Kunden sind sauer

Aus für den "Späti" im Glockenbachviertel

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Warum das „Happy Birthday“ im Laden hängt? „Jeder hat Geburtstag“, sagt Franz Huemer (70). Seinen Laden, der bis 3 Uhr geöffnet hat, muss er bald schließen. 

München - Münchens einziger Spätkauf muss sich einen neuen Laden suchen, der Mietvertrag wurde gekündigt. „Eine Schweinerei“, sagen viele Kunden.

Wer nachts noch Bier und Zigaretten kaufen will, hat es in München schwer. Abhilfe schaffen manche Kioske, aber auch Münchens einziger „Späti“ an der Baaderstraße. Bei Franz Huemer gibt es verschiedenste Craft-Biere, Tabak und Chips – bis 3 Uhr nachts. Der Laden läuft gut, verlängert wurde der Mietvertrag des Spätkaufs trotzdem nicht.

„Und wie geht’s uns heute?“, begrüßt Franz Huemer eine Stammkundin. Er lehnt dabei lässig auf dem Tresen und erklärt einer jungen Frau die Besonderheiten der Limo, die sie gerade kauft. „Wow, mit der Geschichte wird’s noch besser schmecken“, erwidert sie erstaunt.

"Szenedrinks" macht dicht

Bei Franz Huemer und Helmut Neuhauser gibt es Bier, Tabak und Snacks. Ihr Laden heißt „Szenedrinks“ und ist Münchens einziger „Späti“. Sein Vorbild, den Spätkauf, kennen viele aus Berlin. Dort kann man auch nach Ladenschluss noch einkaufen. Vor allem Nachtschwärmer decken sich mit Bier und Süßigkeiten ein. Doch damit ist in der Baaderstraße im Glockenbachviertel erst mal Schluss.

Denn Huemer und Neuhauser sind nur Untermieter. Ihr Vermieter betrieb dort vorher ein Antiquitätengeschäft, das er nun scheinbar weiterführen will. Per Anwalt teilte der Vermieter Huemer mit, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Denn er habe nichts von der neuen Nutzung des Ladens gewusst. „Das KVR hat das alles genehmigt“ sagt hingegen Huemer. Er habe Eigentümer und Vermieter bereits 2014 darüber informiert. Einspruch habe keiner der beiden eingelegt. „Man kann doch nicht nach zweieinhalb Jahren sagen, man wusste nicht, was hier passiert“, ärgert sich Franz Huemer.

Anwohnerin: "Auch nachts ist es ruhig"

„Das sind nette Mieter, was will man denn mehr?“, meint eine Anwohnerin. Wenn es Raufereien oder Betrunkene gäbe, könnte sie es ja verstehen. „Aber auch nachts ist es ruhig.“ Viele Kunden zeigen sich wütend über das Aus. An der Kasse liegt ein Gästebuch aus, „Absolute Sauerei“ und „Pfui, das ist Scheiße“ haben Gäste auf die Seiten geschrieben. Vor allem die Stammkunden sind enttäuscht. „Die Straße hat durch den Laden so viel gewonnen“, sagt Hannelore Wagner. 

Sie kommt mit ihrer Hündin Buffy oft ins „Szenedrinks“, kauft dort ein paar Kleinigkeiten – und sie hofft, dass Huemer bald einen neuen Laden findet. Diese Hoffnung hat auch der Späti-Betreiber noch nicht aufgegeben. Die Nachtschwärmer werden’s ihm danken.

Emil Nefzger

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