Zweifel im Bezirksausschuss

Ist Radwegsanierung reine Geldverschwendung?

ARCHIV - Ein Fahrradfahrer fährt am 09.09.2015 in Berlin über den Radweg am Moritzplatz. Foto: Britta Pedersen/dpa (zu dpa "Grüne Welle für Radfahrer - Initiative präsentiert Gesetzentwurf" vom 22.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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München - Bezirksausschuss Ludwigs-/Isarvorstadt ist skeptisch, ob grundsätzlich veraltete Verkehrsinfrastrukturen überhaupt noch erhaltenswert sind.

In der Ludwigs- und Isarvorstadt sollen verschiedene Radwege saniert werden. Das klingt gut. Trotzdem zweifelt im örtlichen Bezirksausschuss (BA) der Grüne Hubert Ströhle am Sinn der Maßnahmen. „Das nun bestehende Radwege einfach neu asphaltiert werden, ist nicht zwingend eine Verbesserung“, sagt er. „Ich glaube eher, dass die zurückgelegten Gelder aus der Radwegpauschale von insgesamt zehn Millionen pro Jahr nun rausgehauen werden müssen.“ Der Grüne Stadtrat Paul Bickelbacher bestätigt, dass Gelder vorhanden sind, weil verschiedene neue Radwege und Abmarkierungen letztendlich keine Mehrheit fanden.

Zu schmal: Der Radweg an der Hans-Fischer-Straße (li.) ist 1,20 Meter, der am Bavariaring (re.) nur 94 Zentimeter breit.

Konkret geht es um den Bavariaring 20 bis 48, einseitig in der Kapuzinerstraße zwischen Tumblingerstraße und Thalkirchner Straße vor der Agentur für Arbeit, beidseitig in der Hans-Fischer-Straße, in der Zweibrückenstraße zwischen Tal und Steinsdorfstraße sowie in der Lindwurmstraße. Einig sind sich Mitglieder im BA, dass die Maßnahmen in der Lindwurmstraße zwischen Implerstraße und Sendlinger-Tor-Platz erforderlich sind, weil hier einige Bereiche in sehr schlechtem Zustand sind. An der Kapuzinerstraße gestaltet sich das jedoch völlig anders. Hier ist der bestehende Radweg fast einwandfrei und darüber hinaus nicht benutzungspflichtig. Ebenso unsinnig erscheinen Maßnahmen am Bavariaring in der Tempo 30 Zone. Der Radweg ist hier nur einseitig angelegt und mit 94 Zentimetern nach dem jetzt gültigen Standard von zwei Metern und dem Mindestmaß von 1,60 Metern viel zu schmal. „So ein Radweg dürfte heute nicht mehr gebaut werden“, sagt Ströhle. Es bestehe kein Abstand zu parkenden Autos und es gibt hier bereits eine Ausweichroute über die Theresienwiese.

Auch in der Hans-Fischer- und Zweibrückenstraße sind die Radwege zu schmal und werden damit dem heutigen Radaufkommen und gefahrenem Tempo nicht mehr gerecht.

Ein aktuelles Beispiel im Bezirk zeige auf, wie Gelder in Radwegen teils sinnlos versickern. „Auf dem neu gemachte Radweg zwischen Cornelius- und Zenneckbrücke hoppeln die Räder“, sagt Ströhle. „Die Sanierung ist – wie oft – qualitativ minderwertig in der Oberfläche und Planheit und bringt nur eine optische Verbesserung.“

Im Bezirksausschuss sind die Ansichten zu dem Thema geteilt. Fabian Preger (SPD) spricht sich für die Maßnahmen aus. Man könne dann später immer noch angemessene breite Radwege bauen. Auch die Grüne Silvia Haas fürchtet, dass sonst überhaupt nichts für die Radler im Stadtteil passiert. Die Mehrheit der BA-Mitglieder folgte Florian Florack (CSU) und vertagte das Thema in den Unterausschuss. Die Lokalpolitiker brauchen noch Bedenkzeit, welche Radwegsanierungen aus ihrer Sicht keine Geldverschwendung wären.

Bettina Ulrichs

E-Mail:info@merkur.de

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