tz-Serie

London, Paris, USA: So verbrachte Lola Montez ihre letzten Jahre

+
Die Zeichnung aus New York von 1852 zeigt Lolas Show am Broadway.

München - Lola Montez verbrachte ihr Leben nach dem Ende der Affäre mit Ludwig I. immer noch im Rampenlicht: Die letzten Stationen in London, Paris und den USA.

Ach welch herrliches Leben hätte Lola Montez als Dauerg’spusi von König Ludwig I. führen können! Ein unbeschwertes Leben ohne Geldsorgen, in einem Luxuspalais mit Diener, Zofen, Kutsche und Shopping auf Königskosten! Wenn, ja wenn sie nur ein bisschen umgänglicher gewesen wäre! Wenn sie ein Dirndl getragen hätte statt ihres schwarzen Amazonenkostüms, wenn sie sich den Münchnern angepasst hätte, mal aufs Oktoberfest gegangen wäre… aber dann wäre sie eben nicht die Lola Montez gewesen!

Lola in London verhaftet

Und so verliefen ihre Stationen nach München genauso wie ihr Leben zuvor: chaotisch, extravagant und gegen alle bürgerlichen Gepflogenheiten. Im November 1848 zog sie von Genf nach London, ließ ihren Besitz versteigern und ihr Münchner Palais verkaufen. Am 19. Juli 1849 heiratete sie Leutnant George Trafford Heald, den 21-jährigen Erben eines Riesenvermögens. Seine Tante fürchtete aber um ihren Erbanteil und zeigte Lola Montez wegen Bigamie an: ihre Ehe mit Captain Thomas James war 1842 nämlich mit der Auflage geschieden worden, dass keiner zu Lebzeiten des anderen wieder heiraten darf. Doch James lebte noch! Lola wurde auf Kaution aus der Haft entlassen und verließ England.

Der König wird erpresst

Am 1. Dezember 1848 drohte Lolas in der Schweiz zurückgelassener Ex-Lover Auguste Papon dem König, seine Liebesbriefe zu veröffentlichen, wenn er ihn nicht zum königlich-bayerischen Kammerherrn ernenne und mehrere Tausend Gulden bezahle. Da Ludwig I. nicht darauf einging, veröffentlichte er 1849 Memoiren der Lola, die aber nicht Lola sondern Papon geschrieben hatte und aus denen hervorging, dass er nicht im Besitz der Briefe sein kann. Die hatte immer noch Lola, aber jetzt drohte auch sie: „In Deinem letzten Brief an mich hast Du nichts auf meine Frage geantwortet, ob in dem Fall, dass ich Deine Briefe zurückschicke, Du mir Sicherheit mit einer kleinen Pension gibst, von der Du geschworen hast, Du würdest sie mir das ganze Leben geben. Das ist mein Recht nach all den schrecklichen Dingen, nachdem ich aus München verjagt worden bin. Ich brauche das Geld… Ich weiß, dass Deine Briefe sehr wertvoll sind, viele Verleger hier und in London haben mir viel Geld dafür angeboten.“ Doch Ludwig I. ließ sich nicht erpressen und erlebte eine letzte Überraschung seiner großen Liebe.

Liebesbriefe gerettet

Inkognito machte der König im Mai 1851 in seiner Villa in Rom Urlaub, da klopfte ein Unbekannter am Portal: Der Ire Patrick O’Brien, Lolas neuer Lover in London, wollte dem König ein Paket überbringen. Ludwig verweigerte die Annahme und schickte seinen Begleiter, den Kasperlgrafen Franz von Pocci vor, den Erfinder der Kasperl-Figur. Als er das Paket öffnete, hatte er alle 225 Briefe des Königs in der Hand: Lolas Abschiedsgeschenk an ihren Ludwig. Der König drückte dem Überbringer 5000 Francs in die Hand.

Riesenerfolg in den USA

Im August 1851 startete Lola eine neue Schauspieler-Sänger-Tänzerinnen-Karriere und landete am 5. Dezember in New York. Ihre erste Tanz-Show am Broadway wurde sofort verlängert. Und am 25. Mai 1852 war am Broadway Weltpremiere der Show ihres Lebens: Lola Montez in Bavaria, die auch in New Orleans, San Francisco und Sydney über die Bühne ging.

Lola heiratet Prinz

Am 2. Juli 1853 heiratete Lola Montez ein vorletztes Mal in ihrem Leben, vermutlich um die US-Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ihr Auserwählter war ein Amerikaner und auf der Heiratsurkunde machte sie sich fünf Jahre jünger. Auch diese Ehe platzte, 1857 heiratet sie in Paris ein letztes Mal den 43-jährigen Prinzen Ludwig Johann Sulkowski. Doch auch das ging schief: Nach der Trauung erfuhr sie, dass ihr Prinz längst verheiratet war und in New York eine Frau mit fünf Kindern auf ihn wartete…

Lola stirbt mit 40

Lolas Grabstein steht in Brooklyn.

Am 30. Juni 1860 bekam Lola Montez in New York City einen Schlaganfall und fiel ins Koma. Als sie wieder zu sich kam, war sie linksseitig gelähmt und hatte die Sprache verloren. Erst im Dezember 1860 konnte sie ohne Hilfe wieder ein paar Schritte gehen. Als eine Lungenentzündung dazukam, starb sie am 17. Januar 1861, einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag. Ihr Grab liegt auf dem Greenwood-Friedhof in Brooklyn, New York. Lesen Sie auch:

Ludwig I. und seine Lola: Neue Details zum königlichen Skandal

Ludwig I. und Lola Montez: Wie die Affäre begann

Ludwig I. und seine Lola: Jagd auf die Königs-Geliebte

So ging es mit Ludwig I. und seiner Lola zu Ende

Heinz Gebhardt

auch interessant

Meistgelesen

Krass! So verschuldet sind die Münchner
Krass! So verschuldet sind die Münchner
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

Kommentare