Massenveranstaltungen via Facebook

Lokalpolitiker wollen Isar vor „kommerzieller Nutzung“ bewahren

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München - Lokalpolitiker haben die Stadt mit einem Antrag aufgefordert, Werbung für Massenveranstaltungen im Hochwasserbett der Isar via Facebook und anderer Netzwerke künftig zu unterbinden. Doch dies ist gar nicht so einfach.

Der Bezirksausschuss Ludwigs-/Isarvorstadt (BA 2) will ein präventives Zeichen setzen: Aktuelles Beispiel war die sogenannte „Vollmondparty“ einer Eventagentur. Die Feier findet inzwischen nicht mehr an der Isar, sondern in ganz normalen Clubhallen statt – und es mag sein, dass der dahinter steckende Veranstalter nur einen guten Marketing-Einfall mit der Isar hatte. Bei 7000 Zusagen und 54 000 Interessenten auf dessen Facebook-Seite scheint das digitale Werbekonzept aber zumindest aufgegangen zu sein. Die „Full Moon Party“ am 21. Mai soll nun in den Optimolwerken gefeiert werden.

Doch welche Handhabe haben die Behörden tatsächlich gegen solche Party-Aufrufe? Der für die Ludwigs- und Isarvorstadt zuständige Polizeihauptkommissar Rudolf Stadler ist sehr skeptisch: „Nicht immer lässt sich klar ermitteln, wer hinter solchen Einladungen steht. Und dann muss auch noch eine organisatorische Leistung nachweisbar sein, beispielsweise die Beschaffung von Getränken oder eine kommerzielle Gewinnabsicht“, erklärt Stadler. „Nur dann können wir von der Polizei gegen die Verantwortlichen vorgehen.“ Kommt es tatsächlich zu spontanen, größeren Partys, dann werde der Polizeieinsatz zur Einzelfallentscheidung, je nach Situation. Das Auflösen und Vorgehen gegen Sicherheitsstörungen sei dann die Aufgabe. „Ordnungswidrigkeiten lassen sich verfolgen und der Bußgeldkatalog wird ausgeschöpft“, sagte Stadler.

BA-Mitglied Arne Brach (Grüne) geht dagegen davon aus, dass sich jede Person ermitteln lässt, die über soziale Netzwerke einlädt: „Verantwortliche kann man immer ausfindig machen, das hat sich bereits bei ähnlichen öffentlichen Aufrufen erwiesen.“ Und damit müsse der Organisator auch für Schäden, Müllentsorgung und Polizeieinsätze haften. Im konkreten Fall der Vollmond-Party hatte sich das Kreisverwaltungsreferat (KVR) frühzeitig mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt – der erste Hinweis auf die Party kam von der Polizei.

Der BA 2 fordert nun mit seinem Antrag die Stadt auf, alle Mittel auszuschöpfen und energisch gegen solche Aufrufe im Vorfeld vorzugehen. Veranstalter sollten von der Stadt darauf hingewiesen werden, dass bei Missachtung und damit unkontrolliert ablaufenden Veranstaltungen Schäden oder Unfälle entstehen können. Die Folgekosten für Reinigung, Feuerwehr- oder Notarzteinsätze könnten dann dem Veranstalter in Rechnung gestellt werden. Die Isar als Erholungsraum gelte es gegen „jedwede kommerzielle Nutzung zu bewahren“.

Bettina Ulrichs

E-Mail:info@merkur.de

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