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge. Die Aktion Leerstand089 hatte aufgedeckt, dass in der Karlstraße zwei staatliche Altbauten mindestens acht Jahre leer stehen. Im April ziehen in den beiden ehemaligen Nazi-Bauten 300 Flüchtlinge ein.

Die 1828 vom Architekten Rudolf Röschenauer im klassizistischen Stil errichteten Mietshäuser waren 1934 von der NSDAP angemietet worden, um dort die „Reichspropagandaleitung der NSDAP“, die „Reichsstudentenführung der NSDAP“ und die „Schiedsabteilung des Reichsschatzmeisters“ unterzubringen. Nach dem Krieg wurden die Bauten als Finanzämter genutzt. Jetzt stehen sie leer, seit wann, ist unklar. „Seit mindestens 2008, vermutlich noch wesentlich länger“, so die Immobilienverwaltung des Freistaates im Juli 2015 auf eine Anfrage von Leeerstand089.

Magnus Hartl, Lisa Rüffer, Max Brandl und Max Heisler von Leerstand089 freuen sich, dass in der Karlstraße Flüchtlinge einziehen.

Im Jahr 2009 hatte der Staat beschlossen, die Gebäude für eine Außenstelle des Innenministeriums umzubauen. Die Kosten waren den Behörden dann aber zu hoch, sodass die Pläne 2012 wieder fallen gelassen wurden. 2012 hieß es, dass die Häuser „durch Verkauf oder Vergabe im Erbbaurecht zu verwerten“ seien. Es sollten wieder Wohnungen entstehen, allerdings müsste der Freistaat dafür Stellplätze nachweisen. Dazu laufen jetzt Gespräche mit den Stadtwerken, die auf dem Nachbargrundstück Wohnungen bauen wollen. Doch bis es so weit ist, wird es noch dauern. Darum soll nun in den Häusern für fünf Jahre eine Dependance der Aufnahmeeinrichtung München eröffnet werden für 300 Flüchtlinge. Geplant ist laut Regierung von Oberbayern eine „gemischte Belegung aus Familien und Alleinstehenden“. Die Unterkunft sei nicht von unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge vorgesehen.

Maximilian Heisler, Vorsitzender vom Bündnis bezahlbares Wohnen und Mitinitiator des von Leerstand089 freut sich: „Gut, dass diese Häuser endlich wieder bewohnt werden.“

Er sucht übrigens noch Mitstreiter, die weiter Leerstände aufdecken und dokumentieren wollen. Infos unter: www.leerstand089.de.

Johannes Welte

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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