Geschichte der Münchner Brauerei

Neues Buch: So mächtig war Löwenbräu einst

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Das gesamte Areal rund um den Stiglmaierplatz war einst von Löwenbräu-Anlagen besiedelt.

München - Löwenbräu war lange Zeit international die am weitesten verbreitete deutsche Biermarke, schreibt Richard Winkler vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv in seinem neuen Buch. Doch dann kam der Verlust der Selbstständigkeit für die Münchner Traditionsbrauerei.

Eine Bar im Nachkriegsdeutschland der 1950er-Jahre. Ein Einheimischer steht neben einem US-Sergeant. „What do you think of Goethe?“ („Was denken Sie über Goethe?“), fragt er ihn. Der Amerikaner nippt an seinem Bier und antwortet: „Fine, but personally I prefer Lowenbrau“ („Gut, aber ich bevorzuge Löwenbräu“).

Buchautor Richard Winkler vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv.

Diese Szene aus einem US-Werbespot zeigt: Löwenbräu war in den Jahren des Wirtschaftswunders international die bekannteste und am weitesten verbreitete deutsche Biermarke, sagt Richard Winkler (57).

Der stellvertretende Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs – einer Gemeinschaftseinrichtung der bayerischen Industrie- und Handelskammern – hat ein Buch über die Geschichte der Münchner Brauerei geschrieben ("Ein Bier wie Bayern", Verlag PH. C. W. Schmidt, ab Donnerstag, 20. Oktober, erhältlich, 29,90 Euro). 

Von 1890 bis 1976 war Löwenbräu die größte Brauerei Bayerns, kurz vor dem Ersten Weltkrieg galt sie als zweitgrößte Bierfabrik Deutschlands. In den 1960er-Jahren stieg sie in den USA zur meistgetrunkenen Importbiermarke auf. In der Heimat schwächelte sie ab Mitte der 70er-Jahre jedoch. 

1997 der Verlust der Selbstständigkeit: Spaten übernahm die Löwenbrauerei. Seit 2003 gehören beide zu Anheuser-Busch InBev, dem größten Bierkonzern der Welt. 

So groß wie acht Fußballfelder

Das gesamte Areal rund um den Stiglmaierplatz war einst von Löwenbräu-Anlagen besiedelt.

Seit 1524 ist die Löwenbrauerei aktenkundig. Zunächst wurde in der Löwengrube (Altstadt) gebraut, ab 1827 dann an der Nymphenburger Straße beim Stiglmaierplatz (Foto links). Zu beiden Seiten der Straße entstanden ausgedehnte Brauereianlagen. Auf einer Fläche von 79 000 Quadratmetern – das sind fast acht Fußballfelder! Nach der Übernahme durch Spaten und später durch den größten Bierkonzern der Welt, wurden 2007 große Teile des Brauereiareals abgerissen. Heute existiert nur noch ein kleiner Teil der ehemaligen Brauerei (Foto links).

Korken wie beim Sekt

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Glasflaschen mit Löwenbräu-Bier. Sie waren mit einem Korken – ähnlich wie beim Sekt – ausgestattet. Und wurden hauptsächlich ins Ausland exportiert. Später dann gab es Flaschen mit Schnappverschluss und mit Kronkorken (Foto).

Dosenbier ohne Lasche

Das erste Löwenbräu-Dosenbier gab’s 1952. Aber ohne Lasche. „Die Leute mussten in die Dose stechen, um sie zu öffnen“, so Winkler. Ein PR-Clou verhalf den Dosen zu Bekanntheit: Die Brauerei stattete das deutsch-österreichische Bergsteigerteam bei der Nanga-Parbat-Besteigung von 1953 mit den Büchsen aus. So schaffte es das Dosenbier in einen Film, der die Besteigung dokumentierte …

Ab zum Transport

Bis zum 1. Weltkrieg tranken die meisten Menschen Bier nicht zu Hause in Flaschen – sondern in Gastwirtschaften. Für den Transport in die Wirtshäuser musste das Bier zunächst von Lager- in Transportfässer umgefüllt werden. Auf dem Foto oben sind Arbeiter bei genau dieser Arbeit um 1900 in einem Lagerkeller der Brauerei zu sehen.

Test für den Geschmack

Der Geschmack zählt: Hier im Foto zu sehen ist ein Labor der Brauerei um 1906. Mitarbeiter testeten Rohstoffe und das Bier, so Experte Winkler. In den 1960er-Jahren noch hatte Löwenbräu 1500 Angestellte und Arbeiter. Jetzt sind es 500 für die ganze Spaten-Franziskaner-Löwenbräu-Gruppe.

Am Mittwoch, 19. Oktober, um 19 Uhr stellt Autor Richard Winkler sein Buch über Löwenbräu im Forum der IHK-Akademie (Orleansstraße 10-12) vor.

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