23-Jährige prellte ihre Freunde

Aus Liebe zu den Pferden: So wurde Julia R. zur Betrügerin

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Julia R. mit ihrem Anwalt Lutz Libbertz auf der Anklagebank. Er sagt: „Meine Mandantin hat eine traurige Geschichte.“

München - Am Mittwoch gestand Julia R. vier Betrugsfälle ein: Seit 2013 hatte sie sich Geld von Freunden geliehen, um Pferde zu kaufen und die Hufe beschlagen zu lassen.

Als Julia R. (23) das Strafjustizzentrum betritt, drehen sich die Wachtmeister zweimal um. Auf hohen Absätzen kommt sie in den Gerichtssaal, streicht sich unsicher durch das lange braune Haar. Was macht so eine schöne Frau auf der Anklagebank? Die Antwort: Sie ist mehrfache Betrügerin.

Am Mittwoch gestand Julia R. vier Fälle ein: Seit 2013 hatte sie sich Geld von Freunden geliehen, um Pferde zu kaufen und die Hufe beschlagen zu lassen. Bezahlen konnte sie das nicht – und wusste es auch. „Es tut mir sehr leid, ich gebe alles zu“, sagte Julia R. Und überraschte danach mit einer bewegenden Lebensgeschichte, die ihr Verbrechen zumindest erklären sollte.

„Ich bin in schlechten Verhältnissen aufgewachsen“, sagt sie. Zum Vater hatte sie keinen Kontakt. „Meine Mutter war Domina im Leierkasten und hatte fast nie Zeit. Durch sie bin ich zu Pferden gekommen.“ Ihre Stimme stockt kurz, dann fährt sie fort. „Als meine Mutter ins Gefängnis musste, hatte ich nichts anderes mehr als meine Pferde.“ Die Jugend hatte sie dann auf einem Gestüt verbracht. „Meine Mutter hatte mich vor der Haft dorthin gebracht. Abgeholt hat sie mich jahrelang nicht mehr. Ich lebte quasi im Stall.“

Als der wohlhabende Freund der Mutter später die Mutter verlässt, steht Julia wieder vor Problemen. „Er hatte jahrelang alle Rechnungen bezahlt, plötzlich war kein Geld mehr da.“ Ihre Liebe zu den Pferden konnte sie aber nicht unterdrücken – und wurde am Ende selbst kriminell. „Meine Mandantin ist eine Pferdenärrin. Ihre Geschichte zeigt, wie es ist, wenn Menschen sich von Menschen abkehren und den Tieren zuwenden“, sagte Verteidiger Lutz Libbertz.

Auch Amtsrichterin Dorn war davon bewegt: „Sie haben einen schweren Weg hinter sich. In dieser Zeit sehe ich die Wurzeln für ihre Taten.“ Sie sprach Julia schuldig, brummte ihr aber lediglich vierzig Sozialstunden auf. „Es ist eine traurige Geschichte, die jetzt ein gutes Ende findet“, sagte Libbertz. Julia hat jetzt eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau angefangen und ist verlobt. Die 8000 Euro Schulden, die durch den Betrug entstanden sind, will sie aus eigener Kraft abzahlen. „Das wird mir nie wieder passieren.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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