Große tz-Serie

Ludwig I. und seine Lola: Jagd auf die Königs-Geliebte

+
Aufgebrachte Demonstranten vor dem Bayerischen Hof.

München - Als die Öffentlichkeit glaubte, die Affäre zwischen Ludwig I. und Lola Montez wäre vorbei, kam die Stadt trotzdem nicht zur Ruhe. Der dritte Teil der tz-Serie.

Schloss Blutenburg war ein beliebter Treffpunkt der Lola-treuen Studentenverbindung der Alemannen – Lola fühlte sich dort sicher. Mit ihrem Lieblings-Alemannen Elias Peißner schlief sie im Obergeschoss, wurde aber im Morgengrauen unsanft geweckt: Der Wirt der Blutenburg hatte sie verpfiffen. Als sie verhaftet werden sollte, zerfetzte sie den Haftbefehl und warf ihn den Beamten vor die Füße. Zusammen mit ihren „Lolamannen“ Elias Peißner, Ludwig Leibinger und Jacob Härtreiß brachte man sie zum Bahnhof Pasing und schob sie mit dem nächsten Zug Richtung Lindau ab.

Sturm aufs Zeughaus

Wer glaubte, Lola wäre endlich weg und damit würde wieder Ruhe in München einkehren, der hatte sich getäuscht. Die politischen Forderungen an den König blieben bestehen. Am 6. März 1848 stürmten Demonstranten das Zeughaus (das heutige Stadtmuseum) und zogen mit den dort erbeuteten Waffen zur Residenz, wo sie sich erst von Ludwigs jüngerem Bruder Karl beruhigen ließen. In seiner „Märzproklamation“ machte er den liberalen Kräften zwar erhebliche Zugeständnisse, aber die revolutionäre Stimmung blieb bestehen. Und viele hatten wegen der Lola-Affäre jeden Respekt vor Ludwig I. verloren …

Als Mann verkleidet

In Schloss Blutenburg versteckte sich Lola.

Dann tauchte Lola Montez wie aus dem Nichts wieder in München auf: Als Mann verkleidet – einschließlich angeklebtem Bart – fuhr sie in einer Kutsche mit ihrem zwischenzeitlichen Liebhaber, Baron Georges Meller-Zakomelsky, am 8. März von Bern nach München. Weil sie den Sturz ihres Geldgebers König Ludwig I. und somit auch das Abreißen des Geldsegens befürchtete, wollte sie die Sache an Ort und Stelle klären und versteckte sich am 9. März in der Wohnung ihrer alten Freundin Caroline Wegner in der Wurzerstraße.Dummerweise wurde der Besuch von einem Nachbarn beobachtet, dem der mit hoher Stimme französisch sprechende „Mann“ spanisch vorkam. Dieser Nachbar informierte die Polizei. Die rückte an und fand „die Gräfin unter einem Sopha versteckt“. Auf dem Polizeipräsidium wurde schnell klar, welcher dicke Fisch den Behörden da ins Netz gegangen war. Polizeidirektor Xaver Merk ließ um fünf Uhr früh den König wecken, der sofort anrollte und Lola in der Arrestzelle wieder in die Arme schloss. Lola überschüttet ihn mit Geldforderungen, er versprach ihr ein Treffen in Lausanne und schleuste sie fast unbemerkt aus der Stadt in Richtung Schweiz. Wieder voll entflammt, schrieb er ihr, „wie süß war es, Dich wiederzusehen, Lolitta, meine Lolitta“.

Das Gerücht

Irgendjemand hatte getratscht – und das Gerücht, Lola sei wieder da, raste durch München. „Schau nicht um, die Lola geht rum“, hieß es in der Satirezeitschrift Münchener Punsch. In Schloss Fürstenried sollte sie sein, und eine Menschenmenge versuchte, die Anlage zu stürmen. Fehlalarm: Sie ist in einem Schlösschen in Haidhausen! Nein, auch falsch, dafür soll sie sich im Atelier eines Kunstmalers in Berg am Laim aufhalten. Genauso falsch wie die Meldung, dass sie oben in der Kuppel der Theatinerkirche aus einer Dachluke geschaut haben soll! Sogar das Polizeipräsidium wurde gestürmt, weil man glaubte, Lola sei festgenommen worden. „Die Hur muss raus“, rief die Menge und warf die Fensterscheiben ein. Doch Lola Montez war mitsamt ihren Geldsorgen schon längst wieder in der Schweiz …

Die Lebenslüge

Eigentlich nicht so überraschend … Lola Montez war schon vor ihrer Münchner Zeit kein unbeschriebenes Blatt gewesen. Der bayerische „Geheimdienst“ hatte dem König das Vorleben seiner Mätresse aufgelistet, doch Ludwig hatte das gar nicht wissen wollen. Lola Montez wurde 1820 als Elizabeth Gilbert in Irland geboren. Als dreijähriges Kind begleitete sie ihren Vater nach Indien, der dort wenige Wochen später an Cholera starb. Zurück in England, sollte sie 1826 als 17-Jährige auf Drängen ihrer Mutter den reichen Inder Sir Lumely heiraten, verliebte sich jedoch in den 29-jährigen Liebhaber ihrer Mutter und floh mit ihm nach Irland. 1837 heiratete sie ihn, fuhr mit ihm in den Himalaja, wo die Ehe zerbrach.

Wieder zurück in England, versuchte sie 1841 einen Neuanfang als „spanische Tänzerin“. 1842 ging sie nach Spanien und nannte sich erstmals „Lola Montez“. 1843 angelte sie sich Prinz Heinrich LXXII. aus dem Fürstentum Reuß. Aber nachdem Lola ihren Hund auf seine Kinder gehetzt hatte, warf der Fürst sie raus. 1844 tanzte sie in Berlin – und eine Affäre mit dem Starpianisten Franz Liszt nahm ihren Lauf. Auf ihn folgten die Schriftsteller Honoré de Balzac und Alexandre Dumas. Auch ein toter Lover war zu beklagen: ihr Geliebter Alexandre Dujarier wurde vom Konkurrenten Rosemond de Beauvallon in einem Duell erschossen. Nachdem sie 1845 in Baden-Baden halbnackt auf dem Roulettetisch getanzt hatte, machte sich Lola Montez 1846 von Stuttgart aus auf den Weg nach München – eben um König Ludwig I. zu erobern …

Lesen Sie auch:

Ludwig I. und Lola Montez: Wie die Affäre begann

Ludwig I. und seine Lola: Neue Details zum königlichen Skandal

Heinz Gebhart

auch interessant

Meistgelesen

Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

Kommentare